Das raten Reise-Experten: So planen Sie den Sommer-Urlaub 2021

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Vieles erscheint unsicher in diesem Reisejahr - doch sollte man nicht jetzt schon buchen? Experten geben Antworten auf 23 Fragen rund um den Sommerurlaub 2021.

Wird es teurer werden? Werde ich Nachteile haben, wenn ich nicht geimpft bin? Wo wird es voll werden? Sollte ich jetzt schon buchen? Was, wenn ich im Urlaub an Corona erkranke? Wer sich aktuell mit dem Thema Sommerurlaub beschäftigt, steht vor vielen Fragen. Wir haben Tipps, mit denen die Ferien gelingen.

Flex-Tarife und Storno-Gebühren: Kann ich mit gutem Gefühl eine Reise in diesem Sommer planen?

Das hängt von der persönlichen Risikobereitschaft ab. Finanziell kann man sich mittlerweile gut absichern. Viele Reiseanbieter haben so genannte Flex-Tarife aufgelegt, die gegen Aufpreis dazu gebucht werden können. Bei vielen Veranstaltern kann damit die Reise bis 14 Tage vor Abreise kostenfrei storniert werden. Achtung, der Teufel liegt im Detail: Unbedingt auf die Fristen achten! Die Verbraucherzentrale Bayern rät, noch vor der Zahlung des Gesamtpreises der Reise – dies ist in der Regel vier Wochen vor Reisebeginn – zu prüfen, ob die Corona-Lage eine verlässliche Prognose zulässt und ob die Reise auch wirklich stattfinden kann. Gesetzlich ist der Reiseveranstalter zwar verpflichtet, unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von 14 Tagen den Reisepreis zurückzuerstatten, die Erfahrungen des letzten Jahres haben aber gezeigt, dass Reiseveranstalter sich teilweise nicht daran gehalten haben.

Corona verunsichert. Wie planen die Deutschen in diesem Jahr ihren Sommerurlaub?

Laut einer ADAC-Studie wollen 65 Prozent der Deutschen ihren Urlaub dieses Jahr im eigenen Land verbringen, 47 Prozent planen eine Reise in Europa und 16 Prozent zieht es in die Ferne. Die Ungewissheit wegen der weiteren Entwicklung der Pandemie lässt viele zögern. Urlaubsreisen ist vielen Deutschen unverändert wichtig, so Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise, der jedes Jahr die Urlaubspläne der Deutschen analysiert. 38 Prozent aber wissen noch nicht, ob sie dieses Jahr überhaupt verreisen wollen. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Knapp die Hälfte der Befragten plant aber sicher eine Urlaubsreise in diesem Corona-Sommer.

Muss ich mich mit einer Buchung für den Sommerurlaub beeilen, weil die Kapazitäten am Markt wegen Corona begrenzt sind?

Für den Sommer 2021 sind nach noch ausreichend Kapazitäten vorhanden, wobei ab etwa Juli die Buchungszahlen von Monat zu Monat höher ausfallen und sich die Urlaubsauswahl – vor allem aufgrund der derzeit noch begrenzten Flugverfügbarkeiten – langsam kleiner wird, erklärt FTI-Pressesprecherin Susanne Wohlgemuth. Die Reiseveranstalter rechnen mit einem Nachfrageboom, sobald es konkrete Öffnungsperspektiven gibt. Urlauber, die feste Vorstellungen und Terminwünsche haben, sollten nicht zu lange zögern.

Es heißt aber auch oft, dass viele Angebote ganz kurzfristig auf den Markt kommen, je nachdem wie sich die Corona-Situation entwickelt.

Davon kann man zumindest bei den klassischen Urlaubsländern ausgehen. Die Reiseveranstalter haben ihre Kapazitäten derzeit zwar stark reduziert, können aber schnell reagieren. Beispiel Mallorca: Innerhalb eines Tages wurden wegen der starken Nachfrage der deutschen Urlauber für die Ostertage von Eurowings 300 Flüge auf die Baleareninsel nachgelegt.

Was sind in diesem Jahr die begehrten Reiseziele?

Das ist wohl das einzige, was Corona nicht verändert hat: Wie alle Jahre werden die klassischen Badeziele nachgefragt: Bei der Tui sind dies heuer vor allem die griechischen Inseln Kreta, Rhodos, Kos, Mallorca, die Türkische Riviera, Gran Canaria und das Rote Meer.

Offenbar planen viele Menschen Urlaub in Deutschland - könnte es eng werden?

Zehn Millionen Deutsche machen normalerweise Urlaub in ihrem Heimatland. Wie 2020 werden wohl deutlich mehr Deutsche ihre Ferien diesen Sommer im eigenen Land verbringen. Erfahrungsgemäß sind vor allem der Norden und der Süden gefragt. Doris Wilmer-Huperz, die für die Ostseeorte an der Lübecker Bucht spricht, berichtet von einer „schon sehr guten Buchungslage für den Sommer“. Es gebe noch Unterkünfte; allerdings werden besonders große Ferienwohnungen oder Ferienwohnungen mit zwei separaten Schlafzimmern schon knapp. Auch das Allgäu spürt deutliches Interesse. Noch gebe es viele Zimmer in allen Kategorien. Die meisten Orte rechnen mit kurzfristigen Buchungen sowie die Lage einschätzbarer ist. „Dann wird schnell alles voll sein, wie im letzten Jahr“, ist Sylvia Einsle, Leiterin der Tourismus-Information Schwangau überzeugt. Vor allem Radlergruppen rät Einsle im Voraus zu buchen. Solche seien im vergangenen Sommer immer wieder „gestrandet“ und hätten am Abend nach der Tour, keine Unterkunft mehr gefunden.

Wird der Urlaub in diesem Jahr teurer?

Insgesamt werden die Preise im Vergleich zum Vorjahr stabil bleiben, etwas günstiger im Durchschnitt wird es in der Türkei oder in Griechenland – und bei den Städtereisen. Laut Tui-Deutschlandchef Marek Andryszak sind die Kapazitäten am Markt derzeit sehr hoch und die Preise attraktiv. Allerdings gönnten sich die Kunden mehr – Upgrades in eine bessere Hotelklasse etwa. „Deshalb werde der Urlaub am Ende vielleicht teurer, so Andryszak. In den Sommermonaten werden die Preise – wie immer – jedoch anziehen.

Wird es einheitliche Richtlinien für die Einreise geben - zumindest für die europäischen Länder?

Das würde an ein Wunder grenzen. Tui-Deutschlandchef Andryszak rechnet weiterhin mit einem „europäischen Potpourri“. In Italien genügt derzeit ein Antigen-Test, die meisten Länder verlangen bei der Einreise aber einen PCR-Test. In Frankreich darf dieser nicht älter als 72 Stunden sein, in Kroatien nur 48 Stunden … Am besten informiert man sich auf der Seite des Auswärtigen Amtes. Dort sind zu allen Ländern ausführliche Informationen zur Einreise und Covid-19-Situation zu finden.

Was ist, wenn ich bis zum Sommer keine Impfung gegen Covid-19 erhalten habe. Muss ich Nachteile fürchten?

Die deutschen Reiseveranstalter setzen auf eine intensive Teststrategie, da viele ihrer Kunden, vor allem Familien mit kleinen Kindern, „gar keine Chance haben, sich bis zum Sommer impfen zu lassen“, so Tui-Chef Andryszak. Es gibt aber einige Länder, die geimpften Reisenden eine Quarantäne ersparen. Island etwa, die Seychellen, Madeira oder Rumänien.

Was ist, wenn ich eine Impfung habe, meine Kinder aber nicht. Muss ich dann Komplikationen bei der Einreise in so ein Urlaubsland fürchten, das Impf-Privilegien gewährt. Muss ich dann dennoch Quarantäne?

Beispiel Island: Für den Fall, dass die Eltern geimpft sind und die Kinder nicht, müssen die Kinder derzeit in Quarantäne. Dies soll sich ab Mai ändern. Island plant ein Ampelsystem nach dem Vorbild Deutschlands. Das zeigt: Die jeweilige Ländersituation ändert sich derzeit ständig. Das Auswärtige Amt informiert ausführlich über die Einreisebedingungen.

Viele sind in Corona-Zeiten lieber mit dem Wohnmobil unterwegs. Sollte man deshalb vorab einen Stellplatz buchen?

ADAC-Camping-Experte Thomas Biersack rät dazu, rechtzeitig ein Ziel festzulegen und über Internetportale oder auch direkt einen Stellplatz zu buchen oder zumindest zu reservieren. Er weiß von Engpässen im vergangenen Jahr – an der Ostsee etwa oder an der Müritz. „Da mussten Urlauber weggeschickt werden.“ Sylvia Einsle von der Touristinformation Schwangau weist darauf hin: „Für Pfingsten wird es schon sehr knapp an Camping-Stellmöglichkeiten in Schwangau.“ Auch die Monate Juli und August seien sehr gut gebucht und erste Termine bald nicht mehr verfügbar. Auch bei Kaufbeuren ist der Campingplatz in der letzten Juliwoche und in den ersten zwei Augustwochen bereits ausgebucht. Thomas Biersack vom ADAC rät Wohnmobilisten, unbedingt die Stornobedingungen zu klären, falls ein Urlaubsziel zum Risikogebiet erklärt werden sollte. Auch für die kroatischen Küstengebiete, Italien und Österreich rechnet der ADAC mit einer hohen Nachfrage.

Steigen die Preise für Camping in diesem Jahr?

Der ADAC geht bei den Campingplätzen von einer Teuerung von drei bis sieben Prozent aus. Ein Wohnmobil für vier Personen kostet in der Hauptsaison 150 bis 160 Euro, in der Nebensaison 100 bis 130 Euro Miete am Tag. Bei diesen Preisen dürfte es laut Camping-Experte Biersack mehr oder weniger bleiben.

Die Nachfrage nach Kreuzfahrten ist gerade höher als das Angebot.
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Was muss ich beachten, wenn ich eine Kreuzfahrt buchen möchte?

Die Nachfrage nach Kreuzfahrten ist deutlich größer als das Angebot – auch von Reisenden, die aus dem vergangenen Jahr umgebucht haben. Mit dem Neustart geht es aber noch nicht recht voran. Reisen werden immer wieder abgesagt. In der Karibik und vor Alaska geht bis auf Weiteres überhaupt nichts. Von den deutschen Reedereien fahren derzeit Tui Cruises und Hapag Lloyd, die ab April sogar wieder alle vier Schiffe einsetzen will. Aktuell bietet die “Mein Schiff”-Flotte von Tui sogenannte „Blaue Reisen“ ab und bis Gran Canaria an. Der Begriff bedeutet, dass nur organisierte Landgänge erlaubt sind. Individuelle Ausflüge sind nicht möglich. Aida will am 20. März wieder loslegen. Die Schiffe der italienischen Reederei MSC cruisen zwischen Genua und Malta. In einige Ländern, Griechenland etwa, dürfen Kreuzfahrtschiffe derzeit nicht anlegen.

Muss ich für mein Wunschziel in Europa mit längeren Anreisen rechnen, da der Flugplan ausgedünnt wurde?

Die klassischen Ferienziele werden sicherlich in den Sommermonaten intensiv angeflogen werden. Wer aber, um ein Beispiel zu nennen, im Norden Spaniens eine individuelle Wanderreise plant, wird lange Wege einrechnen müssen. Derzeit werden viel weniger Flughäfen angeflogen. Auch passiert es häufig, dass Flüge ab München – nur ein Beispiel – zwar buchbar sind. Der tatsächlicher Abflugort dann aber Frankfurt oder Düsseldorf ist.

Werden Hotels leerer sein, weil sie nicht mehr voll belegt sein dürfen?

Die Situation ist für die Hoteliers nicht einschätzbar. „Wir wissen noch nicht, wie ein neue Verordnung für das Restart-Konzept aussieht“, so Sybille Wiedenmann von den Allgäuer Top-Hotels. Aber mit einem guten Testkonzept könnte eine normale Belegung möglich sein.

Was muss ich beim Grenzübertritt beachten, wenn ich individuell mit dem Auto unterwegs bin?

Sicherlich hilfreich ist es, einen negativen Covid-Test (nicht älter als 48-Stunden) in der Tasche zu haben, rät der ADAC. Durchreisen sind überwiegend erlaubt. Ein Beispiel: Wer durch Österreich nach Kroatien oder Italien möchte, darf höchstens zu Kurzstopps (Tanken oder Pipi-Pause) anhalten. Da in manchen Ländern ein Beherbergungsverbot (Italien) herrscht, muss ein triftiger Grund für die Reise vorliegen, Verwandtenbesuch etwa. Oder Besuch des Zweitwohnsitzes.

Ist es in diesem Sommer eventuell ratsam eine Pauschalreise zu buchen, obwohl ich nicht der Typ dafür bin?

Bei dieser Frage sollte man auf sein individuelles Sicherheitsbedürfnis hören. Reiseveranstalter haben eine sogenannte Obhuts- und Fürsorgepflicht. Das heißt, im Notfall müssen die Anbieter für die Sicherheit ihrer Kunden sorgen. Auch gibt es einen festen Ansprechpartner vor Ort. Wer individuell unterwegs ist, kann sich im Notfall an die Deutsche Botschaft im jeweiligen Urlaubsland wenden. Die Kosten der Rückreise müssen dann aber selbst getragen werden.

Was muss ich tun, wenn mein Urlaubsziel kurz vor der Abreise Risikogebiet wird. Das Auswärtige Amt spricht für solche Länder dann eine pandemiebedingte Reisewarnung aus.

Eine Reisewarnung bedeutet kein Reiseverbot. Urlauber sollten aber klären, ob sie für diesen Fall krankenversichert sind. Selbst manche Auslandskrankenversicherung schließt eine Leistung aus, wenn eine Reisewarnung vorliegt, so die Verbraucherzentrale Bayern. Außerdem sollte bei der Planung die Quarantäne nach der Rückkehr von der Reise eingerechnet werden. Reiseveranstalter sagen bei einer Reisewarnung die gebuchte Reise ab.

Und was ist, wenn das Urlaubsland während meines Aufenthalts Risikogebiet wird?

Wird ein Land oder eine Region zum Risikogebiet erklärt, holen Veranstalter ihre Gäste zurück nach Deutschland – oder bieten dies zumindest an. Urlauber, die individuell unterwegs sind, müssen die Lage selbst einschätzen und sich ihre Rückreise selbst organisieren. Die Verbraucherzentrale Bayern weist zudem darauf hin: Wenn es aufgrund des Covid-19-Virus zu erheblichen Beeinträchtigungen bei der Reise kommt, dann liegen „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vor“ – mit der Folge: Reisende können sich eventuell vom Vertrag lösen und ihr Geld zumindest anteilsmäßig zurückverlangen.

Was erwartet mich in Deutschland, wenn ich aus einem Risikogebiet zurückkehre? Wie muss ich mich verhalten?

Wer aus einem Risikogebiet zurück kommt, muss eine Einreiseanmeldung ausfüllen, einen – in Bayern kostenlosen – Corona-Test absolvieren und sich beim Gesundheitsamt melden. Die Quarantänezeit beträgt 14 Tage, sie endet frühestens fünf Tage nach der Einreise, wenn ein zweites negatives Testergebnis vorgelegt wird. Das Ergebnis muss aufbewahrt werden. Wer aus einem Virus-Variantengebiet einreist, kann sich nicht „frei-testen“ lassen.

Es ist ratsam, darauf zu achten, ob Versicherungen eine Pandemieklausel haben.
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Was wird sein, wenn ich im Urlaub an Corona erkranke?

In der Regel wird der Positiv-Getestete in einem Quarantäne-Hotel vor Ort untergebracht, bis ein negatives Testergebnis vorliegt, so Susanne Wohlgemuth von FTI. Das kann in der gebuchten Unterkunft ein abgetrennter, eigens eingerichteter Bereich oder auch ein ausschließlich für Quarantäne-Fälle genutztes Hotel sein, beides jeweils mit ärztlicher Betreuung. Bei schwerem Symptomen müssen die Urlauber vor Ort ins Krankenhaus. Ein Rückflug ist dann nicht möglich.

Stichwort Covid-19-Versicherung: Wer übernimmt die Kosten?

Viele Reiseanbieter bieten bei einer Buchung mittlerweile eine Covid-19-Versicherung an – bei machen gegen Aufpreis, bei manchen inklusive. Diese umfasst meist eine Rückflug-Garantie sowie Hotel- und Behandlungskostenübernahme bis insgesamt maximal 3500 Euro pro Buchung. Wer individuell unterwegs ist, kann eine sogenannte Reiseabbruchsversicherung abschließen. Aber auch hier gilt es, darauf zu achten, ob eine Pandemieklausel enthalten ist.

Kann ich den Reisepreis mindern, wenn ich coronabedingt auf einer Reise nicht alle gebuchten Leistungen wie erwartet in Anspruch nehmen kann?

Das ist eine Einzelfall-Entscheidung. In Corona-Zeiten kann es sein, dass der Swimming-Pool nicht durchgängig zur Verfügung steht oder Touristen à là carte essen müssen, obwohl sie Buffet gebucht haben. Bei der Frage, ob es sich hierbei um Reisemängel oder um hinnehmbare Einschränkungen handelt, kommt es darauf an, ob vereinbarte Leistungen gestrichen wurden, so die Verbraucherzentrale Bayern. Aber auch Corona-bedingte Einschränkungen am Pool, Hotelstrand oder Buffet können eventuell dazu führen, dass der Reisepreis gemindert oder der Vertrag storniert werden kann.

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