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Wechselkröte retten: Neues Naturschutzprojekt vernetzt Lebensräume

Ried

Ein Rettungsnetz für die seltene Wechselkröte

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    Günter Hansbauer, Leiter der Amphibien-Arbeitsgruppe der LBV-Kreisgruppe Augsburg, zeigt in der Tongrube Glon ein Exemplar der stark gefährdeten Wechselkröte.
    Günter Hansbauer, Leiter der Amphibien-Arbeitsgruppe der LBV-Kreisgruppe Augsburg, zeigt in der Tongrube Glon ein Exemplar der stark gefährdeten Wechselkröte. Foto: Christine Hornischer

    In der Tongrube Glon am südlichen Rand des Landkreises Aichach-Friedberg lebt eine vom Aussterben bedrohte Amphibienart an ihrem einzigen noch bekannten Standort in ganz Schwaben. Auch bundesweit gilt ihr Erhaltungszustand als schlecht. Die Wechselkröte hat sich dort angesiedelt, weil durch den früheren Rohstoffabbau ein idealer, trocken-warmer Ersatzlebensraum entstanden ist, der ihren natürlichen Lebensräumen in dynamischen Auenlandschaften ähnelt. Das neue Naturschutzprojekt „Konzept zur Biotopvernetzung für die Wechselkröte in Glon“ soll dazu beitragen, das letzte schwäbische Vorkommen der außergewöhnlichen Tierart langfristig zu sichern.

    Durch eine Biotopvernetzung will der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) Trittsteinbiotope ausfindig machen und falls möglich solche auch anlegen oder optimieren. In der Tongrube im Gemeindegebiet von Ried wachsen die Gewässer jedoch langsam zu und es entstehen keine neuen von selbst, weshalb sich der LBV regelmäßig einen Bagger leisten muss, um neue Mulden anzulegen. Außerdem liegt die Grube am äußersten Rand des Verbreitungsgebiets der Wechselkröte und ist zu einer Insel geworden.

    Naturschützer wollen Tongrube Glon mit einem Kröten-Biotop in Pfaffenhofen vernetzen

    Das neue Naturschutzprojekt soll Wege aufzeigen, wie man diese Isolation aufbrechen kann. Etwa fünf Kilometer östlich, in einer Sandgrube bei Pfaffenhofen im Landkreis Dachau, existiert ein großes Vorkommen, wo sich vor zwei Jahren noch tausende kleiner Kröten entwickelten. „Unser Ziel ist es, diese Vorkommen miteinander zu vernetzen“, so Günter Hansbauer, Leiter der Amphibien-Arbeitsgruppe der LBV-Kreisgruppe Augsburg, die die Rieder Lehmgrube vor Jahren erworben hat und mit betreut.

    Da die Distanz für die Wechselkröten aktuell zu groß ist, benötigen sie Zwischenstationen – sogenannte Trittsteinbiotope. Wie Trittsteine im Bach helfen diese den Tieren, lebensfeindliche Flächen wie intensive Agrarlandschaften zu überwinden. „Ideal wären solche Trittsteine alle 500 Meter“, erklärt der Fachmann. Zwischen Glon und den bekannten Vorkommen in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck sollen deshalb geeignete Flächen gefunden werden, die als Trittsteinbiotope dienen können.

    In der Tongrube Glon findet die vom Aussterben bedrohte Wechselkröte einen idealen Ersatzlebensraum. Bei einem neuen Projekt soll dieser Standort mit weiteren geeigneten Flächen in der Region vernetzt werden, um das letzte bekannte Vorkommen der Art in Schwaben langfristig zu sichern.
    In der Tongrube Glon findet die vom Aussterben bedrohte Wechselkröte einen idealen Ersatzlebensraum. Bei einem neuen Projekt soll dieser Standort mit weiteren geeigneten Flächen in der Region vernetzt werden, um das letzte bekannte Vorkommen der Art in Schwaben langfristig zu sichern. Foto: Christine Hornischer

    Ein geschultes, ehrenamtliches LBV-Team wird in den kommenden Wochen das grenzübergreifende Gebiet zwischen Ried, Odelzhausen und Mammendorf systematisch kartieren. Ziel ist es, bislang unbekannte Vorkommen der Wechselkröte aufzuspüren. „Gleichzeitig bitten wir auch die Öffentlichkeit um Mithilfe: Melden Sie uns Beobachtungen aus der Region – am besten mit einem Foto oder einer Tonaufnahme“, appelliert Günter Hansbauer an die Bevölkerung.

    Aufruf: Wer kennt weitere Vorkommen der Wechselkröte?

    Wie eine Meldung abgegeben werden kann, erläutert ein Flyer, der in Kürze in den beteiligten Gemeinden verteilt werden soll. Jede Beobachtung kann dazu beitragen, weitere Lebensräume der seltenen Amphibienart zu entdecken und damit wichtige Grundlagen für ihren Schutz zu schaffen.

    „Außerdem suchen wir Flächen, die als Trittsteine für die Wechselkröte dienen können“, erklärt Günter Hansbauer. Geeignet seien beispielsweise voll besonnte Senken auf Wiesen oder Äckern, in denen über mehrere Wochen Wasser stehen bleibt, ebenso Versickerungsanlagen, Regenrückhaltebecken oder Abbauflächen. „Dafür brauchen wir die Augen und Ohren der Bürgerinnen und Bürger“, betont der Amphibienexperte. Oft seien keine großen Flächen erforderlich: „100 Quadratmeter reichen schon aus“, so Hansbauer.

    So gleicht das Projekt des LBV einer behutsamen Spurensuche in der Landschaft. Wo gibt es flache Gewässer, die sich im Frühjahr schnell erwärmen? Welche Flächen sind offen genug und bieten ausreichend Sonne? Und an welchen Stellen lässt sich ein Netz schaffen, das einzelne Vorkommen wieder miteinander verbindet?

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