Startseite
Icon Pfeil nach unten
Friedberg
Icon Pfeil nach unten
Friedberg
Icon Pfeil nach unten

Sandra Dürrschmidt: So geht es der Mutter nach Lebensgefahr heute

Friedberg

Sie fiel nach der Geburt ins Koma: So geht es dieser Friedberger Mutter heute

  • |
  • |
  • |
  • |
    Sandra Dürrschmidt genießt ihr Leben nach den schweren Geburtskomplikationen wieder in vollen Zügen: Dass sie mit Hündin Tessa überhaupt wieder laufen gehen kann, war zunächst ungewiss.
    Sandra Dürrschmidt genießt ihr Leben nach den schweren Geburtskomplikationen wieder in vollen Zügen: Dass sie mit Hündin Tessa überhaupt wieder laufen gehen kann, war zunächst ungewiss. Foto: Sandra Dürrschmidt

    Sandra Dürrschmidt lacht, sie hält ihren Sohn Dino (Name geändert) im Arm und erzählt stolz von seinen ersten Krabbelversuchen. Dass die 29-Jährige das erleben kann, grenzt an ein medizinisches Wunder. Nach der Geburt im Juni vergangenen Jahres im Friedberger Krankenhaus verschlechtert sich Sandra Dürrschmidts Zustand plötzlich drastisch. In ihrem Bauch werden große Mengen Blut festgestellt, nach und nach versagen die Organe der 29-Jährigen. Vom einen auf den anderen Moment schwebt Sandra Dürrschmidt plötzlich in Lebensgefahr. Die junge Mutter wird sofort in das Augsburger Uniklinikum verlegt und sechs Stunden lang operiert. Die Ärztinnen und Ärzte räumen ihr kaum Überlebenschancen ein, ihr Mann Alexander Dürrschmidt soll sich noch in der Nacht nach der Geburt von ihr verabschieden.

    Die Friedbergerin wird ins Koma versetzt und überlebt überraschend

    Die gelernte Baugutachterin überlebte die Nacht, wird anschließend ins künstliche Koma versetzt und erwachte, wie durch ein Wunder, nach einer Woche. „Ich konnte die ersten Tage, nachdem ich aus dem Koma erwacht bin, überhaupt nichts machen, nicht einmal sitzen. Auch erinnern konnte ich mich an fast nichts“, erzählt die Friedbergerin. Etwa drei Wochen später darf Sandra Dürrschmidt im Rollstuhl gemeinsam mit ihrem Sohn Dino zurück nach Hause. Mehr als hundert Ärzte waren an der Behandlung der frisch gebackenen Mama beteiligt, nur durch einen Zufall konnte das Team der Augsburger Uniklinik überhaupt eine Diagnose abgeben: Dürrschmidt erlitt eine akute Schwangerschaftsfettleber, eine extrem seltene Krankheit, die sich in der Regel schon im früheren Verlauf der Schwangerschaft zeigt.

    Alexander Dürrschmidt und seine Frau Sandra Dürrschmidt gemeinsam mit Sohn Dino im Krankenhaus, nachdem die 29-Jährige aus dem Koma erwachte.
    Alexander Dürrschmidt und seine Frau Sandra Dürrschmidt gemeinsam mit Sohn Dino im Krankenhaus, nachdem die 29-Jährige aus dem Koma erwachte. Foto: Alexander Dürrschmidt

    „Heute weiß ich, dass ich wohl schon zwei Wochen vor dem Geburtstermin krank war, aber es leider niemand erkannt hat. Ich hatte dort schon akute Symptome, wie blaue Flecken am Bauch und ein ständiges Jucken am Unterbauch“, erinnert sich Sandra Dürrschmidt. Die 29-Jährige recherchierte viel selbst und wandte sich an die behandelnden Ärzte aus dem Augsburger Uniklinikum. „Ich hatte ein sehr langes und ausführliches Gespräch mit der Oberärztin, das mir extrem weitergeholfen hat, auch weil ich grünes Licht für eine zweite Schwangerschaft bekommen habe“, erklärt Dürrschmidt glücklich. Vor allem der Austausch mit anderen Müttern half der 29-Jährigen wieder in ihrem alten Leben anzukommen. „Die behandelnde Oberärztin hat den Kontakt zu einer anderen Frau hergestellt, die ebenfalls an der akuten Schwangerschaftsfettleber erkrankt ist und dasselbe durchgemacht hat wie ich. Mit jemandem zu sprechen, der das selbe Schicksal erlebt hat, hat mich sehr bewegt“, erzählt sie.

    Seltene Schwangerschaftsfettleber: Sandra Dürrschmidt wünscht sich trotzdem ein zweites Kind

    90 Prozent ihrer Kraft hat Sandra Dürrschmidt wieder zurück, im Alltag spürt sie kaum noch Einschränkungen. Bis auf die Nieren haben sich alle Organe der 29-Jährigen wieder erholt. „Ich lebe bewusster, lasse mich viel weniger ärgern oder stressen. Wenn ich merke, dass mir etwas nicht gut tut, gehe ich sofort aus der Situation raus. Der ganze Vorfall hat mir bewusst gemacht, wie sehr man für jeden Tag dankbar sein muss“, erklärt sie. Angst vor einer zweiten Schwangerschaft hat Sandra Dürrschmidt nicht. Sie will auf keinen Fall, dass Dino als Einzelkind aufwächst. „Natürlich wäre es eine Hoch-Risiko-Schwangerschaft, aber wichtig ist, dass der schlimme Verlauf der Krankheit verhinderbar ist, wenn sie erkannt wird. Alle Ärzte haben mich hinsichtlich einer zweiten Schwangerschaft bestärkt, da sie eine genetische Bedingung ausschließen“, schildert sie. Dürrschmidt müsse dann wöchentlich Blutproben abgeben und ärztlich streng beobachtet werden, doch das schreckt sie nicht ab.

    Noch zu kämpfen hat die Friedbergerin vor allem mit den ersten zwei Wochen nach Dinos Geburt, die die Mutter nicht erleben konnte. „Natürlich wurde mir alles genau erzählt und Dino wurde mir während des Komas auch auf die Brust zum Kuscheln gelegt, aber natürlich ist das nicht das selbe, als sein Baby ganz aktiv zu spüren und zu erleben. Ich merke oft, dass Dino eher Papa bezogen ist und mache mir oft Vorwürfe, nicht genug zu sein. Diese zwei Wochen fehlen mir wahnsinnig“, erzählt die Friedbergerin. Sie blickt positiv in die Zukunft und ist vor allem dem Team der Uniklinik Augsburg dankbar, dem sie ihr Leben zu verdanken hat: „Ich war im Winterurlaub Skifahren, ich kann wieder zum Krafttraining, Klarinette spielen und voll und ganz mein Leben mit meiner Familie genießen, das ist ein riesiges Geschenk.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren