Ein Klaviervirtuose von Weltrang begeisterte das Publikum in der fast vollbesetzten Aula des Gymnasiums Mering. Dmitry Ablogin gab auf Einladung des Konzertvereins Mering ein Konzert der Extraklasse. „Es war fantastisch,“ so die 15-jährige Liv, die erstmalig ein Klavierkonzert des Künstlers besuchte. „Wie er die unterschiedlichen Stimmungen und Gefühle der Stücke mit dem Klavier dargestellt hat – unglaublich.“
Ablogin entführte die Zuhörer an diesem Abend in die Welt der Romantik. Kaum erklangen die ersten Töne von Schumanns Kinderszenen Opus 15, wird man schon in den Bann des Klavierspiels Ablogins gezogen. Der vielseitige Pianist interpretiert die Stücke nicht nur – er fühlt sie. Die Dramatik der „wichtigen Begebenheit“, den lebhaften „Ritter vom Steckenpferd“, einzigartig dargelegt vom Künstler. Ablogin lässt das Klavier träumen und klagen, webt einen Klangteppich aus Gefühl und Emotion.
Pianist Ablogin macht beim Konzert in Mering die Poesie hörbar
„Die Träumerei“, wohl eins der bekanntesten Stücke aus Schumanns Kinderszenen, trifft die romantische Musikauffassung Schumanns wohl am besten: Was mit Worten nicht ausdrückbar ist, lässt sich durch die Musik als höhere Sprache mitteilen. Ablogin versteht es meisterlich, die Poesie hörbar zu machen. Die lyrischen Stücke Edvard Griegs schließen sich an und entführen in die melancholische Welt dieses Komponisten aus dem hohen Norden. Die Virtuosität des Künstlers zeigt sich hier in einzigartiger Art, indem er die Dynamik der Stücke von leichten fließenden Klängen „Des Schmetterlings“ in ein kraftvolles Crescendo beim „Zug der Zwerge“ gipfeln lässt.
Im zweiten Teil ändert der Künstler das Programm, das Stücke von Rachmaninov und Medtner vorsieht: „Rachmaninov und Medtner sind ohne Tschaikowsky nicht denkbar,“ so Ablogin und ergänzt schmunzelnd: „Es war bislang sehr melancholisch – ich denke, dass der zweite Teil nicht mehr ganz so melancholisch wird“ und beginnt mit dem „Herbstlied“ gefolgt von „dem Schneeglöckchen“ aus dem Liederzyklus „Die Jahreszeiten“ von Peter Tschaikowskys. Sergej Rachmaninovs drei Préluden schließen sich an. Rachmaninov ist wohl einer der am schwierigsten zu spielenden Komponisten. Ablogin spielt ihn mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Schwierigste Läufe in der linken Hand erscheinen mühelos.
Zugabe unter langanhaltendem Applaus bei Klavierkonzert in Mering
Seinen absoluten Lieblingskomponisten hat sich der gebürtige Moskauer für das Ende dieses einzigartigen Klavierabends aufgehoben: Nikolaj Medtner. Rachmaninov habe mal über Medtner gesagt, dass er selbst vergessen werde, sobald man Medtner höre. „Das Gegenteil ist eingetreten,“ so Ablogin und man merkt ihm an, dass er dies ein klein wenig bedauert. Kurz erläutert er die Entstehungsgeschichte des Zyklus „Vergessene Weisen“ op.39 von Medtner. So habe der unglaublich kreative Medtner seine Einfälle auf kleinen Papierstücken und Servietten notiert, die er in einem großen Koffer sammelte.
Als er 1918 in einem kalten einsamen Haus in Rußland auf die Erlaubnis wartete, das Land verlassen zu dürfen, kam ihm der Koffer wieder in den Sinn. Aus den verschieden Ideen entstand ein in sich tragendes einzigartiges Gesamtkunstwerk, dessen Sonate Ablogin an diesem Abend auf unnachahmliche Art erlebbar machte. Langanhaltender Beifall erklang. Ablogin bedankte sich auf einzigartige virtuose Art: „Um nicht so melancholisch zu enden,“ so der Künstler spielt er nach dem Walzer in cis-moll von Frederic Chopin auch ein Stück in Dur: Es ist Chopins Nocturne in es-dur, die das begeisterte Publikum in die Nacht entließ. Langanhaltender Beifall beendet einen Klavierabend mit einem Künstler der Extraklasse am Gymnasium Mering.
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