In Mering kommt es auf jede Stimme an. Die Wahlhelferinnen und -helfer sind bis in die frühen Morgenstunden mit der Auszählung beschäftigt.Foto: Eva Weizenegger
Wahlleiter Karl-Heinz Brunner führt in den großen Fraktionsraum im Keller des Rathauses. Er selbst ist am Sonntag in der ganzen Verwaltungsgemeinschaft auf Achse, kommt gerade aus Schmiechen. Alles muss bei der Auszählung der Stimmzettel zur Kommunalwahl genau zugehen, denn auf jede Stimme kommt es an.
Um den in diesem Raum ausgezählten Bezirk kümmert sich Briefwahlvorstand Sandra Rutschenreiter als Teil eines sechsköpfigen Teams: „Ich arbeite zwar im Rathaus, aber heute kriege ich wie alle anderen nur ein sogenanntes Erfrischungsgeld.“ Schon um 16 Uhr ging es los: Die roten Wahlbriefe wurden geöffnet und die Wahlscheine überprüft: Es sind 364 Stück, ein Wahlschein war ungültig: „Durch zusätzliche Briefwahlbezirke sind es weniger als früher. Insgesamt wird aber viel Briefwahl gemacht, die Leute wollen diese großen Stimmzettel in Ruhe zu Hause ausfüllen.“
Sorgfältig arbeiten die Ehrenamtlichen bei der Auszählung der Kommunalwahl 2026 in Mering.Foto: Eva Weizenegger
Jeder Schritt wird sorgsam dokumentiert
Dann schlagen die Glocken von St. Michael. Es ist 18 Uhr. Die Auszählung beginnt: Sie ist öffentlich. Die Urne mit den weißen Stimmzettelumschlägen wird geöffnet. Alle schlitzen nun Kuverts auf und sortieren die Wahlzettel nach Farben auf Haufen. Diese kommen wieder in offene Urnen, bis auf die gelben der Bürgermeisterwahl. Erstmals bei einer Kommunalwahl sortiert Jürgen Deutsch mit: „Ich habe jetzt einmal alle Wahlen durch, begonnen bei der Landtagswahl 2023.“ Die Firma, in der er arbeitet, muss ihn freistellen, falls sich die Auszählung bis morgen Vormittag zieht: „Den Kreisrat zählen wir wahrscheinlich dann erst aus.“
Die Zählung der Bürgermeisterstimmen ist noch die einfachste: Es werden Stapel gemacht, je nachdem, bei welchem der drei Kandidierenden das Kreuz gesetzt wurde. Dann werden die Haufen durchgezählt. Immer gilt ein Vier Augen-Prinzip, jede Zahl wird überprüft und erst auf kleinen Zetteln vermerkt. Wie knapp die Wahl schließlich ausgeht und wie wichtig diese genaue Vorgehensweise dadurch ist, wissen die Wahlhelfer noch nicht. Die Zahl der Stimmen wird mit dem Taschenrechner überprüft: „Passt“, stellt Rutschenreiter um 18.45 Uhr fest, „ich kann das Ergebnis melden.“ Wie alle Schritte wird auch dieser sauber dokumentiert.
Während die anderen Wahlhelfer nach ähnlichem Prinzip die Landratsstimmen zählen, fährt Sebastian Seiler schon einmal die EDV für die Marktgemeinderatswahl hoch: „Die Software ist hier auf dem USB, der Laptop ist komplett vom Internet getrennt, damit nichts reinfunkt.“ Er macht das Ehrenamt seit über zehn Jahren: „Ich kann so einen Beitrag zur Demokratie leisten.“ Bereits um 19.10 Uhr folgt der nächste Programmpunkt: „Jetzt kommt der Teil, der sich zieht, da braucht es viel Kaffee“, sagt Seiler aus Erfahrung. Draußen wird es dunkel, es braucht mehr Deckenlampen für das knallige Grün der Gemeinderatszettel: Sie werden erstmal sortiert danach, ob eine Liste angekreuzt wurde, Einzelpersonen und eine Liste oder nur Einzelpersonen. Rutschenreiter bringt derweil schonmal die ausgezählten Zettel der Direktwahlen in vorbereiteten Säcken in die Verwaltung: „Dort werden sie verwahrt, falls nachgezählt werden muss.“
Beim Gemeinderat müssen vier Personen sich um jeden Zettel kümmern
Die Zettel, auf denen eine Liste pauschal gewählt wurde, sind schnell gezählt, nun beginnt das kompliziert Zählen der kumulierten und panaschierten Stimmen. Zuerst kommt vom Laptop eine Ansage, mit welcher Nummer der Zettel zu beschriften ist, zum Beispiel A1. Dann liest eine Person die Stimmen pro Person vor, benutzt dafür die auf den Listen vergebenen Zahlen: „401, drei Stimmen.“ Ein anderer Wahlhelfer trägt diese Ansagen in den Laptop ein, der automatisch berechnet, ob zum Beispiel zu viele Stimmen vergeben wurden. Beiden wird noch einmal von je einer Person über die Schulter geschaut. Wie lange genau sie so sitzen werden, weiß Rutschenreiter bis jetzt nicht. Spannend wird es in Mering auf jeden Fall, denn Amtsinhaber Florian Mayer fehlen zwei Stimmen zur Mehrheit. Er wird am 22. März gegen Mathias Stößlein (UWG) bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt antreten. Und auch dann sind wieder die Wahlhelferinnen und -helfer gefragt.
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