Schluss mit der Plakatflut? Kritik und Lob für neue Wahlwerbung in Friedberg
Friedberg
Häme und Lob für die Plakatwände in Friedberg – Parteien streiten über gerechte Flächen
Weniger ist mehr: Friedberg setzt bei der Kommunalwahl erstmals auf zentrale Stellwände für die Plakate der Parteien. Die Meinungen dazu gehen auseinander.
Am Freitag waren die Plakatwände nur teilweise beklebt, hier am Standort vor der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg.Foto: Marina Wagenpfeil
Seit kurzem dürfen die Parteien ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehende Kommunalwahl bewerben – in Friedberg allerdings erstmals nicht auf Einzelplakaten, sondern auf großen Stellwänden, die an 27 Stellen im Stadtgebiet und in den Ortsteilen aufgestellt wurden. Das hat der Stadtrat im November auf einen Antrag der SPD beschlossen, um die Plakatflut einzudämmen. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig. Wie sind jetzt die Erfahrungen mit der neuen Regelung?
Nicht alle Friedberger befürworten die neuen Plakatwände zur Kommunalwahl
Bei den Friedbergerinnen und Friedbergern gehen die Meinungen auseinander. Manuel (34) befürwortet die neuen Plakatwände. „An einzelnen Wahlplakaten läuft man einfach vorbei, da man sie aus früheren Wahlkämpfen kennt“, sagt der Friedberger. Die großen Plakatwände hingegen laden seiner Ansicht nach eher zum Stehenbleiben ein. Außerdem vermutet er, dass die Plakate so seltener abgerissen werden. „Die Plakatwände sind viel übersichtlicher. Man hat alles auf einem Fleck“, ergänzt er.
Eine Friedbergerin befürwortet zwar aus der Umweltperspektive das Konzept. „Wenn ich mich informieren will, muss ich aber erst mal zu den Plakatwänden gehen, das finde ich umständlich“, sagt sie. Auf einzelne Plakate würden die Menschen im Vorbeigehen eher achten.
Der 24-jährige Jonas findet hingegen die neuen Plakatwände besser als die bisherige Lösung. „Es ist angenehmer, durch die Stadt zu gehen, ohne überall mit Politikerplakaten konfrontiert zu werden“, sagt er. Besonders gut gefällt ihm, dass alle Parteien an einem Ort gebündelt vertreten sind. Ein Augsburger, der lange in Friedberg gewohnt hat, ist ebenfalls angetan von der Neuerung. In Augsburg komme es häufig zu Auseinandersetzungen rund um Wahlplakate. „Friedberg ist in dieser Hinsicht einfach weiter“, sagt er.
Auf Facebook kritisieren Friedberger die Plakatreform
Auf Facebook ernten die Stellwände teilweise Häme. „Mit 50 km/h, was sieht man da?“, fragt ein Bürger zu einem Foto von einer Stellwand an der Straße. „Ist doch klar, stehen bleiben auf der Straße direkt davor und alle mal kurz durchlesen“, kommentiert ein anderer. Dagegen schreibt ein weiterer: „Natürlich ist die Umsetzung noch nicht perfekt. Ich persönlich finde es positiv, dass es in Friedberg nur eine begrenzte Menge an Wahlwerbung gibt.“
An jedem der 27 Standorte in Friedberg stehen zwei Plakatwände mit jeweils maximal 15 Plakaten, wie hier an der Augsburger Straße vor dem Friedberger Berg.Foto: Ishak Mecit
Auch bei den Parteifreien Bürgern freut man sich über die Plakatwände. „Seit Jahren regen wir eine solche Regelung an“, sagt der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Rockelmann. Verwundert ist er über die Zuteilung der Werbeplätze: Den Parteifreien Bürgern stünde bei drei Fraktionsmitgliedern ein Plakatplatz, der SPD bei fünf Sitzen dagegen drei Flächen zur Verfügung. „Wir akzeptieren das, aber der Parteibasis ist dieses Missverhältnis schwer zu erklären“, sagt Rockelmann. Die Stadt teilt auf Nachfrage unserer Redaktion mit, dass die Zuteilung nach dem Prinzip der „abgestuften Chancengleichheit“ erfolge, das sich an den Wahlergebnissen von 2020 orientiere; diese Umsetzung habe der Stadtrat beschlossen.
Die Parteifreien Bürger Friedberg dürfen an den Stellwänden nach der neuen Regelung ein Plakat aufhängen. Zudem setzen sie auf Werbewürfel.Foto: Jutta Metzger
Parteien mit 15 bis 20 Prozent Stimmenanteil erhalten demnach drei Plätze, bei unter zehn Prozent bekommt eine Gruppierung einen Plakatplatz. „Dieser Regelung stimmten auch die Vertreter der Parteifreien Bürger Friedberg zu“, sagt Stadtsprecher Frank Büschel. Zusätzlich setzt die Gruppierung auf Werbewürfel. Laut Stadtverwaltung gelten diese als Großwerbetafeln, die im Gegensatz zu Einzelplakaten noch erlaubt sind und deren Anzahl ebenfalls gestaffelt vergeben wird.
Die CSU in Friedberg übt Kritik an den Standorten der Plakatwände
Die CSU/FDP-Fraktion hatte gegen die zentralen Plakatwände gestimmt, akzeptiert nun aber die Reform. „Jetzt ist es so, die Änderung ist nicht mehr zu diskutieren“, so der CSU-Stadtverbandsvorsitzende Florian Fleig. Allerdings bezweifelt er, dass die Plakatflut tatsächlich verringert wird. „Zahlenmäßig sind es sogar mehr Plakate als vorher“, sagt Fleig. Die CSU hatte im Vorfeld kritisiert, dass die Zeit für Planung zu knapp und die Kosten, etwa für Auf- und Abbau durch den Bauhof und die Instandhaltung, zu hoch seien. Insgesamt waren zuletzt 130.000 Euro veranschlagt.
Das ist laut Fleig nach wie vor ein Kritikpunkt. „In der Kürze der Zeit musste schnell entschieden werden, sodass die Standorte zum Teil nicht optimal ausgewählt wurden“, findet er. Problematisch seien parallel zur Straße aufgestellte Wände. „Für Autofahrer sind die Plakate zu klein und man müsste zum Lesen den Kopf wenden, während man eigentlich aufs Fahren konzentriert ist.“ In der Innenstadt wie in der Ludwigstraße sei es dagegen sinnvoll, dass dort nicht mehr Dutzende Wahlplakate stehen. Für die Zukunft müssten die Standorte insgesamt noch einmal geprüft werden.
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