Schon am Samstagnachmittag füllt sich die Steber-Halle in Ried mit Leben. Vor den Hallentoren glänzen Feuerwehrfahrzeuge in der Sonne, Kinder toben auf der Hüpfburg, Erwachsene bleiben an den ausgestellten Feuerwehrfahrzeugen stehen, werfen einen Blick in den Innenraum oder kommen mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch. Es ist erst drei am Nachmittag, doch das Jubiläumsfest zum 140. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Ried ist längst in vollem Gange.
Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt die „Zwergerlwehr“. Seit Februar 2019 gibt es in Ried als eine der ersten Feuerwehren im Landkreis Aichach-Friedberg eine Kinderfeuerwehr. Mädchen und Jungen zwischen sechs und zwölf Jahren lernen dort spielerisch, was es bedeutet, Mitglied der Feuerwehr zu sein: helfen, zusammenhalten und Verantwortung übernehmen. Jugendwartin Denise Seidl beantwortet geduldig die vielen Fragen. Man merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Technik und Uniformen, sondern auch um Gemeinschaft.
Gerstlacher fordert mehr Respekt für die Feuerwehr
Gegen Abend füllt sich die Steber-Halle weiter. Bei der offiziellen Begrüßung lässt Rieds Bürgermeister Erwin Gerstlacher seine Zeit als Vorstand bei der Feuerwehr Revue passieren. „Ich habe hier ein Heimspiel“, scherzt er gutgelaunt. Er versäumt aber nicht, mehr Respekt für die Feuerwehrleute einzufordern – was ihm donnernden Applaus von den Zuhörerinnen und Zuhörern beschert. Landrat Marc Sturm, gekleidet in Lederhose und Haferlschuhen, weist auf die „Zwergerlwehr“ hin, die Vorreiter für eine Kinderfeuerwehr im gesamten Landkreis Aichach-Friedberg war. „Die haben schon einige Nachahmer gefunden“, sagt er.
Auch der Landtagsabgeordnete Peter Tomaschko findet deutliche Worte: Die Feuerwehren im Landkreis leisteten „an jedem Tag Außergewöhnliches“. Kameradschaft und Zusammenhalt seien bei ihnen kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. Feuerwehr-Vorstand Markus Berghamme bestätigt: „Wir sind Tag und Nacht bereit, zu helfen und Leben zu retten“. Dieses Ehrenamt bedeute, füreinander einzustehen – ein Wert, der gerade heute wichtiger sei denn je.
Dann wird gefeiert – mit Live-Musik von den Högl-Buam, die in der Region bekannt für die musikalische Umrahmung von Gottesdiensten, Festen und anderen Veranstaltungen sind. Dieses Mal haben sie sich sogar weibliche Unterstützung dazugeholt. Ihre bayerische Blasmusik verwandelt die Steber-Halle in ein Festzelt.
In der Kirche wird das „Täfele“ der Rieder Feuerwehr geweiht
Als die Gäste später an der Bar anstoßen, stehen viele Feuerwehrleute in kleinen Gruppen zusammen. Einige Freiwillige tragen Uniform, andere bereits T-Shirts mit dem Jubiläumslogo. Sie lachen, erzählen von Einsätzen von früher und beobachten, wie Kinder neugierig um die Feuerwehrfahrzeuge streifen. Genau darin zeigt sich vielleicht am besten, was dieses Fest ausmacht: Die Feuerwehr ist in Ried keine geschlossene Organisation, sondern Teil des Dorflebens.
Die Feierlichkeiten ziehen sich über das gesamte Wochenende. Bereits am Sonntagmorgen steht in der Steber-Halle das große Pfarrfest auf dem Programm. In der Kirche wird außerdem das neue „Täfele“ der Feuerwehr geweiht – ein kunstvoll gestaltetes Schild, das künftig bei Festumzügen vorangetragen wird und die Wehr begleitet. Für die beiden Feuerwehr-Vorstände Markus Berghammer und Franz-Xaver Drexl ist es ein weiterer besonderer Moment in einem Jubiläumsjahr, das eindrucksvoll zeigt, wie lebendig die Feuerwehrfamilie in Ried nach 140 Jahren noch immer ist.
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