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"Plagiarius"

08.02.2019

Schmähpreise für Plagiate gehen alle an chinesische Firmen

Bei der Verleihung des Negativ-Preis "Plagiarius" sieht man das Original der Handbrause Croma Select der Firma Hansgrohe neben zwei Plagiaten, die beide aus China stammen.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

Auf der Ambiente-Messe wird jährlich der Schmähpreis "Plagiarius" für gefälschte Produkte verliehen. Betroffenen Firmen entsteht durch Fälschungen ein Milliardenschaden.

Alle zehn Auszeichnungen des Schmähpreises "Plagiarius 2019" sind auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt am Main an chinesische Nachahmer verliehen worden. Mit Produktfälschungen lasse sich mehr Geld verdienen als im Kokainhandel, und das bei niedrigerem Entdeckungsrisiko und nur geringem Verfolgungsdruck, sagte der Direktor des Zentrums für Europäische und Internationale Strafrechtsstudien der Universität Osnabrück, Arndt Sinn, bei der Verkündung der Preisträger am Freitag.

Der erste Preis des "Plagiarius 2019" wurde der chinesischen Firma Ningbo ACME Industrial Automation verliehen. Sie habe ein ganzes Produktprogramm der Firma Bürkert-Werke im baden-württembergischen Ingelfingen kopiert, hieß es. Beispielhaft dafür stehe ein Dampfventil, das in der Textilbranche, Medizintechnik und Pharmazie eingesetzt und in 56 Ländern vertrieben werde.

Fälschungen kosten über 500.000 Arbeitsplätze

Als Sonderpreis wurde einen "Hyänen-Preis" verliehen: Ein Bewegungsmelder der Firma Steinel im westfälischen Herzebrock-Clarholz ist gleich von mehreren chinesischen Firmen in minderwertiger Qualität, aber gleichem Aussehen kopiert worden. 19 Plagiate seien bisher in zwölf europäischen Ländern eingezogen worden.

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Sinn zufolge schätzt Europol die Umsatzeinbußen im EU-Raum allein durch gefälschte Kleidung auf 43 Milliarden Euro. Dies entspreche der Vernichtung von 518.000 Arbeitsplätzen, den Staatshaushalten gingen acht Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren. Der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer gebe an, dass 71 Prozent seiner Mitgliedsunternehmen von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen sei. Der geschätzte Schaden belaufe sich auf jährlich 7,3 Milliarden Euro. In dieser Branche stammten allerdings 19 Prozent der Plagiate aus Deutschland selbst, das damit Platz zwei hinter China einnehme.

Der Vertrieb von Nachahmungen werde durch den Online-Handel befördert, sagte Sinn. Im Jahr 2016 habe Europol 4.500 Internetadressen gesperrt, auf denen gefälschte Erzeugnisse angeboten wurden. Der illegale Handel sei mit der organisierten Kriminalität verknüpft.

Die Verleihung des Plagiarius soll Markenfälscher anprangern

Der von dem Verein Aktion Plagiarius verliehene Negativpreis soll die Geschäftspraktiken von Produktpiraten und Markenfälschern anprangern und die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren. Die Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase als Symbol für die enormen Gewinne, die Nachahmer auf Kosten der Erfinder und Hersteller machen. Allerdings habe noch kein Preisträger die Trophäe entgegengenommen, hieß es.

Doch allein die Ankündigung der Verleihung zeige bei manchen Plagiatoren Wirkung: Zehn bis 15 Prozent der angeschriebenen Unternehmen seien daraufhin eine Einigung mit den geschädigten Originalherstellern eingegangen. (dpa)

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