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Familienferien

07.05.2018

Wo Kinder im Urlaub das Abenteuer finden

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2 Bilder
Der Strand von Fanö Bad ist fast einen Kilometer breit.
Bild: Holger Sabinsky-Wolf

Blaues Meer, breiter weißer Sandstrand: Fanö liegt in der Nordsee gilt aber als die Südsee Dänemarks. Ferien mit Drachen, Robben und Wikingern.

Monate vorher Wenn eine Familie aus Süddeutschland überlegt nach Dänemark zu fahren, dann stellen sich lange vorher entscheidende Fragen. Zum Beispiel die: Warum? Warum sollen wir in der Nebensaison auf eine dänische Nordsee-Insel fahren, wo Luft und Wasser sich bei klammen Temperaturen um die 17 Grad einpendeln, wenn wir mit der selben Wegstrecke in Gegenrichtung locker Sardinien oder Marseille erreichen würden. Und ich kann Ihnen verraten, die Diskussion im Familienrat ist alles andere als trivial mit zwei Kindern, 7 und 9, die wahnsinnig gerne im warmen Sand und im warmen Wasser spielen, und einer Frau, die vom Tegernsee stammt und für die der (milde) Gardasee immer ein Wochenend-Trip war.

Wochen vorher Die Familie überzeugt, mit folgenden Argumenten: Fanö ist eine wunderschöne kleine Insel in Südwest-Jütland, der sogenannten „dänischen Südsee“. Der Strand mit herrlich feinem, weißen Sand im Ort Fanö Bad ist fast einen Kilometer breit. Breit, nicht lang. Da kann man tolle Sandburgen bauen, Drachen steigen lassen, Muscheln suchen und sogar mit dem Auto darauf rumheizen. Unser Ferienhaus für die Woche hat allen erdenklichen Komfort. Wir machen Ausflüge zu den Wikingern (Wickie!) und zu niedlichen Robben. Und das Wetter, das wird schon.

Für die Kinder gibt es viel zu entdecken

Wenige Wochen vorher Vorüberlegungen: Auf die Insel Elba (880 Kilometer) sind wir immer in einem Rutsch gefahren. Ging gut. Aber Dänemark? 1050 Kilometer? Beschluss: Wir fahren hin und zurück jeweils mit Zwischenaufenthalt. Hin mit einem Besuch des Serengeti-Parks nördlich von Hannover.

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Eine Woche vorher Die üblichen Vorbereitungen: Sonnencreme, Windjacken und Mützen nicht vergessen, es soll immer windig sein. War noch was? Ja. Dänische Kronen umtauschen. Verflixt. Hatten wir nicht auf dem Radar. 1 Euro gleich 7,45 Kronen. Das wird kompliziert, denke ich noch. Da ich gerne mit dem richtigen Geld in andere Länder reise, hilft die ReiseBank am Augsburger Hauptbahnhof aus. Zu keinem sehr günstigen Kurs, sei’s drum.

Anreise Der Zwischenstopp im Serengeti-Park erweist sich als großer Erfolg. Und die Anreise fühlt sich nicht so elend weit an. Aber immer noch weit genug. Unfassbar, wie lang Deutschland ist. Und wie platt im Norden. Finden auch die Kinder. Im Übrigen kontrollieren auch die Dänen ihre Grenze streng wegen der Flüchtlinge. Auch das dauert. Die Kinder sind genervt. Schwung kommt in die Sache, als wir die Hafenstadt Esbjerg erreichen. Von dort aus geht die kleine Fähre alle 20 Minuten nach Fanö hinüber. Im Gegensatz zur Schwesterinsel Romö, die eine Brücke zum Festland hat. Wir bleiben sitzen und verfolgen auf dem Navi, wie unser Auto durch die Nordsee schippert. Lustig.

Fanö ist klein, aber jedes Jahr kommen zahlreiche Gäste

Ankunft Fanö ist klein. 16 Kilometer lang und höchstens fünf Kilometer breit. 3290 Einwohner, aber 850.000 Gäste-Übernachtungen jährlich. Eine Hauptstraße von Nord nach Süd, vier nennenswerte Ansiedlungen. Man kann die Insel bequem per Rad erkunden. Wunderhübsch in der klaren Luft sind die weißen Strände und die reetgedeckten Häuser. Unser Ferienhaus: ein Traum. Es ist schier unglaublich, welche Standards diese Häuser in Dänemark haben: Garten, Terrasse, Grill, Waschmaschine, Trockner, Kaminofen, eine Küche mit einem riesigen Ami-Kühlschrank – so einem, aus dem die Kleinen unentwegt Eiswürfel herausrasseln lassen –, und sogar Jacuzzi und Sauna. Die Einrichtung ist modern, aber gemütlich, viele Design-Möbel zieren das helle Haus. Musikanlage und Fernseher sind üblich. Und draußen vor den raumhohen Fenstern hoppeln die Wildkaninchen. Kinder begeistert.

Das ist natürlich eine andere Komfortstufe als in vielen italienischen Ferienhäusern. Die lassen sich die Dänen aber auch bezahlen. Zwischen 520 Euro – das ist aber dann im November oder Januar – bis zu 1480 Euro pro Woche kostet das Haus. Ein Gedanke kommt auf: Ist es vielleicht Absicht, dass die Dänen noch keinen Euro haben, damit die hohen Preise kaschiert werden. Der Gedanke verstärkt sich beim ersten Einkauf im Supermarkt. Nur das Allernotwendigste für den ersten Morgen: etwas Wurst, ein Päckchen Käse, Butter, Obst, eine Cola und Toilettenpapier. Macht 350 Kronen. Wie viel war das noch gleich? Ach ja, 50 Euro. Das kann ja teuer werden. Tipp: Vor dem Grenzübertritt mit Lebensmitteln eindecken – falls es der Kofferraum noch zulässt.

Kinder bekommen Tiere hautnah zu sehen

Erster Tag Ein Fasan schaut zum Fenster rein. „Das ist ja fast wie im Zoo hier“, sagt die Tochter. Dann Strand. Mit einem Hindernis. Die Haustür lässt sich nicht absperren. Die Kinder reagieren zunehmend verschlossen auf meine vergeblichen Versuche. Ich fluche. Die Frau an der Hotline aber lacht freundlich: Das ist der dänische Trick. Die Türklinke muss erst kräftig nach oben gezogen werden. Muss man wissen.

In Fanö Bad stehen prächtige Villen im Bäderstil zwischen den Dünen und sind sehr schön anzusehen. Die Kinder haben mehr Augen für Sand-Bauwerke, bauen eine beeindruckende Pyramiden-Anlage, verzieren sie mit Muscheln und Strandgut. Die Nordsee ist wie erwartet kühl. Nichts für längeres Schwimmen. Ist für die Kleinen aber zum Erstaunen der Eltern gar nicht so schlimm. Am Nachmittag geht’s zum Waldspielplatz, der wirklich großartig ist. Den Nachwuchs kann man mit Schubkarren oder Bollerwagen dorthin transportieren, die Geräte sind aus Holz und von Künstlern gestaltet. Ein Fuchs bereichert den Privat-Zoo. Nach dem Spielspaß ein Spaziergang durch die Dünen zum Strand. Auf dem Rückweg beinahe verirrt, aber an den Dünen die Orientierung wieder gefunden. Die Kinder lernen: Dünen lügen nicht.

Zweiter Tag Wir kaufen Drachen, weil wir unsere zu Hause vergessen haben. Die Verkäufer sind wahnsinnig nett. Wie überhaupt alle Dänen scheinbar wahnsinnig nett sind. Das Drachensteigen ist eine Wucht, weil konstant kräftiger Wind weht. Wir kaufen noch Stirnbänder gegen den Wind. Dann fährt Papa ein paar schnelle Runden mit dem Auto im Sand. Die Kinder jubeln, die Frau nicht.

Nächster Einkauf. Bei genauerem Hinsehen erweist sich der Supermarkt zwar nicht als billig, aber als unerhört gut sortiert und extrem kinderfreundlich. Zwei Beispiele: Hackfleisch kann man mit verschiedenen Stufen Fettgehalt kaufen. Eier gibt es in Packungen zu vier, sechs, acht oder zehn Stück. So in Deutschland noch nicht gesehen. Und in der Obst-Abteilung hängt ein Körbchen, aus dem sich die Kinder kostenlos mit Äpfeln, Birnen, Bananen bedienen können. Es ist kein Gammelobst, und man versteht ein bisschen, wie diese zufriedenen Dänen ticken. In Deutschland hätten die Supermarkt-Betreiber wohl (berechtigte) Angst, dass sich die Kunden die Taschen mit Gratis-Obst voll machen. Die Dänen setzen auf Vertrauen. Es funktioniert. Und es reduziert nebenbei das Gequengel nach Süßigkeiten an der Kasse.

Das größte archäologische Freiluft-Projekt in Skandinavien

Dritter Tag Ein Tag auf dem Festland, Wikinger und Wattenmeer stehen auf dem Programm. Das Wikinger-Zentrum bei Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, ist das größte archäologische Freiluft-Projekt in Skandinavien. Der Führer sieht aus wie ein Wikinger, ist aber ein Archäologe. Er beschert den Kindern einen spaßigen und lehrreichen Aufenthalt. Sie üben Schwertkampf und Bogenschießen, schmieden Silbermünzen, besichtigen Hütten und schnitzen Pfeile. Am Ende sagt der Sohn: „Ich wusste gar nicht, dass die Wikinger vor allem Bauern und Händler waren.“ Also alles ein wenig anders als bei Wickie.

Nicht weit weg ist das nagelneue Wattenmeer-Zentrum, das 2017 eröffnet wurde und sowohl in Architektur (einem alten Reetdach-Haus nachempfunden) als auch in Museumspädagogik (digitale Installationen nebst Meerwasser-Becken) hohen Ansprüchen genügt, die Kinder aber nicht langweilt, weil sie viel machen können. Fein ist auch die Idee, die Geschichte des Wattenmeers (Unesco-Naturerbe) entlang der Zugvögel zu erzählen. Die Fähre nach Fanö geht immer pünktlich.

Vierter Tag Das musste passieren: Es regnet. Wir werfen im Wintergarten den Ofen an, machen in Regenklamotten einen Spaziergang. Danach dürfen die Kinder in den Whirlpool (Stromkosten gehen extra!) und zum ersten Mal in ihrem Leben in die Sauna. Gut, dass wir so ein luxuriöses Ferienhaus haben.

Idyllische Dörfer laden zu Erkundungstouren ein

Fünfter Tag Dänemark wie aus dem Bilderbuch, vor allem im Örtchen Sönderho im Süden, das 2011 zum schönsten Dorf Dänemarks gewählt worden ist. Spaziergang am Kanal, Besuch der Alten Mühle, Eis essen, wo wir zufällig den verrückten englischen Touristenführer Robert Peel treffen, der die Kinder zur Begrüßung mit einer Wasserpistole nass spritzt. Peel ist so verrückt, dass er nicht offiziell als Führer anerkannt wird. Wer aber zwei Stunden Spaß in Sönderho haben will, sollte sich ihm unbedingt anvertrauen.

Die alte Mühle erhebt sich über die flache Landschaft.
Bild: Holger Sabinsky-Wolf

Sechster Tag Es regnet morgens wieder. Und ein Gewitter steht über der Nordsee. Die Robben-Safari fällt aus. Enttäuschung. Die Kinder machen mit Mama allein Gesellschaftsspiele, denn Papa hat herausgefunden, dass der Robbenführer gleichzeitig auch der „Oyster King“, der Austernkönig von Fanö ist. Jesper Danneberg Voss ist ein extrem spannender Typ, gebürtiger Luxemburger, der lange und viel für die EU-Kommission gearbeitet hat. Dann wurde es ihm zu viel. Er zog nach Fanö und lernte, dass dort wild Austern der Sorte Sylter Royal wachsen, was aber auf Fanö kaum jemanden interessierte. Jesper begann, sie zu ernten. Heute bietet der Mann mit Wuschelmähne und Bart Führungen zu den Austernbänken an.

Abfahrt Dänemark zeigt nochmals alle Seiten. Die teure: Wenn man die Endreinigung des Ferienhauses nicht selbst machen will, greift man tief inden Geldbeutel: 155 Euro. Puh. Die liebenswerte: Auch die letzen Menschen, die wir treffen, Putzfrau, Verkäufer, Fährkapitän sind auf eine ganz natürliche Weise freundlich. Die wunderschöne: Herrliches Wetter, dieses tolle Licht, das schon früher so viele Maler nach Dänemark gelockt hat. Wir drehen noch eine Runde am Strand. Beim Warten auf die Fähre entdecken wir doch noch Robben. Sie sonnen sich auf einer Sandbank. Begeisterung.

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