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Interview
05.03.2017

Volker Kitz: "Man muss nicht für seinen Job brennen"

Wer nicht für seinen Beruf brennt, muss kein schlechtes Gewissen haben, meint Autor Volker Kitz. Arbeit darf Spaß machen - muss sie aber nicht.
Foto: Marius Becker dpa/lhe (Symbolbild)

Viele Menschen suchen in ihrem Beruf Erfüllung. Der Alltag sieht aber völlig anders aus, sagt Buchautor Volker Kitz – und findet nichts Schlechtes am Dienst nach Vorschrift.

Herr Kitz, muss Arbeit Spaß machen?

Volker Kitz: Arbeit darf Spaß machen, sie muss es aber nicht. Hier liegt das Problem: Wir verkaufen Arbeit heute oft als Lifestyle-Produkt, als etwas ganz Tolles. Und dann sind wir bitter enttäuscht, wenn unser Arbeitsalltag nicht unseren Erwartungen entspricht. Dabei ist es völlig in Ordnung, seine Arbeit nur okay zu finden. Der Job muss nicht der Lebensinhalt sein.

Warum wird genau das aber so oft erzählt und geschrieben?

Kitz: Weil wir eine bestimmte Idee von Arbeit im Kopf haben, die in Stellenanzeigen und von Führungskräften weiterverbreitet wird. Da wird einem immer wieder eingeredet, man müsse für seinen Job brennen...

...und ihn mit Leidenschaft ausüben?

Kitz: Ja, genau. Wir tun so, als ob man mit Leidenschaft automatisch alles gut macht. Aber schauen Sie sich doch nur mal Casting-Shows wie Deutschland sucht den Superstar an. Dort gibt es Leute, die vor Leidenschaft platzen. Aber Leidenschaft hat mit Können nichts zu tun. Im Gegenteil: Eine gewisse Distanz hilft meistens, seine Sache gut zu machen. Oder anders gesagt: Gute Arbeit entsteht sogar meist aus eher unglamourösen Zutaten. Das Gleiche gilt für die Frage nach dem Sinn unserer Arbeit. Wir haben die Sinnschraube völlig überdreht. Normale Berufe sind uns nicht mehr gut genug. Stattdessen wollen viele Menschen Jobs machen, in denen sie glauben, im großen Stil die Welt zu verändern. Andere Tätigkeiten fristen ein Schattendasein, weil sie zu alltäglich sind. Wir entwerten wertvolle Beschäftigungen, weil wir glauben, Arbeit müsse immer aufregend und erfüllend sein. Aber das trifft nur bei einer winzigen Gruppe zu. Lediglich 15 Prozent aller Beschäftigten brennen für ihren Job. Bei der Masse der Menschen sieht der Alltag sehr viel anders aus.

Arbeitsalltag ist oft leidenschaftslose Routine - und das ist in Ordnung

Wie genau?

Kitz: In den meisten Berufen ist er weder besonders herausfordernd noch abwechslungsreich und zwar unabhängig davon, ob jemand ungelernt oder promoviert ist. Das liegt daran, dass jede Arbeit letztlich Routine ist. Aber das geht ja gar nicht anders, nur deshalb machen wir unseren Job gut. Stellen Sie sich vor, ein Pilot würde seinen nächsten Flug jedes Mal wieder als Herausforderung empfinden. Wer würde noch mit ihm fliegen wollen? Säßen überall Menschen, die eine Herausforderung vor sich sehen, bräche die Gesellschaft zusammen. Und doch liest man das Wort Routine nie in Stellengesuchen. Auch in Filmen oder Büchern geht es nie darum. Diese Lügen sind es, die viele Menschen letztlich unglücklich machen.

Das müssen Sie erklären.

Kitz: Meine These ist, dass uns nicht die Arbeit unglücklich macht, sondern die Geschichten, die wir uns darüber erzählen. Berufseinsteiger sind schockiert, wenn sie erfahren, wie sehr sich der Arbeitsalltag von ihren Vorstellungen unterscheidet. Sie fragen sich: Was läuft falsch bei mir? Denn weil jeder ihnen erzählt, ihr Job müsse sie glücklich machen, glauben sie natürlich, den falschen Beruf gewählt zu haben. Statt sich mit der Normalität anzufreunden, leiden sie.

Was ist die Alternative?

Kitz: Die Arbeitswelt muss aufrichtiger werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen ehrlich darüber reden können, dass nicht jeder Job ein Traumjob ist und es aber auch nicht sein muss. Es reicht völlig, zufrieden zu sein. Denn Zufriedenheit ist länger anhaltend als Glück. Das ist so ähnlich wie mit der Liebe und der Verliebtheit. Wer zufrieden ist, ist mit der Realität im Reinen. Man kann ja mit oder gegen die Realität leben. Wer gegen sie lebt, wird unglücklich.

Was heißt das im Umkehrschluss? Dienst nach Vorschrift statt Dienst bis Mitternacht?

Kitz: Der Begriff hat so einen schlechten Ruf. Dabei ist es doch nicht verwerflich, wenn jemand tut, was er tun soll. Natürlich heißt das nicht, dass man nur seine Stunden im Büro absitzen und seine Arbeit verweigern sollte. Aber man kann seinen Job auch gut machen, ohne dafür zu brennen. Viele Menschen erledigen ihre Aufgaben sorgfältig und zuverlässig in der dafür vorgesehenen Zeit. Und dann gehen sie aber auch pünktlich in den Feierabend. Sie sind effizient.

Wenn es nicht die Leidenschaft ist – was motiviert uns denn dann, jeden Morgen ins Büro oder in den Betrieb zu gehen?

Kitz: Es ist verpönt darüber zu sprechen, aber das ist natürlich das Gehalt. Das war ja mal der ursprüngliche Gedanke: der Tausch von Zeit gegen Geld. Fragt man Menschen, wie zufrieden sie mit ihrem Job sind, dann stehen vorne auf der Liste immer sehr gut bezahlte Tätigkeiten. Hinten scharen sich dagegen jene, die wenig Geld bekommen. Es ist scheinheilig, dafür andere Erklärungen als das Geld zu suchen. Welche Bedeutung die Arbeit darüber hinaus für den Einzelnen hat, das kann jeder für sich selbst entscheiden.

Volker Kitz ist freier Autor. Seine Bücher erscheinen in zehn Sprachen und landen regelmäßig auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Volker Kitz: Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss, ISBN 978-3-596-29796-2, 96 Seiten, 8 Euro.

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