Gegen Viertel vor elf wird es in dem Fitnessstudio im Süden von Mering plötzlich sehr voll. Zuvor waren nur einzelne Geräte besetzt – das ändert sich jetzt. Rund 50 Schülerinnen trudeln nach und nach im „Clever Fit“ ein, ziehen ihre Jacken aus, legen ihre Taschen ab. Seit rund einem halben Jahr, seitdem die Ambérieu-Turnhalle gesperrt ist, haben die Zehntklässlerinnen hier Sportunterricht.
„Das ist eine coole Option“, sagt Lehrerin Luisa Weber. In den Stunden, die normalerweise in der Ambérieu-Turnhalle stattgefunden hätten, müssen die Klassen der Realschule seit September ausweichen: auf die Paarthalhalle in Kissing, das Sportheim des SV Mering – und eben das Fitnessstudio. Das Problem mit der Paarthalhalle ist: Durch die Hin- und Rückfahrt sowie das Umziehen bleibt oft nur noch eine halbe Stunde für den Unterricht. „Hier sind es immerhin 45 Minuten“, sagt Weber, die die Schülerinnen zusammen mit einer Kollegin betreut.
Einige Schülerinnen waren zum ersten Mal im Fitnessstudio
Als die Ambérieu-Turnhalle zuletzt renoviert wurde, verlegte ein Kollege Webers den Sportunterricht schon einmal hierher. „Daran haben wir uns erinnert“, sagt die Lehrerin. Nach dem Wasserschaden in den Sommerferien musste kurzfristig wieder eine Alternative her. Seit Schuljahresanfang kommen die Zehntklässlerinnen nun alle zwei Wochen her, sie wechseln sich mit den Jungs ab. Die Kosten übernimmt das Landratsamt, die Ambérieu-Turnhalle gehört dem Landkreis.
Die Sportstunden im Fitnessstudio laufen immer ähnlich ab. Zunächst machen sich die Schülerinnen warm, auf dem Laufband, dem Sitzrad oder dem Stepper. Danach trainieren sie an den Geräten Arm-, Bein- und Bauchmuskulatur: an der Klimmzugstange, der Beinpresse oder am Rudergerät. „Sie sollen Kraftausdauer entwickeln, es geht nicht um Maximalkraft“, erklärt Weber. An die Freihanteln dürfen die Schülerinnen nicht, zu groß sei dort die Verletzungsgefahr, sagt die Lehrerin: „Ich kann nicht alle beaufsichtigen.“ Bei den Geräten könne man sich weniger leicht verletzen.
Als der Sportunterricht Anfang des Schuljahres startete, waren einige der Schülerinnen zum ersten Mal im Fitnessstudio. „Da war alles neu und aufregend“, erinnert sich Weber. Mittlerweile machen die Mädchen die Übungen selbstständig.
Allein durch den Weg fallen in Mering 40 Minuten weg
Emilia war zuvor schon regelmäßig im Fitnessstudio. Der 15-Jährigen gefällt der Unterricht hier sogar besser als in der klassischen Turnhalle, wo Basketball, Volleyball oder Turnen auf dem Lehrplan stehen. „Hier ist es cooler“, sagt Emilia. „Hier kann man seine eigenen Sachen machen und an den Geräten trainieren, die man mag.“ Ähnlich sieht es ihre Mitschülerin Linn. „Viele Schülerinnen können das Fitnessstudio so kostenlos ausprobieren“, sagt die 16-Jährige. Sie und Emilia konnten als erfahrene Fitnessstudio-Besucherinnen den anderen aus der Klasse am Anfang des Schuljahres bei den Übungen helfen.
Die beiden sind froh, dass der Sportunterricht trotz der gesperrten Ambérieu-Turnhalle stattfinden kann. Am Meringer Gymnasium, wo normalerweise ein Großteil des Unterrichts in der Ambérieu-Turnhalle stattfindet, werden die Stunden, für die es keine alternative Sportstätte gibt, vertreten. Ein Teil des Sportunterrichts fällt also weg.
Ideal ist auch die Lösung mit dem Fitnessstudio nicht, finden Emilia und Linn. 20 Minuten müssen sie jeweils hin- und wieder zurücklaufen. „Und unsere zweite Pause fällt dadurch weg“, sagt Emilia. Durch das Umziehen bleibt von der Doppelstunde Sport nur noch rund die Hälfte übrig. „Es ist zu wenig Zeit, um Muskeln aufzubauen“, findet Linn. Sie würde gerne mit den Freihanteln trainieren und nach der regulären Stunde bleiben. Das Problem ist: Die Schülerinnen müssen nach dem Unterricht zurück in die Schule – auch wenn sie danach Schluss haben.
Die Schülerinnen werden im Fitnessstudio auch benotet
Emilia, Linn und ihre Mitschülerinnen bekommen auf den Sportunterricht im Fitnessstudio wie bei anderen Sportarten auch Noten. „Wir stellen Fragen zu Übungen und schauen auf die Ausführung“, erklärt Lehrerin Weber. Außerdem achtet sie darauf, ob die Schülerinnen ihre Sportschuhe und ein Handtuch dabei haben. Zusätzlich gibt es noch einen Theorieteil. Die Lehrerin wird mit ihrer Klasse auch die kommenden Monate weiterhin hierherkommen. Die Ambérieu-Turnhalle ist voraussichtlich noch bis ins erste Quartal 2027 gesperrt.
Für alle anderen Besucherinnen und Besucher heißt das: Am Donnerstagvormittag ist es eher keine gute Idee, ins Fitnessstudio zu gehen. Zu dieser Zeit ist es ungewöhnlich voll.
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