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Ratgeber: Urlaub daheim? Das dürfen Mieter auf ihrem Balkon

Ratgeber

Urlaub daheim? Das dürfen Mieter auf ihrem Balkon

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    Wer einen Balkon hat, grillt meistens auch gerne. Bevor er die Kohle auspackt, sollte der Mieter einen Blick in seinen Mietvertrag werfen.
    Wer einen Balkon hat, grillt meistens auch gerne. Bevor er die Kohle auspackt, sollte der Mieter einen Blick in seinen Mietvertrag werfen. Foto: Jure Gasparic, Fotolia (Symbolbild)

    Sonnensegel, Palmenkübel und ein Grill: Wer einen Balkon hat, kann sich dort im Sommer fast wie im Urlaub fühlen. Doch auch auf Balkonien gibt es Grenzen der Entfaltung. Zwar dürfen Mieter einer Wohnung mit Balkon den Freisitz grundsätzlich so nutzen, wie sie es wollen – denn schließlich ist er Teil der Mietsache. „Diese Freiheit hat allerdings dort Grenzen, wo sie die Rechte der Nachbarn oder des Vermieters einschränkt“, betont Michaela Rassat, Juristin der D.A.S.-Rechtsschutzversicherung.

    Auf dem Balkon empfiehlt sich daher gegenseitige Rücksichtnahme. Denn nicht selten führen Konflikte über die angemessene Nutzung des Freisitzes zu handfesten Nachbarschaftsstreitigkeiten. Laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung hatten in den vergangenen Jahren 38 Prozent aller Deutschen Streit und Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn.

    Dabei wirke sich die heutige Eventkultur häufig negativ auf das Nachbarschaftsverhältnis aus, meint Marcus Lentz, Geschäftsführer der bundesweit tätigen Detektei Lentz. „Es wird immer öfter, länger und lauter gefeiert.“ Wenn dann noch viel Alkohol im Spiel ist, können die Konflikte schnell eskalieren. Dabei ist es aus Sicht des Privatermittlers ein Leichtes, Streitereien zu vermeiden – durch Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme.

    Grillen von A bis Z

    Alufolie: Grillen mit Alufolie oder in Aluschalen ist bei vielen Grillfans verpöhnt, da geschmacklich das typische Raucharoma fehlt und optisch der typische Rostabdruck. Jedoch kann Alufolie sehr hilfreich sein, da das Grillgut saftiger bleibt und auch schonender gegart wird. Bei kleinem Grillgut wie Shrimps oder Cocktailtomaten kann eine Aluschale außerdem helfen, dass nichts durch den Rost flutscht.

    Barbecue: Bekannt ist der Begriff „Barbecue“ aus den USA, inzwischen hat er sich aber ebenfalls in Deutschland etabliert. Barbecue ist eine Grillmethode, bei der das Grillgut langsam bei niedriger Hitze im heißen Rauch gegart wird. Dabei entstehen tolle Raucharomen, die für den unverwechselbaren Geschmack sorgen.

    Direktes Grillen: Bei der direkten Grillmethode liegt das Grillgut auf dem Rost direkt über der heißen Kohle. Vor allem Steaks, Fischfilet oder Hähnchenbrust, aber auch Gemüse werden am besten so zubereitet. Durch das heiße braten entsteht eine leckere Kruste, während der Kern schön saftig bleibt.

    Einweggrill: Der Einweggrill ist gerade bei spontanen Grillaktionen beliebt, da mit nahezu keinem Aufwand lecker gegrillte Würstchen zubereiten kann. Das ist praktisch und vor allem fällt anschließend das lästige Säubern des Grillrostes weg. Jedoch ist vom Einweggrill abzuraten. Er schadet der Umwelt und die Kohlen reichen meist nicht mal aus, um ein saftiges Steak gar zu brutzeln.

    Feuerschale: Die feuerfesten Schalen spenden nicht nur Licht und Wärme, sie können auch zum Grill umfunktioniert werden. Stockbrot oder aufgespießte Marshmallows grillen sind immer ein Erlebnis und lassen nicht nur Kinderaugen strahlen.

    Garzeit: Für die Bestimmung der Garzeit gibt es keine feste Regel, da die Garzeit je nach Art des Grillguts und der Grilltemperatur variiert. Es gibt jedoch einen ganz einfachen Trick, mit dem Sie herausfinden können, ob das Fleisch well done, medium oder rare ist, ohne es anzuschneiden. Einfach Daumen und Zeigefinger zusammendrücken, wenn sich das Fleisch an der dicksten Stelle so weich wie der Daumenballen anfühlt, ist es noch rare. Bei Daumen und Mittelfinger medium und bei Daumen und kleinem Finger well done.

    Holzkohle: Viele Grillfans schwören auf das Rösten auf Holzkohle. Doch wie wird überhaupt der Grill mit Holzkohle angeschürt? Zunächst muss ein Häufchen aus Holzkohle in den Grill geschüttet werden, dieses wird mit flüssigem Grillanzünder beträufelt und anschließend angezündet. Nun solange warten, bis die Kohle gleichmäßig glüht und mit einer weißen Staubschicht überzogen ist. Dies kann mitunter schon 20-30 Min. dauern. Nun die Kohle nach Bedarf im Grill verteilen und das Steak auf den Rost legen.

    Indirektes Grillen: Die Methode des indirekten Grillens eignet sich vor allem für größere oder dickere Stücke Fleisch, wie ein ganzes Hähnchen oder auch Rippen. Die Kohle wird dabei nicht im kompletten Grill verteilt, sondern nur partiell, z.B. auf einer Seite. Das Grillgut wird anschließend bei geringer Temperatur und geschlossenem Deckel gegart. Die Garzeit kann hier mehrere Stunden betragen.

    Kräuter: Kräuter sind nicht nur gesund, sondern eignen sich auch hervorragend dazu, das Grillgut auf natürliche Weise zu verfeinern. Hier sollte am besten zu frischen Kräutern gegriffen werden, da getrocknete leicht verbrennen.

    Lagerfeuer: Für so manchen Naturliebhaber ist Grillen am Lagerfeuer das Größte. Das Grillgut kann entweder indirekt gegrillt werden, indem es eingewickelt neben die Glut gelegt wird, oder es wird auf einem Stock aufgespießt über der Flamme gegrillt. Vorsicht ist nur bei Mariniertem geboten, da giftige Stoffe entstehen können, wenn die Marinade in die Glut tropft.

    Marinade: Marinade schmeckt nicht nur lecker und verleiht Fleisch, Fisch oder Gemüse den würzigen Geschmack, sie sorgt gleichzeitig auch dafür, dass das Grillgut bei hohen Temperaturen nicht austrocknet oder anbrennt. Dazu das Produkt einfach in der Marinade wenden und je nach Größe und Dicke für einige Minuten bis mehrere Stunden einwirken lassen.

    Nährstoffe: Grillen ist eine schonende Methode der Nahrungszubereitung. Anders als beim Schmoren, Braten oder Kochen ist die Garzeit hier deutlich geringer, weshalb weniger Nährstoffveränderungen stattfinden.

    Obst grillen: Fruchtsorten mit festem Fruchtfleisch, wie z.B. Äpfel, Mangos oder Ananas. Das Obst vorher mit Butter oder Honig einpinseln und bei niedriger Temperatur weich grillen.

    Pizzastein: Mit einem Pizzastein gelingt es zu Hause auf dem Grill ganz einfach, eine leckere Pizza wie beim traditionellen Italiener zu zaubern. Den Pizzastein für ca. eine halbe Std. auf den heißen Grill legen, aufheizen und die Pizza darauf braten. Das Geheimnis ist, dass die Flüssigkeit in den Stein einzieht, weshalb der Boden so kross wird.

    Qualität: Damit das Fleisch auf dem Grill schön saftig bleibt und nicht austrocknet, sollte man auf gute Qualität achten. Am besten, man kauft das Produkt beim Metzger seines Vertrauens. Dieser kann beratend zur Seite stehen, welche Sorte sich zum Grillen besonders eignet. Auf das abgepackte und vormarinierte Fleisch vom Supermarkt sollte man unbedingt verzichten.

    Ruhezeit: Auch wenn es schwer fällt, sollte das Fleisch nicht direkt vom Grill auf den Teller. Besser sollten Steaks und Co. für wenige Minuten an einem warmen Ort ruhen, da sich so die Fleischfasern entspannen können und das Fleisch zarter wird.

    Säubern: Auch wenn es nervig ist: Nach dem Grillen muss der Grillrost wieder gesäubert werden. Am besten geht’s, wenn man den abgekühlten Rost mehrere Stunden mit nassem Zeitungspapier einwickelt oder diesen über Nacht ins nasse Gras legt. So weichen die Verkrustungen auf und lassen sich anschließend ganz leicht abwischen.

    Temperatur: Je nachdem was auf dem Grill zubereitet wird, muss der Grill auf unterschiedliche Temperaturen aufgeheizt werden. Während der Braten über Stunden hinweg bei ca. 100°C gegart wird, wird das Steak besser bei sehr hohen Temperaturen kurz angebraten.

    Ungesund: Grillen ist eine besonders nährstoffschonende Methode, Nahrung zuzubereiten. Jedoch gibt es einige Stolperfallen, die unbedingt vermieden werden sollten. Es sollte z.B. niemals Marinade oder Fleischsaft auf die Kohle tropfen, da sich hier krebserregende Stoffe bilden können. Also auch in keinem Fall Bier über das Fleisch am Grill gießen!

    Vegetarisch: Auf den Grill kommt längst nicht mehr nur Fleisch. Auch Gemüse kann wunderbar gegrillt werden und schmeckt bei der richtigen Zubereitung keinesfalls fad. Wichtig ist, dass das Gemüse mit ausreichend Öl eingepinselt und nicht zu heiß gegrillt wird, da es hitzeempfindlicher als Fleisch ist.

    Wintergrillen:Grillen macht nicht nur im Sommer Spaß. Der neueste Trend heißt Wintergrillen – also Grillen im Schnee bei eisigen Temperaturen. Dazu die Grillkohle am besten bereits im Spätsommer einkaufen, da die meisten Supermärkte die Grillkohle während der Winterzeit aus den Regalen räumen.

    Zange: Die Zange ist beim Grillen unbedingt notwendig. Womit sollte sonst das Fleisch aufgelegt, gewendet und vom Rost genommen werden? Beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Grillzange mind. 40 cm lang ist und einen hitzefesten Griff hat. Unter keinen Umständen stattdessen eine Gabel benutzen, aus den Löchern tritt nämlich Fleischsaft aus und das Fleisch trocknet aus.

    Ein zweites großes Streitthema ist das Grillen auf dem Balkon, denn schließlich fühlen sich viele Nachbarn durch den ständigen Geruch von Holzkohle und Grillfleisch gestört. „Bevor ein Mieter auf seinem Balkon die Grillkohle auspackt, sollte er einen Blick in den Mietvertrag und in die Hausordnung werfen“, rät D.A.S.-Juristin Rassat. Findet der Mieter dort ein explizites Verbot für das Grillen, dann sollte er sich auch daran halten. Ansonsten muss er mit einer Abmahnung und nach weiteren Grillabenden auch mit einer Kündigung rechnen, wie aus einem Urteil des Landgerichts Essen (Aktenzeichen: 10 S 438/01) hervorgeht. Enthalten Vertrag und Hausordnung kein Verbot, dann darf der Mieter brutzeln.

    Einfaches Rezept gegen Stress mit den Nachbarn: Rücksichtnahme

    Auch dabei empfiehlt sich jedoch gegenseitige Rücksichtnahme, um Streit mit den Nachbarn zu vermeiden. „Auf die Frage, wie oft ein Mieter grillen darf, gibt es keine eindeutige Antwort“, erklärt Rassat. Hier entscheiden die Gerichte sehr unterschiedlich – von jährlich nur viermal bis jeweils 24 Uhr (OLG Oldenburg, Az. 13 U 53/02) bis hin zu jährlich 25-mal, für jeweils zwei Stunden und bis maximal 21 Uhr (AG Schöneberg, Az. 3 C 14/07).

    Unentwegt Zigaretten auf seinem Balkon zu rauchen, kann ebenfalls zu Konflikten mit den Nachbarn führen. Immer wieder urteilen Gerichte, dass die Nachbarn das Recht auf rauchfreie Zeiten haben. In einem Fall aus dem Jahr 2015 bekam ein Ehepaar aus Premnitz in Brandenburg recht, als dieses sich über den

    Was Belästigung ist und was nicht, liegt zudem häufig im Auge des Betrachters. Die Grenzen des Zumutbaren sind mitunter fließend. So ist es beispielsweise nicht verboten, sich auf dem Balkon knapp bekleidet oder gar nackt zu sonnen. Das Amtsgericht Merzig etwa entschied vor einiger Zeit, dass das Mietverhältnis einer freizügigen Mieterin nicht mit der Begründung gekündigt werden dürfe, dass die Sonnenbäder für Gesprächsstoff in der Nachbarschaft sorgen würden (Az.: 23 C 1282/04).

    Sex auf dem Balkon ist tabu

    Sex auf dem Balkon geht hingegen zu weit, so das Amtsgericht Bonn (Az.: 8 C 209/05). In dem Fall hatte sich die Mieterin eines Mehrfamilienhauses auf dem Balkon mit ihrem Freund vergnügt. Die Nachbarn hatten sich daraufhin beim Vermieter beschwert, der die Mieterin abmahnte. Zu Recht, entschieden die Richter – denn Sex auf dem Balkon würde den Hausfrieden stören.

    So verhindern Sie Unfälle beim Grillen

    Grill kippsicher und im Windschatten aufstellen.

    Niemals Spiritus, Benzin, Terpentin oder ähnliches verwenden – weder zum Anzünden noch zum Nachgießen.

    Anzündhilfen aus dem Fachhandel verwenden.

    Grillhandschuhe und lange Grillzangen benutzen.

    Den Grill niemals unbeaufsichtigt lassen.

    Nie den Grill von Kindern bedienen oder anzünden lassen.

    Kinder nicht in Nähe des Grills spielen oder herumtoben lassen.

    Sicherheitsabstand: mindestens zwei bis drei Meter.

    Einen Kübel mit Wasser oder Sand, Feuerlöscher oder Löschdecke bereithalten, um Brände zu bekämpfen.

    Feuer und Glut nach dem Grillen vollständig auskühlen und niemals unbeaufsichtigt lassen.

    Darüber hinaus sollten Mieter darauf achten, dass sie nicht mit allzu bunten oder auffälligen Balkonverkleidungen das äußere Erscheinungsbild des Hauses stören. Auch sollten die Sichtschutzverkleidungen nicht höher sein als die Balkonbrüstung. Denn gegen Dekorationen, die in den Augen eines Dritten das Gesamtbild der Fassade stören, kann der Vermieter einschreiten. Was noch akzeptabel ist und was nicht, entscheiden die Gerichte im Einzelfall. Die Juristin Rassat rät daher, zunächst das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen. Zudem sollten Blumenkästen und -töpfe so befestigt sein, dass sie bei Wind nicht herabstürzen. Ein paar herabfallende Blätter oder Gießwasser müssen die Nachbarn akzeptieren.

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