Für viele Menschen in Deutschland wird der Ruhestand zur finanziellen Herausforderung. Laut dem Statistischen Bundesamt sind 19,4 Prozent der Menschen über 65 Jahre armutsgefährdet. Mit dem Ende des Berufslebens entfällt auch das Einkommen, und die gesetzliche Rente reicht bei einigen Menschen nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Für viele Rentnerinnen und Rentner bedeutet das eine reale Gefahr der Altersarmut.
Das zeigt sich auch in den steigenden Zahlen bei den Empfängerinnen und Empfängern von Grundsicherung über 65 Jahre. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, erhielten im Dezember 2024 rund 739.000 Menschen in Deutschland die Grundsicherung im Alter – ein Anstieg um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Sorge vor der Rente beginnt oft lange vor dem Renteneintritt. Schon während des Berufslebens müssen sich viele Beschäftigte fragen, ob ihre spätere Rente überhaupt reichen wird – selbst dann, wenn sie in Vollzeit arbeiten. In Deutschland verdienen einem Bericht der Linken im Bundestag zufolge über neun Millionen Menschen so wenig, dass ihre spätere Rente voraussichtlich zu niedrig ausfallen wird. Doch ab welchem Gehalt müssen Beschäftigte befürchten, im Alter finanziell nicht ausreichend versorgt zu sein?
Ab welchem Gehalt ist die Rente zu niedrig?
Wer zu wenig verdient, muss im Alter mit einer mageren Rente rechnen – und das betrifft nicht wenige Menschen. Denn vom Gehalt hängt ab, wie viele Rentenpunkte, auch Entgeltpunkte genannt, man im Verlauf seines Berufslebens sammeln kann. Laut der Deutschen Rentenversicherung zeigen sie den individuellen Rentenanspruch. Wessen Einkommen dem Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer entspricht, bekommt genau einen Punkt. Für höhere oder niedrigere Einkommen werden entsprechend mehr oder weniger Punkte gutgeschrieben. Am Ende aller Arbeitsjahre ergibt sich daraus die individuelle Rente: je mehr Punkte, desto höher die Rente. Für das Jahr 2026 wurde das vorläufige Durchschnittsentgelt laut der Deutschen Rentenversicherung auf 51.944 Euro brutto im Jahr festgesetzt. Wer also weniger verdient, kann 2026 keinen vollen Rentenpunkt bekommen.
Laut dem Bericht der Linken verdienten 2024 rund 9,2 Millionen Vollzeitbeschäftigte weniger als 3500 Euro brutto im Monat. Das entspricht etwa 40 Prozent aller Vollzeitkräfte. Die Hälfte von ihnen – also 4,6 Millionen Menschen – erhielt sogar weniger als 2750 Euro brutto monatlich. Dabei müsste man Berechnungen der Linken zufolge mindestens 3300 Euro brutto monatlich verdienen, um im Alter nicht armutsgefährdet zu sein. Millionen Beschäftigte in Deutschland liegen jedoch deutlich unter dieser Grenze.
Gehalt: Welche Branchen sind von Altersarmut bedroht?
„Fast die Hälfte aller arbeitenden Menschen wird spätestens zur Rente armutsgefährdet sein“, warnt die Sprecherin für Arbeitspolitik der Linken, Anne Zerr, in dem Bericht. Viele Beschäftigte würden schlicht zu wenig verdienen. Doch welche Branchen sind davon besonders betroffen?
Das Statistische Bundesamt hat im April 2024 die durchschnittlichen Verdienste nach Wirtschaftszweigen aufgelistet. Besonders Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus folgenden Bereichen müssen damit rechnen, im Alter eine zu geringe Rente zu erhalten:
- Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten
- Gastronomie
- Beherbergung
Vor allem Frauen sind überdurchschnittlich häufig von Altersarmut bedroht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gelten 21,8 Prozent der Seniorinnen als armutsgefährdet – bei Senioren liegt der Anteil bei etwa 15,4 Prozent. Grund dafür ist, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen und häufiger in Teilzeit arbeiten. Dadurch erwerben sie im Laufe ihres Berufslebens geringere Rentenansprüche und sind im Alter stärker von finanziellen Engpässen bedroht.
Was ist Armut?
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beschreibt Armut als die „Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen“. Dazu gehören etwa ausreichende Nahrung, sauberes Trinkwasser, ein Dach über dem Kopf, Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung sowie Sicherheit und eine menschenwürdige Arbeit. Wenn Menschen diese Voraussetzungen nicht erfüllen können, etwa infolge von Krisen, Naturkatastrophen oder familiären Schicksalsschlägen, geraten sie in Armut.
In Deutschland zeigt sich Armut jedoch meist in einer anderen Form. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts handelt es sich hier in der Regel um eine relative Armut: Sie beschreibt nicht das völlige Fehlen lebensnotwendiger Güter, sondern ein Einkommensniveau, das deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt. Es geht also weniger um eine Angst vor dem Existenzverlust.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren