Ludwig Eder versteht die Welt nicht mehr: „Was geht in einem Menschen vor, der so etwas tut?“ Vor einigen Tagen fand er rosa gefärbte Krümel vor dem Gehege für die Hühner, Enten und das Damhirschpärchen. Eder, der vor fünf Jahren zusammen mit seiner Frau Dagmar Schild den Verein Tierhilfe Augsburg-Steindorf-Eurasburg gegründet hat, ist sich sicher, dass es sich bei den Körnern, die ähnlich wie Haferflocken aussehen, um Rattengift handelt. „Hier hat jemand einen Anschlag auf die Tiere verübt“, sagt er.
Er glaubt, dass sich jemand in Steindorf von dem Krähen der Hähne gestört fühlte und deshalb den Tieren den Garaus machen wollte. „Dabei kann sich der Täter doch gar nicht sicher sein, dass er den Gockel mit dem Gift auch erwischt“, so Eder. Viele Steindorfer Kinder kommen immer wieder zu dem Gehege, das sich gegenüber Eders Wohnhaus befindet. „Sie füttern die Enten oder wollen nach dem Damhirsch schauen.“
Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn Kinder das Gift in die Hand genommen hätten. „Es ist auch für den Menschen gefährlich, weil es blutverdünnend ist“, sagt Eder.
Ludwig Eder meldet den Vorfall der Friedberger Polizei
Der Tierschützer ist sich sicher, dass ein Hahn bereits von dem Gift gepickt hat. Auch vermutet er, dass eine Krähe, die er wochenlang gesund gepflegt hat, etwas davon abbekommen hat. „Sie sitzt ganz apathisch oben im Baum“, sagt Eder und zeigt auf den Vogel, der sich kaum regt. Der ehemalige Motorradhändler hat sich zusammen mit seiner Frau Dagmar Schild ganz dem Tierschutz verschrieben.
Neben dem Gehege in Steindorf versorgt der Verein noch Geflügel im Obermoos an der Kreisstraße nahe dem Friedberger Autobahnanschluss sowie Damwild in Eurasburg. Das Paar habe in Steindorf viele Unterstützer. „Wir kommen hier mit den Einwohnern und auch mit unseren Nachbarn gut aus, und wenn etwas stört, reden wir miteinander“, sagt Ludwig Eder. Deshalb sei es ihm „schleierhaft“, warum nun mit Rattengift auf die Tiere losgegangen werde. Eder habe den Vorfall am Sonntag bei der Polizei angezeigt.
Der Friedberger Polizei fehlen Beweise
Martin Binder, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Friedberg, bestätigt die Anzeige. „Da aber kein Rattengift sichergestellt wurde, fehlen uns die Anhaltspunkte“, sagt er. Die Ermittlungen seien aufgenommen worden. „Wir wissen aber nicht, ob es sich bei den Körnern auch wirklich um Rattengift gehandelt hat, weil Herr Ludwig Eder diese nach seinen Angaben im Müll entsorgt hat“, so Binder weiter. Wären die Körner noch vorhanden, hätte man diese zur weiteren toxikologischen Untersuchung schicken können. Binder erinnert an einen Fall in Mering im April. Auch dort habe man zunächst vermutet, dass Unbekannte Rattengift ausgelegt hatten, letztendlich stellte es sich als eine speziell behandelte ungefährliche Samenmischung heraus. „Wer Körner entdeckt, die auf Rattengift schließen lassen, sollte diese vorsichtig einsammeln und als Beweis sichern“, sagt Martin Binder.
Ludwig Eder hat sich sofort mit einer befreundeten Tierärztin in Verbindung gesetzt. „Jetzt bekommen die Tiere Vitamin K, und wir hoffen so, die Auswirkungen des Gifts zu verringern.“ Noch hüpft der Gockel von der Stange, besonders munter ist er nicht. Doch Ludwig Eder und seine Frau Dagmar Schild tun alles dafür, dass er schon bald wieder munter krähen kann.
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