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„Pretty Privilege“: So wird das Gehalt vom Aussehen beeinflusst

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„Pretty Privilege“: So wird das Gehalt vom Aussehen beeinflusst

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    Das Aussehen spielt in vielen Bereichen des Lebens eine Rolle – auch dort, wo es eigentlich um Fähigkeiten und Leistung gehen sollte: im Job.
    Das Aussehen spielt in vielen Bereichen des Lebens eine Rolle – auch dort, wo es eigentlich um Fähigkeiten und Leistung gehen sollte: im Job. Foto: BullRun, stock.adobe.com (Symbolbild)

    In einer Welt, in der das äußere Erscheinungsbild oft eine entscheidende Rolle spielt, ist es kein Geheimnis, dass Schönheit einen unbewussten Einfluss auf unser Leben hat – sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Wie genau wirkt sich das Aussehen auf den beruflichen Erfolg und das Einkommen aus? Ist es wirklich so, dass schöne Menschen besser bezahlt werden als ihre weniger attraktiven Kollegen?

    „Pretty Privilege“: Haben es schöne Menschen einfacher im Leben?

    Inzwischen gibt es zahlreiche Studien zum Thema „Pretty Privilege“, zu Deutsch etwa „Schönheits-Privileg“. Darunter versteht man laut WirtschaftsWoche (WiWo) die Vorteile, die Menschen dank ihrer Attraktivität erfahren, sei es im Alltag im zwischenmenschlichen Miteinander, beim Dating, in der Schule oder im Berufsleben bei Bewerbungen oder beim Gehalt. Martin Gründl, Attraktivitätsforscher und Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Harz, begründet das laut Utopia mit dem sogenannten „Beauty is good“-Stereotyp: Demzufolge werden attraktiven Menschen eher positive Qualitäten zugeschrieben, wie Intelligenz, Kompetenz oder moralische Charakterstärke.

    Gründl erklärt außerdem, dass Attraktivität vor allem in Situationen helfe, in denen es auf den ersten Eindruck ankommt. Gründe könnten laut Gründl sein, dass gut aussehende Menschen sozial gewandter wirken, weil Menschen ihnen oft positiver begegnen – oder sie ein hohes Selbstwertgefühl aufgrund ihres Aussehens haben. Das Phänomen führt aber andererseits zu Nachteilen für Menschen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, und kann zu unterbewusster Diskriminierung führen.

    Aber was gilt überhaupt als schön? Zu den gängigen Faktoren zählen laut Gründl Jugendlichkeit und geschlechtstypisches Aussehen: bei Frauen etwa große Augen, eine zierliche Nase und Unterkieferregion oder hohe Wangenknochen. Bei Männern hingegen ein markantes Kinn und ein markanter Unterkiefer. Wie die Neuropsychologin Judy Ho gegenüber Vice erklärt, deutet ein symmetrisches Gesicht, das oft als attraktiv wahrgenommen wird, auf starke und gesunde Gene hin. Aus evolutionärer Perspektive sei es daher nachvollziehbar, dass wir attraktiven Menschen tendenziell positiver begegnen, da ihre Gene einen erfolgreichen Beitrag zum Überleben der Spezies versprechen.

    Am besten sei bisher laut Gründl in Studien erforscht worden, welche Vorteile attraktive Menschen im Bewerbungskontext haben – also in typischen Situationen, in denen der erste Eindruck zählt. Welche Bedeutung hat aber nun gutes Aussehen für das Gehalt?

    „Pretty Privilege“ im Beruf: So beeinflusst das Aussehen das Gehalt

    Eine vielfach zitierte Untersuchung stammt laut WiWo vom Arbeitsökonomen Daniel Hamermesh, die er in seinem Buch Beauty Pays 2011 vorlegte. Darin fasste er die Forschungsergebnisse aus verschiedenen Studien seit Anfang der 1990er-Jahre zusammen. Das Ergebnis:

    • Teilt man die Gesellschaft nach ihrem Aussehen in drei gleich große Gruppen, so verdienen die attraktivsten Menschen im Laufe ihres Berufslebens fünf Prozent mehr als diejenigen mit durchschnittlichem Aussehen und
    • zehn bis zwölf Prozent mehr als die als weniger attraktiv geltenden.
    • Dadurch kann es dazu kommen, dass besonders gut aussehende Menschen bis zum Ruhestand 250.000 Dollar mehr auf ihrem Konto haben als ihre weniger attraktiven Mitmenschen.

    Laut einer Auswertung der Ökonomin Eva Sierminska vom Luxemburger Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), für die sie verschiedene Studien analysierte, aus dem Jahr 2015 könnten schöne Frauen in Deutschland sogar bis zu 20 Prozent mehr Gehalt erhalten.

    Eine aktuelle Studie der Bergischen Universität Wuppertal, die 2025 in der Fachzeitschrift European Sociological Review veröffentlicht wurde, zeichnet ebenfalls ein Bild speziell den deutschen Arbeitsmarkt betreffend: Demnach erzielen attraktive Personen durchschnittlich zwei bis fünf Prozent höhere Stundenlöhne als weniger attraktive. Das gilt für alle Berufsgruppen und sogar, wenn sie in Berufen arbeiten, die für ihr Geschlecht untypisch sind. Damit widerspricht das Ergebnis laut den Studienautoren der verbreiteten Annahme, dass attraktive Personen als geschlechtstypisch wahrgenommen und ihnen damit entsprechende Merkmale zugeschrieben werden, die möglicherweise nicht zu gelernten Rollenmustern in der Arbeitswelt passen – folglich wird ihnen nicht zugetraut, einen für sie eher untypischen Beruf auszuüben.

    Die Studie zeigt laut dem Soziologen und Studienautor Prof. Dr. Reinhard Schunck außerdem, dass „gesellschaftliche Vorstellungen von Attraktivität dauerhafte Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt erzeugen können – selbst in einem stark regulierten Arbeitsmarkt wie dem deutschen, der weniger Ermessensspielraum für Arbeitgebende bei der Lohnfestlegung im Vergleich zu anderen Ländern bereithält.“

    Warum bekommen schöne Menschen mehr Gehalt?

    Wie in Psychology Today berichtet wird, ist ein Erklärungsansatz laut Daniel Hamermesh, dass die besseren Verdienstmöglichkeiten damit zusammenhängen, dass attraktivere Menschen in Unternehmen einen höheren Stellenwert genießen. Sie gelten als „wertvollere“ Mitarbeitende, da sie oft mehr Umsatz für ihre Unternehmen generieren. Ein gut aussehender Versicherungsvertreter etwa verkauft mehr Versicherungen als jemand, der als weniger attraktiv wahrgenommen wird.

    Fazit: Verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, um wie viel höher das Gehalt attraktiver Menschen im Vergleich zu weniger normschönen Menschen ausfällt. Das mag auch mit unterschiedlichen Methodiken, der Einbeziehung weiterer Faktoren und verschiedenen Stichprobengrößen zusammenhängen. Dass attraktive Menschen auf dem Arbeitsmarkt tendenziell bessere Chancen haben, zeigt sich aber fast immer in der Forschung.

    Ausnahmen gibt es in anderen Kulturen: So zeigten zwei Ökonomen der Universität Mannheim und der ETH Zürich in einer internationalen Studie, dass Attraktivität je nach Kulturraum anders bewertet und wahrgenommen wird – und daher auch unterschiedliche Folgen für den beruflichen Erfolg haben kann. Während gerade in westeuropäischen Ländern Schönheit mit Stärke und Kompetenz verknüpft wird, werden attraktive Personen in vielen osteuropäischen und asiatischen Ländern nicht als besonders erfolgreich wahrgenommen. Stattdessen gilt dort öfter die Meinung, dass hübsche Menschen eher inkompetent sind und häufiger versagen.

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