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Pflege bezahlbar machen: Ist Dänemark ein Beispiel für Deutschland?

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Pflege bezahlbar machen: Ist Dänemark ein Beispiel für Deutschland?

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    Die Pflege in Dänemark ist anders organisiert als in Deutschland.
    Die Pflege in Dänemark ist anders organisiert als in Deutschland. Foto: allexxandarx, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Die Pflege in Deutschland steht nicht gut da. Die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen, Personalmangel sowie massive Finanzierungsprobleme in der Pflegeversicherung machen eine Reform notwendig. Hinzu kommt eine steigende finanzielle Belastung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen. Immerhin haben von insgesamt knapp 5,7 Millionen Menschen mit einem Pflegegrad von 1 bis 5 laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2024 fast 432.000 Personen die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“ bezogen. Das entspricht einem Anteil von 7,6 Prozent und gegenüber 2023 einer Steigerung von 6,1 Prozent.

    Eine wichtige Aufgabe der Pflegereform ist daher, die Pflege bezahlbar zu machen. Überlegungen wie etwa eine Begrenzung des Eigenanteils im Pflegeheim gibt es in der Politik bereits. Lohnt sich für mögliche Lösungen aber auch der Blick ins Ausland? Könnte etwa Dänemark ein Beispiel für Deutschland sein?

    Pflege in Dänemark: Wie funktioniert das System?

    Anders als in Deutschland gibt es in Dänemark keine eigene Pflegeversicherung. Laut dem EU-Länderprofil für Dänemark bietet ein universell, steuerfinanziertes Gesundheitssystem allen Einwohnerinnen und Einwohnern ein umfassendes Leistungspaket – darin enthalten sind auch Pflegeleistungen. Demnach ist das System in Dänemark in drei Verwaltungsebenen gegliedert: Staat, Region und Gemeinde.

    Auf staatlicher Ebene geht es um die allgemeine Regulierung, Aufsicht und Finanzierung. Die fünf Regionen sind für Krankenhäuser sowie für die Planung und Finanzierung der medizinischen Grundversorgung verantwortlich. Die 98 Gemeinden sind für Rehabilitation, häusliche und stationäre Langzeitpflege sowie das öffentliche Gesundheitswesen zuständig. Dabei ist die Beziehung zwischen Staat, Region und Gemeinde nicht hierarchisch, sondern kooperativ. Die Pflege in Dänemark liegt damit fast vollständig in öffentlicher Hand. Wie die AOK erklärt, gibt es in Dänemark kaum Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen, die von privaten Trägern geführt werden. In Deutschland ist das anders. Von 16.505 Pflegeeinrichtungen lagen laut der Pflegestatistik 2023 des Statistischen Bundesamts nur 717 in der Hand öffentlicher Träger.

    Finanzierung der Pflege: Was ist in Dänemark anders?

    Dem EU-Länderprofil zufolge beliefen sich die Gesundheitsausgaben im Jahr 2021 in Dänemark auf 10,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), womit sie leicht unter dem EU-Durchschnitt von 11,0 Prozent lagen – dem EU-Länderprofil für Deutschland zufolge waren es hierzulande 12,9 Prozent des BIP. Pro Kopf gerechnet waren sowohl die Ausgaben in Deutschland als auch in Dänemark höher als im EU-Durchschnitt. Hier lagen sie nämlich bei 4029 Euro pro Kopf, wohingegen in Dänemark 4325 Euro anfielen und in Deutschland 5159 Euro – damit führt Deutschland die Liste in der EU auch an.

    In Dänemark wurde der größte Teil der Gesundheitsausgaben (85 Prozent) laut dem EU-Länderprofil des Landes aus allgemeinen Steuermitteln finanziert. Dieser Anteil der öffentlichen Finanzierung ist in den vergangenen 15 Jahren stabil geblieben und liegt über dem EU-Durchschnitt von 81 Prozent. Die übrigens 15 Prozent wurden mit 13 Prozent aus privaten Zahlungen von Pflegebedürftigen, Patientinnen und Patienten sowie mit zwei Prozent durch private Zusatzversicherungen gedeckt.

    Der größte Teil der Ausgaben fließt in Dänemark mit 32 Prozent in die ambulante Versorgung. 25 Prozent fließen in die stationäre Pflege und 20 Prozent in die Langzeitpflege. Hier wird ein Unterschied zu Deutschland deutlich: In Dänemark steht die ambulante Pflege im Vordergrund, wohingegen in Deutschland laut dem EU-Länderprofil fast gleich viele Mittel in die stationäre (26 Prozent) und die ambulante (25 Prozent) Versorgung gesteckt werden. 19 Prozent fließen in die Langzeitpflege.

    Bezeichnend dafür ist auch, dass die Zahl der Krankenhausbetten in Dänemark seit den 1990ern rückläufig ist und mit 2,5 Betten pro 1000 Einwohner deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 4,8 Betten pro 1000 Einwohner liegt. In Deutschland zeigt sich ein gegensätzliches Bild. Dem EU-Länderprofil zufolge gibt es hier 7,8 Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner. Nach Bulgarien ist das der zweithöchste Wert in der EU. Seit 2000 ist die Bettenkapazität in Deutschland um 13 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Betten in Dänemark um 40 Prozent zurückgegangen. Wie die EU-Kommission im Länderprofil für Deutschland erklärt, werfe das Fragen hinsichtlich Effizienz und Überkapazität auf.

    Pflege bezahlbar machen: Ist Dänemark ein Beispiel für Deutschland?

    Genau wie in Deutschland machen sich auch in Dänemark der demografische Wandel sowie Personalmangel bemerkbar. Beide Länder übernehmen laut der EU-Kommission etwa 85 Prozent der gesamten Gesundheitskosten aus öffentlichen Mitteln. Blickt man aber in den jeweiligen Länderprofilen auf die Verteilung der privaten Selbstzahlungen von Patientinnen und Patienten, zeigt sich eine andere Gewichtung. So machen in Deutschland mit 37 Prozent Zahlungen für die Langzeitpflege den größten Teil aus. In Dänemark macht dieser Bereich nur 14 Prozent der Selbstzahlungen aus und ist damit deutlich geringer. Das wird auch am Beispiel „Kosten für einen Heimplatz“ deutlich.

    In Dänemark zahlen Bewohnerinnen und Bewohner für ihren Platz im Pflegeheim nicht mehr als 1600 Euro pro Monat, berichtet der NDR unter Berufung auf die Heimleitung einer dänischen Pflegeeinrichtung in Gravenstein. In Deutschland müssen Pflegebedürftige deutlich tiefer in die Tasche greifen. Einer Auswertung des Verbands für Ersatzkassen (VDEK) zufolge liegt der Eigenanteil im ersten Aufenthaltsjahr in einem deutschen Pflegeheim im Bundesdurchschnitt inzwischen bei 3108 Euro pro Monat (Stand: Juli 2025). Steigende oder zu hohe Kosten werden dem NDR zufolge in Dänemark aus Steuermitteln finanziert, sodass pflegebedürftige Menschen sich nicht ans Sozialamt wenden müssen.

    Aufgrund der staatlichen Subventionen verdienen auch Pflegekräfte in Dänemark besser als in Deutschland, erklärt Jörg Krimis dem NDR. Der Pfleger kommt ursprünglich aus Deutschland, hat die Pflege-Ausbildung aber in Dänemark gemacht, „denn hier ist das Arbeiten um einiges besser“, sagt er. „Vollzeit ist nicht 42 Stunden, der Lohn ist um einiges besser, die Verhältnisse sind besser“. Etwa 6500 Euro brutto pro Monat bekommt eine Pflegekraft in Dänemark, erklärt Heimleiterin Beate Klaehne dem NDR. Wer in Deutschland nach dem Tarifvertrag im öffentlichen Dienst für die Pflege bezahlt wird, verdient nur in der höchsten Entgeltstufe mehr. Allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten in Dänemark deutlich höher als in Deutschland.

    Ob sich Deutschland für die geplante Pflegereform tatsächlich ein Beispiel an Dänemark nimmt, bleibt abzuwarten. Dass sich der Blick ins Nachbarland lohnen könnte, zeigen aber die Zahlen.

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