Startseite
Icon Pfeil nach unten
Geld & Leben
Icon Pfeil nach unten

Das Gehalt steht nicht mehr an erster Stelle: Was Arbeitnehmern bei der Jobwahl wichtiger ist

Gehalt

Das Gehalt steht nicht mehr an erster Stelle: Was Arbeitnehmern bei der Jobwahl wichtiger ist

  • |
  • |
  • |
  • |
    Homeoffice und flexible Arbeitszeiten sind besonders beliebt bei Arbeitnehmern.
    Homeoffice und flexible Arbeitszeiten sind besonders beliebt bei Arbeitnehmern. Foto: Girts, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Lange Zeit galt das Gehalt als das wichtigste Kriterium bei der Jobwahl: Wer mehr verdiente, war automatisch zufriedener – so zumindest die gängige Annahme. Doch diese Zeiten scheinen vorbei. Zwar bleibt ein gutes Einkommen ein wichtiger Referenzwert, wenn es um die eigene Zufriedenheit im Beruf geht, doch für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind andere Faktoren inzwischen entscheidender. Welche heute bei der Jobwahl wirklich zählen, zeigen wir in diesem Artikel.

    Gehalt verliert an Bedeutung: Was ist Mitarbeitern wirklich wichtig?

    Die Zufriedenheit mit dem eigenen Job ist in Deutschland deutlich gestiegen. Das zeigt eine 2024 veröffentlichte Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Avanatgarde Experts. Während im Jahr 2022 nur 68 Prozent der Befragten mit ihrer Arbeit zufrieden waren, sind es 2024 bereits über 83 Prozent der 1050 teilnehmenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

    Was der Grund für das gestiegene Wohlbefinden sein könnte, hat nun die Employer-Branding-Agentur Universum Global im Interview mit der Welt verraten. Und eines wird dabei schnell klar: Das Gehalt steht längst nicht mehr an erster Stelle. Für das Arbeitgeber-Ranking wurden zwischen November 2024 und September 2025 knapp 7900 Beschäftigte aller Altersgruppen – von Berufseinsteigern bis zu erfahrenen Fachkräften – befragt. Sie sollten angeben, wer ihre bevorzugten Arbeitgeber sind und welche Faktoren bei der Jobwahl die höchste Priorität haben. Am wichtigsten war den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dem Ranking zufolge folgendes:

    1. Respektvoller Umgang und Wohlbefinden
    2. Berufliche Angebote wie Fortbildungen
    3. Flexible Arbeitsbedingungen inklusive Homeoffice
    4. Sicherheit im Job

    Respekt statt Geld: Mitarbeiter wünschen sich einen respektvollen Umgang

    Was im Vorjahr laut der Universum-Studie noch das konkurrenzfähige Gehalt war, ist 2025 der respektvolle Umgang miteinander. „Zum ersten Mal steht nicht das Gehalt an erster Stelle“, erklärt der Deutschlandchef von Universum global, David Falzon. Rund 64 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen ein respektvolles Miteinander wichtiger ist als finanzielle Anreize – ein deutlicher Stimmungswechsel auf dem Arbeitsmarkt.

    Auch das allgemeine Wohlbefinden spielt eine große Rolle. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden sieht darin einen zentralen Faktor für ihre Zufriedenheit im Job. Besonders der Umgang unter Kolleginnen und Kollegen wird als entscheidend wahrgenommen. Das zeigt der Baden-Württemberg-Report vom 19. September 2024, der vom Marktforschungsinstitut Kantar im Auftrag von Privat.Radio durchgeführt wurde. Demnach ist für rund 70 Prozent der Befragten der Zusammenhalt im Kollegenkreis wichtiger als ein „netter Chef“.

    Weiterbildungsmöglichkeiten bleiben gefragt

    Trotz des Fokus auf soziale Faktoren bleibt die berufliche Entwicklung weiterhin ein Thema. Weiterbildungsmöglichkeiten liegen im Ranking zwar hinter dem Gehalt, sind für knapp jeden Zweiten aber ein wichtiger Aspekt bei der Arbeitgeberwahl.

    Im Baden-Württemberg-Report zeigt sich allerdings ein etwas anderes Bild: Nur rund 17 Prozent der Befragten gaben an, dass Weiterbildungsangebote für ihre Zufriedenheit am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle spielen. Scheinbar sind Fortbildungsmöglichkeiten demnach nicht für alle gleichermaßen ausschlaggebend.

    Beim Homeoffice wollen viele keine Abstriche machen

    Während der Corona-Pandemie wurde das Arbeiten von zu Hause für viele zur neuen Normalität – und daran möchten zahlreiche Beschäftigte festhalten. Dennoch versuchen derzeit viele Unternehmen, ihre Mitarbeitenden wieder stärker ins Büro zurückzuholen. Das stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung. Laut dem Universum-Ranking würde fast jede vierte Person den Job wechseln, sollte keine Homeoffice-Option mehr bestehen. Besonders beliebt ist ein hybrides Modell mit zwei Tagen pro Woche im Homeoffice.

    Die tatsächliche Nutzung von Homeoffice ist, wie eine Studie des bayerischen Forschungsinstituts für digitale Transformation (bidt) dennoch leicht zurückgegangen. Während im Oktober 2023 noch fast die Hälfte der Beschäftigten von zu Hause arbeitete, waren es ein Jahr später nur noch rund 39 Prozent. Der Wunsch nach Flexibilität bleibt jedoch hoch. Viele Beschäftigte möchten selbst entscheiden können, wann und von wo sie arbeiten und erwarten diese Freiheit zunehmend als festen Bestandteil moderner Arbeitskultur. Flexibles Arbeiten ist damit längst kein Bonus mehr, sondern scheinbar ein Muss, wenn Unternehmen ihre Mitarbeitenden halten wollen.

    Sicherheit im Beruf ist vielen Mitarbeitenden besonders wichtig

    Die Jobsicherheit zählt für die meisten Beschäftigten nach wie vor zu den zentralen Anliegen. „Die meisten Corona-Trends haben sich relativiert, aber Jobsicherheit ist wichtig geblieben“, erklärte Falzon der Welt. Gerade in Zeiten von Transformation, Automatisierung und wirtschaftlicher Unsicherheit ist die Angst vor dem Jobverlust groß. Viele fragen sich, ob „sie in den kommenden 12 Monaten noch einen Job haben werden“, so der Senior Strategy Consultant Employer Branding bei Universum Axel Keulertz. Diese Verunsicherung spiegelt sich auch in den Wechselabsichten wider: Mehr als die Hälfte der Befragten kann sich vorstellen, im kommenden Jahr den Arbeitgeber zu wechseln. Nicht verwunderlich also, dass besonders Arbeitgeber mit einem stabilen Umfeld derzeit an Attraktivität gewinnen. Dazu zählen vor allem der öffentliche Dienst, Regierungsbehörden wie das Auswärtige Amt oder die Bundeswehr, aber auch große öffentliche Institutionen wie die Fraunhofer-Gesellschaft.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren