Bargeld soll als gängiges Zahlungsmittel erhalten bleiben und jeder soll die Wahl haben, wie er bezahlt. So lautet die Absichtserklärung von Schwarz-Rot im Koalitionsvertrag. Wahlfreiheit klingt für Verbraucherinnen und Verbraucher gut und entspricht auch dem Zeitgeist. Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland wünscht sich, im Geschäft gleichermaßen bar und bargeldlos bezahlen zu können, das ergab eine Umfrage 2024. Man sollte sich dies jedoch genauer ansehen: Denn die Wahl zwischen zwei Zahlungsmitteln kann dazu führen, dass eines davon irgendwann zur wirtschaftlichen Belastung wird.
Bezahlen bleibt Generationenfrage
Im direkten Wettbewerb zwischen Bargeld und Karte ist Ersteres strukturell benachteiligt. Wie man bezahlt, ist zunehmend eine Generationenfrage. So greifen in der Generation Z (16-29 Jahre) nur noch rund 25 Prozent zum Bargeld. Für den Handel stellt sich daher zunehmend die Frage, ab wann die Mehrkosten der Barzahlung zu einer echten Belastung werden. Nicht umsonst findet man vor allem in den Städten immer häufiger den Hinweis „Card only“ oder „No-Cash“ an den Ladentüren. Im vergangenen Jahr fühlten sich 27 Prozent der Verbraucher dadurch in ihrer Bezahlfreiheit betroffen. Doch was will man dem Betreiber eines Szene-Cafés vorwerfen, der 90 Prozent seines Umsatzes mit bargeldloser Zahlung macht? Denn die Kosten für die Bargeldbereitstellung bleiben nahezu gleich, egal wie hoch der Anteil am Umsatz ist.
Auf der anderen Seite setzen viele Geschäfte ganz auf „Cash-only“, was wiederum die Behörden auf den Plan ruft. Vor allem aus Angst vor Geldwäsche und Steuerhinterziehung will die neue Koalition die Kartenzahlung für den Einzelhandel zur Pflicht machen. Die Aufsteller von Zahlungsterminals können sich darüber freuen.
Auf jeden Fall wird der Druck auf das Bargeld aber erhöht. Denn es gibt Geschäfte, die bisher aus wirtschaftlichen Gründen keine Kartenzahlung angeboten haben, weil sie die Mehrkosten nicht über die Warenpreise an die Verbraucher weitergeben konnten oder wollten. Dies dürfte sich dann ändern.
Profiteure einer Card-only-Pflicht wären auch Zahlungsdienstleister wie Goggle Pay, Apple Pay, aber auch MasterCard und VisaCard. Vor dem Hintergrund der politischen Verwerfungen und Unsicherheiten in den USA könnte eine weitere Marktkonsolidierung von US-Bezahldiensten bei uns jedoch ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko für den europäischen Zahlungsverkehrsraum darstellen.
Gefahr durch US-Bezahldienste
Es reicht daher nicht aus, dass irgendeine Form des bargeldlosen Zahlungsverkehrs angeboten wird. Wir brauchen vielmehr eine Beschränkung auf europäische Lösungen. Was spricht dagegen, neben Bargeld nur bestimmte digitale Formen wie Girocard, Wero und Digital Euro verpflichtend zu machen, die zudem noch kostengünstiger sind? Eigentlich nichts – und jeder von uns kann ganz einfach im Kleinen damit anfangen.
Mit jeder Zahlung in bar sowie mit ausgewählten bargeldlosen europäischen Zahlungsmitteln machen wir unser Bezahlsystem widerstandsfähiger, unabhängiger und kostengünstiger: „Bezahl europäisch!“
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