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Bundesbank-Chef fordert große Rentenreformen – Verdi schießt dagegen: „Sie wollen die gesetzliche Rente fleddern“

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Bundesbank-Chef fordert Rentenreformen – Verdi schießt dagegen: „Sie wollen die gesetzliche Rente fleddern“

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    Bundesbankchef Joachim Nagel will, dass die Menschen in Deutschland länger arbeiten.
    Bundesbankchef Joachim Nagel will, dass die Menschen in Deutschland länger arbeiten. Foto: Kay Nietfeld, dpa (Archivbild)

    Länger arbeiten für die Rente? Bundesbank-Chef Joachim Nagel will das Rentenalter anheben. Doch seine Forderung sorgt für heftige Kritik von der Gewerkschaftsseite.

    Schon gewusst? In Deutschland wächst die Rentenangst. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen glaubt, dass die Rente in Deutschland nicht sicher ist.

    „Wir müssen länger arbeiten“: Bundesbank-Präsident Nagel will Rentenreform

    Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, fordert, dass die Menschen in Deutschland länger arbeiten. Im Gespräch mit Table.Briefings appelliert Nagel an die Bundesregierung, die Rentenversicherung zu reformieren, um den Wohlstand zu sichern, den die Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hätten.

    „Wir müssen uns ehrlich machen“, sagt Nagel. „Wir sind eine alternde Gesellschaft. Wir müssen länger arbeiten.“ Dabei gehe es nicht nur um Generationengerechtigkeit, sondern auch um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Man müsse den Menschen zutrauen, zu verstehen, wo die Herausforderungen liegen. „Wenn uns das nicht gelingt, wird Deutschland und Europa zurückfallen.“

    Übrigens: Reicht das Geld im Alter nicht aus, können Bedürftige Grundsicherung beantragen.

    „Sie wollen die gesetzliche Rente fleddern“: Verdi gegen Erhöhung des Renteneintrittsalters

    Joachim Nagels Vorstoß stößt vorwiegend bei den Gewerkschaften auf scharfe Kritik. Gegenüber Ippen.Media erklärt der Pressesprecher von Verdi: „Die gesetzliche Rentenversicherung hat seit ihrer Einführung in Deutschland 1891 viele Krisen überstanden. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie schlechtgeredet oder kaputtgemacht wird. Wer lange gearbeitet hat, muss sich darauf verlassen können, dass die Rente zum Leben reicht.“

    Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnt Verdi ab. Nagel stelle sich damit in eine Reihe mit der Arbeitgeberlobby, neoliberalen Wirtschaftsprofessoren und Teilen der Union, die versuchten, die gesetzliche Rentenversicherung gezielt waidwund zu schießen.

    „Sie wollen die gesetzliche Rente fleddern, sich aus der Verantwortung stehlen und die entstehende Versorgungslücke in Form von privater Vorsorge auf die Beschäftigten abwälzen“, erklärt der Verdi-Presssprecher gegenüber Ippen.Media weiter. „Und sie wollen vor allem ein höheres Renteneintrittsalter unter dem Stichwort ‚Generationengerechtigkeit‘“.

    Letztlich gehe es bei der Rentenfrage nicht um einen Konflikt zwischen Jung und Alt, sondern um Verteilungsfragen zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Arm und Reich. Eine Rente, die den Lebensstandard sichere, sei auch heute finanzierbar. „Wir werden diese Spaltung nicht zulassen.“

    Arbeiten die Menschen in Deutschland wirklich zu wenig?

    Mit seinen Forderungen legt Nagel nahe, die Menschen in Deutschland würden zu wenig arbeiten. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde im wiedervereinigten Deutschland noch nie so viel gearbeitet wie im Jahr 2023. Demnach leisteten abhängig Beschäftigte insgesamt rund 55 Milliarden Arbeitsstunden, etwa drei Milliarden mehr als 1991.

    Gleichzeitig ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in den vergangenen Jahrzehnten gesunken. Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich, doch der Grund ist simpel: Heute sind deutlich mehr Frauen erwerbstätig als früher. Ihre Erwerbsquote stieg laut DIW zwischen 1991 und 2022 um 16 Prozentpunkte auf 73 Prozent. Fast die Hälfte arbeitet jedoch in Teilzeit, da sie weiterhin mehr Zeit für Kinderbetreuung und Hausarbeit aufwendet als Männer, obwohl viele gern mehr arbeiten würden.

    Um dieses Potenzial besser zu nutzen, fordert das DIW unter anderem mehr Kita-Plätze, längere Elternzeiten für Väter sowie steuerliche Reformen.

    Gut zu wissen: Wer Rente bezieht, muss darauf noch Abgaben und Steuern zahlen. Die Doppelbesteuerung soll nun wegfallen. Allerdings sind nur bestimmte Personengruppen von der Doppelbesteuerung betroffen.

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