Startseite
Icon Pfeil nach unten
Friedberg
Icon Pfeil nach unten

Self-Service-Terminal: Passbilder gibt es im Bürgerbüro Friedberg

Friedberg

Diese Vorteile soll das Self-Service-Terminal im Bürgerbüro bringen

    • |
    • |
    In vielen Kommunen sind bereits Terminals verfügbar, an denen Bürgerinnen und Bürger selbst ihre Passbilder machen können.
    In vielen Kommunen sind bereits Terminals verfügbar, an denen Bürgerinnen und Bürger selbst ihre Passbilder machen können. Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

    Früher war die Reihenfolge klar: Bevor man einen neuen Ausweis oder Reisepass beantragt, steht zunächst der Besuch beim Fotografen für Passbilder an. Doch in Friedberg wird dieser Schritt wohl bald nicht mehr nötig sein. Der Finanzausschuss der Stadt hat beschlossen, dass im Bürgerbüro künftig ein Self-Service-Terminal stehen soll, das Passbilder und weiteren Service bietet. Doch das Thema ist umstritten – denn manche Fotografen fürchten dadurch um ihre Existenz. Auch in der Politik gehen die Meinungen auseinander.

    Das Self-Service-Terminal ermöglicht Friedbergerinnen und Friedbergern, biometrische Bilder für Ausweise zu erstellen. Diese sind von den Mitarbeitenden des Bürgerbüros dann direkt digital abrufbar. Dazu kann das Terminal Fingerabdrücke scannen und erlaubt die Erfassung einer digitalen Unterschrift. Alles in allem soll das Terminal die Arbeit vereinfachen - einerseits für Bürgerinnen und Bürger, die alles vor Ort erledigen können, andererseits für die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn für Sachbearbeiter sinke laut Friedberger Verwaltung der Zeitaufwand erheblich. Doch die Einrichtung des Self-Service-Terminals hat auch einen rechtlichen Hintergrund. Ab dem 1. Mai 2025 dürfen nur noch digitale Lichtbilder für die Beantragung hoheitlicher Dokumente, etwa Ausweise, genutzt werden. Daher müssen auch private Dienstleister, etwa Fotostudios, ihre Bilder den Behörden künftig digital zur Verfügung stellen.

    Self-Service-Terminal im Bürgerbüro: Fotostudio Hatzold fürchtet um Existenz

    Gerade Fotostudios sehen in Self-Service-Terminals ein massives Problem. Das Friedberger Studio Hatzold hat Sorge vor der Insolvenz, seitdem das Thema in der Stadt Friedberg diskutiert wird. Diese Konsequenz sahen auch einige Mitglieder des Finanzausschusses. Jakob Eichele (Freie Wähler) sagte etwa: „Die Stadt greift damit in das private Geschäftsleben ein. Daher werden wir dagegen stimmen.“

    Allerdings fanden sich mehrere Fürsprecher für das neue Terminal. Ulrike Sasse-Feile (SPD) führte aus, dass ihre Fraktion einstimmig für die Anschaffung sei. Sie sehe darin einen Mehrgewinn für alle Bürger sowie für die Verwaltung. Darüber hinaus biete das Self-Service-Terminal eine Chance für Fotostudios: „Wenn ich an Kinderausweise oder ältere Bürger denke, werden weiterhin Menschen ins Fotostudio gehen.“

    Dabei warf Sasse-Feile eine weitere Überlegung auf – ob die Möglichkeit bestehe, dem Friedberger Fotostudio entgegenzukommen. Man könnte etwa in der Hochzeitsmappe für das Wittelsbacher Schloss Werbung für das Studio Hatzold als Fotografen machen. Kommunalreferent Stefan Kreitmeyr erklärte, dass sich die Stadt auf dem Markt grundsätzlich wettbewerbsneutral verhalten müsse. „Aber an speziellen Stellen wie im Schloss, im Standes- oder Passamt werden wir sicher rechtlich vertretbare Lösungen finden“, sagte er.

    Statt Fotostudio zum Terminal im Friedberger Bürgerbüro?

    Auch andere Fraktionen sprachen sich für das Terminal aus, etwa Paul Trinkl (CSU). Er sehe dadurch weniger eine Konkurrenz für Fotostudios, sondern vielmehr für andere Anbieter: „Wir haben nicht nur Fotografen im Ort, sondern auch eine Fotokabine im Kaufland. Diese wird wohl nicht mehr konkurrieren können.“ Fotografen hätten hingegen völlig andere Möglichkeiten, ihre Bilder zu gestalten und auszuleuchten. Letztendlich traf der Finanzausschuss mit neun Stimmen den Entschluss, das Self-Service-Terminal anzuschaffen – drei Mitglieder des Gremiums stimmten dagegen.

    In Friedberg soll ein Gerät der Bundesdruckerei zum Einsatz kommen. Das bringt der Stadt laut Verwaltung mehrere Vorteile – so sei es kostenlos erhältlich und verursache keine Arbeit durch technischen Support. Für Bürgerinnen und Bürger werden Fotos jedoch nicht kostenlos sein, pro Passbild müssen diese sechs Euro bezahlen. Das Terminal soll dann im Eingangsbereich des Bürgerbüros stehen, der davor noch einen verglasten Wartebereich bekommt.

    Diskutieren Sie mit
    1 Kommentar
    Peter Schurrmann

    Ich finde das Gejammere vom Fotostudio Hatzold ehrlich gesagt peinlich. Es geht hier um biometrische Passfotos. Das ist ein technischer Akt und hat nichts mit künstlerischer Arbeit zu tun. Die meisten Menschen nutzen die Passfotos auch für nicht viel mehr als für Dokumente wie den Personalausweis. Keiner hängt sich das gerahmt an die Wand. Und auch heute kann ich da schon Alternativen zum Fotostudio wählen und zum Beispiel einfach günstige Fotos in einer Drogerie machen lassen. Kurzum: Für Passfotos braucht es keinen ausgebildeten Fotografen. Die Maxime ist: Einfach & günstig. Wenn die Insolvenz des Fotostudios also an so etwas banalem wie Passfotos hängt, sollte ich mir als Unternehmer Gedanken darüber machen, wieso man die Leute nicht ausreichend für das Kerngeschäft ("richtig" Fotos, Fotoshootings, Bewerbungsbilder, o.ä., also alles wo man auch künstlerisch und kreativ tätig sein muss) begeistern kann.

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Registrieren sie sich

    Sie haben ein Konto? Hier anmelden