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  3. Tigermücke: Wenn Mückenstiche richtig gefährlich werden

Tigermücke
13.07.2016

Wenn Mückenstiche richtig gefährlich werden

Das Wetter in diesem Sommer ist für die Hausmücke ein Traum.
Foto: Fotolia

Ein Mückenstich ist harmlos - oder doch nicht? In Deutschland wurde die Tigermücke nachgewiesen, die gefährliche Krankheiten übertragen kann. Was droht uns da?

Dieser Sommer ist für die Gemeine Hausmücke ein Traum. Ein Sssssssommernachtstraum, wenn man so will. Denn die kleinen Biester gehen meistens dann richtig zur Sache, wenn sich der Abend nähert. Dann suchen sie sich ihr Opfer, um ihren Blutdurst zu stillen, was manchmal zwar – Klatsch – für sie auch tödlich ausgeht. Doch bei diesem wechselhaften Wetter sind die Mücken eindeutig im Vorteil. Jede Menge Pfützen, sumpfige Stellen auf Wiesen und Feldern, volle Regentonnen in den Gärten und dann immer schön 25 Grad... Idealer geht es kaum, wenn man sich als Mücke vermehren will. Wenn ein Sommer so ist wie dieser, sagt Dr. Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg, „dann schreien die Mücken ,Hurra!’ – und entwickeln sich entsprechend“. Von einer Plage mag die Wissenschaftlerin nicht sprechen, aber von einem „deutlich erhöhten Aufkommen“.

Mückenstich in Deutschland immer gefährlicher

Natürlich kann kein Mensch wissen, wie viele Mücken es hierzulande gibt, aber Walther nennt ein Beispiel. Stimmen die Bedingungen können sich in einer einfachen Waldpfütze schnell 100.000 Mückenlarven tummeln, die sich innerhalb von zwei bis vier Wochen zu Mücken entwickeln. Die Weibchen legen dann kurze Zeit später wieder bis zu 300 Eier ab... Und – hurra, hurra, hurra! – so potenziert sich der Kreislauf immer weiter.

3500 Stechmückenarten gibt es weltweit, 50 sind in Deutschland bekannt. Mückenstiche sind lästig, aber bislang meist harmlos. Das könnte sich ändern. Mittlerweile wandern in Deutschland Mückenarten vor allem aus Asien ein, die gefährliche Krankheiten übertragen können, die es in unseren Breitengraden eigentlich nicht gibt.

Tigermücke und Asiatische Buschmücke können gefährlich sein

Wenn es Sie gerade juckt und Sie ein wenig verschämt an der geröteten Stelle entlangfahren, weil Sie ja wissen, dass Kratzen das alles nur schlimmer macht, ist daran mehrheitlich die Gemeine Hausmücke schuld. Sie ist die häufigste Art in Deutschland, neben den Kriebelmücken und den Gnitzen. Harmlos also!

Zu den gefährlichen Einwanderern zählt die Asiatische Buschmücke etwa, die 2008 das erste Mal in Baden-Württemberg festgestellt wurde. Mittlerweile gibt es auch größere Vorkommnisse im Köln/Bonner Raum, seit 2013 im Großraum Hannover und inzwischen auch im Großraum Berchtesgaden. Doreen Walther ist überzeugt: „Die Asiatische Buschmücke kriegen wir in Deutschland nicht mehr los“. Die Buschmücke kommt mit dem Klima in Mitteleuropa bestens zurecht. Auch kalte Winter stören sie nicht weiter. Sie kann etwa das West-Nil-Fieber übertragen.

Tigermücke kann durch Mückenstich neue Krankheiten übertragen

Was einmal da ist, bleibt: Das gilt auch für die Tigermücke, die etwa das starke Schmerzen verursachende Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber weitertragen kann. Die auffallend schwarz-weiß gemusterte Mücke wurde bereits in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. In Baden-Württemberg und in Thüringen ist es ihr offensichtlich sogar gelungen zu überwintern. Eine Entwicklung, die Wissenschaftler besorgt. Die Gelbfiebermücke, die in Brasilien das Zika-Virus verbreitet hat, gilt als hierzulande nicht lebensfähig.

Doreen Walther weiß dies alles, weil sie seit über 25 Jahren Mücken erforscht. 2006 passierte etwas, was selbst versierten Wissenschaftlern Rätsel aufgab. Die Blauzungen-Krankheit, eine Virus-Erkrankung, die etwa Kühe befällt, wurde erstmals nachweislich durch die Gnitzen übertragen. „Wir haben nicht gewusst, dass unsere heimischen Arten in der Lage sind, Krankheitserreger weiterzugeben“, erklärt Walther. Und natürlich drängt sich die Frage auf: Können auch die kleinen Gemeinen Stechmücken durch ihre Stiche passende Krankheitserreger verbreiten? Denn, darauf weißt Walther hin, nicht jede Mücke kann jeden Erreger übertragen.

Im Kampf gegen Mücken: Forscher stellen neue Art von Mückenfalle auf

Seit die Malaria nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ausgerottet wurde, kam die Forschung über Stechmücken zum Erliegen. Nun sahen sie Wissenschaftler wieder dringenden Handlungsbedarf. Gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut und dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit initiierte das ZALF den sogenannten Mückenatlas. Um ein möglichst großes Spektrum an Arten fangen zu können, stellen die Forscher Stechmücken-Fallen an verschiedenen Standorten auf. Doch um wirklich flächendeckend und auch aus abgelegenen Gebieten Erkenntnisse über Mücken gewinnen zu können, werden seit vier Jahren Bürger aufgerufen erlegte Mücken an das Leibniz-Zentrum in Müncheberg zu schicken.

Mücken-Atlas: Mückenlarven werden untersucht

„Einzelne Beinchen oder zerquetschte Exemplare nützen uns nichts“, sagt Walther, die das Projekt koordiniert. Die Arten unterscheiden sich nur durch winzige Details. Jede eingeschickte Mücke muss unters Mikroskop, ums sie exakt bestimmen zu können. „Seit die erste Tigermücke in Deutschland gefunden wurde, haben wir eine unglaubliche Resonanz.“

Und unglaublich viel zu tun. Mehrere hundert Exemplare warten derzeit auf ihre Bestimmung. Jeder Einsender erhält anschließend eine Information darüber, was er eingeschickt hat, je nach Befund auch mit Verhaltenstipps. Regentonne abdecken, lauten diese etwa. Für eine möglichst genaue Kartierung wird jede Mücke mit einem Pünktchen auf einer Verbreitungskarte vermerkt. „So sehen wir, was passiert in Deutschland“. Die erste Tigermücke ist übrigens 2011 in der Nähe einer Autobahnraststätte in Weil am Rhein gefangen worden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Mücke als blinder Passagier mit dem Güterverkehr aus dem Süden gekommen ist.

Natürlich begünstigt der Klimawandel die Verbreitung der stechenden Einwanderer. Tatsächlich ist vor allem der weltweite Handel dafür verantwortlich. Zwei Hauptschuldige sind ausgemacht. Glücksbambus, der im Wasser aus Asien transportiert wird. Und Gebrauchtreifen. Die werden vor dem Verschiffen, um sie hierzulande etwa zu Schreddern und für den Straßenbau zu verwenden, oft massenweise im Freien gelagert. Sobald es regnet und sich etwas Wasser sammelt, bietet das Gummi ideale Bedingungen für die Eiablage der Mücken.

Wissenschaftler beobachten Verbreitung der Tiger-Mücke mit Sorge

Das Fatale: Die Eier können Monate oder Jahre überdauern – auch in Trockenheit. Wenn sich irgendwann wieder Nässe bildet, setzt sich der Kreislauf einfach fort. So können winzigkleine Mücken-Eier ganze Kontinente überwinden. Bei den überprüften Einwanderer-Mücken in Deutschland wurden bislang keine Krankheitserreger festgestellt.

Doch dieses Szenario ist auch hier denkbar: Ein Reisender bringt den Erreger des Dengue-Fiebers in sich mit. Wird er von einer Asiatischen Tigermücke gestochen, könnte diese das Virus an ihren nächsten Wirt weitergeben. All zu theoretisch ist das nicht. Im Jahr 2015 brachten 640 Reisende nach Informationen des Robert-Koch-Institutes diese Tropenkrankheit mit nach Hause. Der Ausbruch kleinerer, regionaler Epidemien ist also durchaus möglich.

Und in Norditalien ist im Jahr 2007 folgendes passiert: Ein Inder, der das Virus des Tropenfiebers Chikungunya in seinem Körper trug, wurde von einer Asiatischen Tigermücke gestochen, die den Erreger weiter trug. Innerhalb kurzer Zeit erkrankten 200 Menschen an diesem Tropen-Fieber, einer davon starb. In Italien, Spanien und Südfrankreich gilt die Tigermücke inzwischen als fest angesiedelt.

Die Wissenschaftler beobachten die zunehmende Verbreitung dieser Mücken aus Asien mit Sorge – aber nicht tatenlos. Derzeit wird daran geforscht, wie man die Mücken selbst gegen Dengue-Erreger resistent machen könnte. Hier spielt das sogenannte Wolbachia-Bakterium eine entscheidende Rolle. Viele Insekten tragen es von Natur aus in sich, die Tigermücke allerdings nicht. Wird sie mit diesem Bakterium aber infiziert, gibt sie es sogar an künftige Generationen weiter und bei diesen Mücken können sich die Dengue-Viren nicht entwickeln. Die Wissenschaftler hoffen aber vielmehr, eine dauerhafte Ansiedlung der Tigermücke in Deutschland noch verhindern zu können. In einem Positionspapier schlagen sie vor, geschultes Personal bei Hinweisen auf eine Ansiedlung der Tigermücke von Haus zu Haus zu schicken und aufzuklären: Schon ein Zentimeter Wasser in einem vergessen Blumentopf reicht den Mücken, um sich zu vermehren.

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