Die Tröstebären warten schon auf gemütlichen Sitzkissen im farbenfroh gestalteten Raum des Aichacher Familienstützpunkts. Alles ist bereit für die Kleingruppe, in der das St. Afra Hospiz trauernden Kindern einen geschützten Rahmen zum Verarbeiten ihrer Gefühle bieten möchte. Angesprochen sind Jungen und Mädchen im Alter zwischen fünf und etwa elf Jahren aus dem gesamten Landkreis, die eine nahestehende Bezugsperson verloren haben.
„BärenStark“ nennt sich die Gruppe, die sich zwischen Pfingst- und Sommerferien an sechs aufeinanderfolgenden Samstagen nachmittags von 14 bis 16 Uhr trifft. An der Vorbereitung zu diesem Projekt arbeiteten zehn Trauerbergleiterinnen und -begleiter aus dem St. Afra Hospiz. Im vergangenen Herbst spezialisierten sie sich in einer Fortbildung dafür, jungen Menschen bei der Trauerbewältigung Halt zu geben.
Teddybären geben der Kindertrauergruppe das Motto „BärenStark“
Denn Kinder verarbeiten ihre Trauer anders als Erwachsene und drücken sie selten in Worten aus. Meist spiegelt sich ihr aufgewühltes Gefühlsleben in ihrem Verhalten. Erwachsene sollten deshalb aufmerksam sein und solche Signale immer ernst nehmen, erklärt Manuela Lang, Trauerkoordinatorin im St. Afra Hospiz. „Trauernde Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Gefühle aushalten. Menschen, die für sie da sind und dableiben, wenn ihre Welt aus den Fugen geraten ist“.
Eine große Rolle bei der Unterstützung der Kinder in ihrer Trauer spielen die Teddybären, die der Kindertrauergruppe das Motto „BärenStark“ gaben. Noch vor dem ersten Treffen darf sich jedes Kind einen Bären aussuchen, der ihn begleitet und ihm Halt in schweren Stunden geben kann.
„Wir sind für die Gruppenarbeit gut ausgestattet“, berichtet Christine Neukäufer, Gesamtkoordinatorin im St. Afra Hospiz. Nicht zuletzt durch Spenden konnten Bücher, Bastelmaterial, Malstifte und Instrumente für eine spielerische Herangehensweise angeschafft werden. Denn eine Gruppe „BärenStark“ für trauernde Kinder wurde schon einmal erfolgreich durchgeführt. Die Corona-Pandemie brachte die geplante Kontinuität zum Erliegen. Das Programm für die aktuelle Gruppe wurde anhand des vorliegenden Konzepts mit neuen Ideen ausgearbeitet.
Im spielerischen Tun und mit kreativen Impulsen lernen die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der eigenen Trauer umzugehen. Statt einer starren Gesprächsrunde dürfen Spaß und Action sein. Aber ein fester Rahmen wie das Entzünden einer Kerze für den so sehr vermissten Papa oder das verstorbene Geschwisterkind sowie ein Abschiedsritual geben Sicherheit.
Kindertrauergruppe in Aichach: Erstes Treffen findet Mitte Juni statt
„Kindliche Trauer tritt oft in intensiven Wellen auf und pendelt von fröhlich zu traurig“, weiß Trauerbegleiterin Karin Schmidt, die bereits Erfahrung im „Projekt Hospiz macht Schule“ sammelte. „Kinder tauchen oft nur kurz in die Trauer ein, dann wechseln sie wieder zum Spiel.“ Ein Kind sollte die Chance haben, seine Trauer aufzuarbeiten, damit sie nicht später im Leben als Trauma ausbricht, zeigt sich die ausgebildete Pädagogin überzeugt.
„Es heißt nicht, wenn ein Kind fröhlich ist, dass es dann nicht trauert“, ergänzt Hans-Jörg Künast. Er ist einer von vier männlichen Kindertrauerbegleitern in der Runde, die sich für bei den sechs geplanten Treffen in Zweierteams abwechseln wollen. „Ich selbst werde durchgehend als Bindeglied da sein“, erklärt Künast. Wie wichtig dem promovierten Historiker aus Mering sein neues Ehrenamt ist, zeigt sich auch daran, dass er künftig sein Lieblingshobby, das Tischtennisspielen im Verein etwas zurückfahren will. „Es ist immer wichtig, auch die eigenen Gefühle zu benennen und Tränen zuzulassen. Das ist die einfachste Art, Trauer sichtbar zu machen“, so raten die Kindertrauerbegleiter den Eltern.
Ein Vorgespräch mit dem trauernden Kind, gemeinsam mit einer Bezugsperson zum gegenseitigen Kennenlernen ist Voraussetzung zur Teilnahme am Kurs. Die sechs Treffen finden innerhalb einer festen Kleingruppe mit etwa vier bis sechs Kindern statt. Erfahrungsgemäß tut ihnen der Austausch unter Gleichaltrigen gut. „Natürlich bieten wir auch Einzelbegleitungen an, wenn es gewünscht wird.“
Das sind die Termine der Gruppe
Beginn am Samstag, 13. Juni. Folgetermine: 20.6./27.6/4.7./11.7./18.7., jeweils von 14 bis 16 Uhr. Treffpunkt im Familienstützpunkt, Bahnhofstraße 27, Aichach. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Anmeldung und weitere Infos über St. Afra Hospiz, Tel. 08251/93465-30 gabriele.greppmeir@caritas-aichach-friedberg.de.
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