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Finanzen
05.02.2021

Grüne Rendite: So kann man mit Klimaschutz Geld verdienen

So ähnlich wie hier soll es entlang der A8 bei Garching auch einmal aussehen. Auf einer Wiese im Besitz der Stadt will eine Bürgergenossenschaft eine Photovoltaikanlage errichten.
Foto: online-pixel.com, Adobe Stock

Energiegenossenschaften wollen den Klimawandel stoppen und dabei Geld verdienen. Was sind die Risiken?

Ein unbebautes Stück Land, direkt an der A8 bei Garching. Der Wind weht eisig über den grasbedeckten Boden, im Hintergrund ist das gelegentliche Hupen der vorbeirauschenden Autos im Feierabendverkehr zu hören. Christian Nolte zieht den Reißverschluss seiner dunkelbraunen Jacke zu. Mit einer ausladenden Handbewegung deutet er über das Feld, an dessen Ende eine Sportanlage zu erahnen ist. Er blickt nach Westen, wo sich die Sonne gerade am Horizont senkt und für ein wunderbares Abendrot sorgt. Zusammen mit Katrina Wagner und Dominik Eberle hat er große Pläne für das unscheinbare Stück Land, auf dem er steht: Bald schon soll die Sonne hier nicht nur für schöne Bilder sorgen, sondern auch Energie produzieren.

Das Trio möchte das Feld der Stadt Garching pachten und dort mithilfe einer Energiegenossenschaft einen Photovoltaik-Park errichten. Die Idee ist nicht neu: Laut dem Genossenschaftsverband Bayern (GVB) sind dort aktuell 258 Energiegenossenschaften Mitglied, der Jahresumsatz betrug 2019 rund 360 Millionen Euro. Während bisher Photovoltaikanlagen dominierten, sei in letzter Zeit ein Trend hin zu Wärmeversorgungsgesellschaften erkennbar. Der Wegfall der festgelegten Einspeisevergütung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sorgte für einen Rückgang der Neugründungen im Solarbereich.

Beim genossenschaftlichen Prinzip schließen sich verschiedene Investoren zusammen und bringen Geld auf, um ein gemeinsames Ziel zu realisieren. Das Kapital wird dabei der Genossenschaft meist als Eigenkapital, teilweise auch als Darlehen zur Verfügung gestellt. Mit dem gesammelten Geld wird beispielsweise eine Photovoltaikanlage gekauft und betrieben. So wird aus der Sonnenenergie Strom gewonnen, der entweder direkt lokal verbraucht oder gegen eine Vergütung in die öffentliche Energieversorgung eingespeist wird.

Energiegenossenschaften wollen nicht nur Geld erwirtschaften

Den dabei erzielten Erlös verwendet die Genossenschaft, um sowohl etwaige Darlehen zurückzubezahlen als auch auf das eingebrachte Kapital Dividenden auszuschütten. Jeder Energiegenosse ist dabei neben seiner Eigenschaft als Kapitalgeber gleichzeitig auch Entscheidungsträger und hat ein Mitspracherecht. Insgesamt haben in Bayern derzeit rund 37.700 Personen Geld in eine der Energiegenossenschaften investiert. Wenn alles verläuft wie geplant, sind es durch die Gründung in Garching bald einige Dutzend mehr.

2020 wurde rund die Hälfte des Stromverbrauchs durch Ökostrom gedeckt.
Foto: Christian Charisius, dpa

Ungefähr 130 Kilometer nordwestlich davon ist man bereits einige Schritte weiter: Dort steht seit mehreren Jahren der Solarpark Bachhagel und macht aus Sonnenlicht grüne Energie. Alwin Renner, stellvertretender Vorsitzender der Betreibergenossenschaft Sonnenbank Dillinger Land eG, spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „Gelddruckmaschine“: Satte sieben Prozent Rendite seien den Mitgliedern einst von der Genossenschaft versprochen worden – und konnten bisher stets ausgezahlt werden.

Dass es jedoch nicht immer funktioniert wie geplant, auch davon kann Renner berichten: So können in einem von der Schwester-Genossenschaft Windkraft Dillinger Land eG betriebenen Windpark statt der angestrebten neun Prozent nur drei Prozent Rendite ausgezahlt werden. Aktuell wird diese aber nur auf den Darlehensbetrag ausgeschüttet. Die Ursachen lägen hier unter anderem am Wind, der – trotz Risikoabschlag – deutlich hinter den Erwartungen der eigens angefertigten Gutachten zurückbleibe. Dennoch betont Renner: „Bisher hat kein Kunde Geld verloren und es wird immer noch eine insgesamt positive Rendite erwirtschaftet“.

Für Laien ist es oft schwer, sie Seriösität der Angebote einzuschätzen

Deutschlandweit haben im Jahr 2018 laut der Jahresumfrage des deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands 69 Prozent der Energiegenossenschaften eine Dividende für ihre Mitglieder ausgeschüttet. Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern mahnt dennoch zur Vorsicht: „Genossenschaften sind allen unternehmerischen Risiken bis hin zur Insolvenz ausgesetzt“. Weiterhin warnt er, dass für Laien eine Unterscheidung der unseriösen von den seriösen Anbietern oft schwierig sei. Daher könne keine allgemeine Empfehlung für eine Investition in Energiegenossenschaften abgegeben werden.

80 Prozent der institutionellen Investoren legten Kundengelder 2019 nachhaltig an. Das ergab eine Umfrage des Fondsanbieters Union Investment.
Foto: picture alliance / dpa

Auch Energiegenossenschaften bieten also kein risikofreies Investment. Der GVB betont in diesem Zusammenhang, dass bei einer derartigen Investition das Hauptaugenmerk ohnehin nicht auf der Geldanlagemöglichkeit liege: „Vielmehr steht der Wille, die Energiewende gemeinschaftlich voranzubringen, im Vordergrund.“ Die Möglichkeit, bei diesem Engagement gleichzeitig auch finanziell zu profitieren, sei da eher ein Nebenprodukt.

In Garching sieht Nolte das genauso: „Wir wollen in erster Linie unseren eigenen Beitrag zur Energiewende direkt vor Ort leisten.“ Dabei gibt es auch schon eine konkrete Idee, wie der grüne Strom in der Zukunft direkt lokal genutzt werden kann. Das Trio möchte die Lampen der Straßenbeleuchtung in Garching durch energiesparende LEDs ersetzen und diese dann mit dem selbst gewonnenen Solarstrom betreiben. Dann wird Garching durch emissionsfreies Sonnenlicht erhellt. Auch bei Nacht. Und die Mitglieder tragen ihren Teil zur Klimawende bei – egal ob mit oder ohne große Rendite.

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