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Wann ist ein IPTV-Stick illegal? Welche Strafen drohen und was Nutzer wissen müssen

Illegales Streaming

Wann ist ein IPTV-Stick illegal? Welche Strafen drohen und was Nutzer wissen müssen

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    Illegales Streaming über IPTV-Dienste, Apps und entsprechend eingerichtete Geräte hat sich in den vergangenen Jahren zu einer zentralen Form digitaler Piraterie entwickelt. Laut dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) ist Streaming inzwischen die häufigste Methode, um auf urheberrechtswidrig verbreitete Inhalte zuzugreifen. Auch globale Daten des britischen Analyseunternehmens MUSO zeigen den Wiederanstieg der Online-Piraterie. Nach Angaben des Unternehmens stieg die Zahl der weltweiten Besuche auf einschlägigen illegalen Websites von mehr als 130 Milliarden im Jahr 2020 auf 215 Milliarden im Jahr 2022.

    Illegale IPTV-Angebote sehen heute oft nicht mehr so aus wie klassische Piraterie-Seiten. Für Nutzerinnen und Nutzer ist unter Umständen nicht immer sofort ersichtlich, dass sie keinen legalen Streamingdienst buchen, sondern Zugang zu illegal bereitgestellten Inhalten kaufen.

    Wir haben mit Rechtsanwalt Christian Solmecke gesprochen, der Experte für Medien-, Internet- und IP-Recht ist und sich seit vielen Jahren mit den Themen Urheberrecht und illegales Streaming beschäftigt. Was sollten Nutzer prüfen, bevor sie ein IPTV-Abo abschließen? Welche rechtlichen Konsequenzen drohen Nutzern von illegalen IPTV-Sticks und ähnlichen Geräten? Hier finden Sie die Antworten auf diese und weitere Fragen.

    Fernsehen per Internet: Was bedeutet IPTV?

    IPTV steht für Internet Protocol Television, also die digitale Übertragung von Filmen oder Fernsehprogrammen über ein Datennetz, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt. Die Übertragung erfolgt dabei über ein geschlossenes, eigenständiges Breitband-Datennetz, meistens in Fernsehqualität oder besser. Anbieter wie MagentaTV, Waipu.tv oder Zattoo verwenden IPTV, um lineare TV-Sender über das Internet auf Fernseher, Smartphones und andere Geräte zu bringen. Sie unterscheiden sich damit von Streaming-Diensten wie Netflix oder Prime Video, die Inhalte on demand bereitstellen. Viele sogenannte IPTV-Sticks, etwa der Amazon Fire TV Stick oder vergleichbare Android-TV-Geräte, unterstützen trotzdem auch Netflix, Prime Video und andere Streaming-Dienste. Das liegt daran, dass diese Geräte keine reinen IPTV-Empfänger sind, sondern kleine Mediaplayer, auf denen sich Apps verschiedener Anbieter installieren lassen.

    IPTV ist eine ganz normale Übertragungstechnologie und als solche völlig legal. Die Frage nach der Legalität stellt sich erst auf der Anbieterseite: Besitzt der Anbieter die nötigen Rechte an den Inhalten, ist die Nutzung vollkommen unbedenklich.

    Woran erkennt man ein illegales IPTV-Angebot?

    Entscheidend ist nicht, ob ein Angebot über einen Fire TV Stick, eine Android-Box, eine App oder den Browser genutzt wird. Problematisch wird es dann, wenn darüber Pay-TV-Sender, Sportübertragungen, Filme oder Serien angeboten werden, für die der Anbieter keine Rechte besitzt. Auch ein professionell wirkender Internetauftritt bedeutet nicht automatisch, dass ein Angebot seriös oder legal ist.

    Grundsätzlich ist die Nutzung von IPTV-Sticks völlig legal. Woran erkennt man ein illegales Angebot? Wann macht man sich strafbar? Diese Fragen beantworten wir hier für Sie.
    Grundsätzlich ist die Nutzung von IPTV-Sticks völlig legal. Woran erkennt man ein illegales Angebot? Wann macht man sich strafbar? Diese Fragen beantworten wir hier für Sie. Foto: ภัทรชัย รัตนชัยวงค์ / stock.adobe.com

    Christian Solmecke erklärt es so: „Verbraucher erkennen illegale Angebote vor allem am Preis. Wenn das komplette Paket von Sky, DAZN, Netflix und Disney+ für einen Bruchteil des eigentlichen Preises angeboten wird, ist das unseriös. Fehlende Impressen, holpriges Deutsch auf der Website oder Bezahlmethoden, die stark auf Anonymität abzielen, sind weitere klare Warnsignale.“

    Nutzer sollten also besonders misstrauisch sein, wenn ein Anbieter mehrere eigentlich getrennte Premium-Angebote in einem Paket bündelt und dabei kaum nachvollziehbar macht, wer hinter dem Dienst steht.

    Welche rechtlichen Folgen drohen bei der Nutzung illegaler IPTV-Angebote?

    Lange hielt sich die Vorstellung, dass allein die Betreiber illegaler Streaming-Angebote ein rechtliches Risiko tragen. Das ist längst nicht mehr aktuell, wie uns Christian Solmecke erklärt: „Spätestens seit einem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2017 ist unmissverständlich geklärt: Wer wissentlich Streams aus einer offensichtlich rechtswidrigen Vorlage abruft, begeht eine Urheberrechtsverletzung. Das gilt für Websites im Browser ebenso wie für illegale IPTV-Sticks am Fernseher.“

    Auch Rechteinhaber richten ihre Maßnahmen nicht nur gegen die Betreiber illegaler Streaming-Dienste. Sky erklärt auf Anfrage, dass das Unternehmen regelmäßig in der DACH-Region strafrechtliche Schritte gegen solche Anbieter einleite. Die Maßnahmen können sich aber auch gegen Nutzer richten: „Sky stellt Strafanträge, wenn sich Personen rechtswidrig Zugang zu Premium-Inhalten verschaffen.“

    „Der bloße Besitz eines präparierten Sticks ist noch keine Straftat. Die aktive Nutzung zum Schauen illegaler Inhalte hingegen stellt eine klare Urheberrechtsverletzung dar“, erklärt Christian Solmecke. Die zu erwartenden Strafen seien nicht so hoch wie beim Filesharing, weil Nutzer die Inhalte nur konsumieren und nicht wie in klassischen Tauschbörsen auch automatisch weiterverbreiten. Der Streitwert und die Abmahnkosten fallen daher in der Regel geringer aus.

    Das bedeute jedoch nicht, dass die Nutzung illegaler IPTV-Sticks folgenlos bleibe: „Wer über illegale Sticks auf kostenpflichtige Inhalte zugreift, muss mit Schadensersatzforderungen der jeweiligen Rechteinhaber rechnen. Zudem kommen die Anwaltskosten für die Abmahnung auf den Nutzer zu. Da können schnell Beträge im mittleren bis hohen dreistelligen Bereich zusammenkommen.“

    Mit strafrechtlichen Konsequenzen müssen Nutzer in den meisten Fällen nicht rechnen, erklärt Solmecke: „Bei normalen Nutzern stehen meist zivilrechtliche Abmahnungen im Vordergrund. Die Rechteinhaber fordern Schadensersatz und die Abgabe einer Unterlassungserklärung. Strafrechtliche Ermittlungen gegen reine Konsumenten sind nach dem Urheberrechtsgesetz zwar möglich, werden in der Praxis aber wegen Geringfügigkeit oder mangelndem öffentlichen Interesse oft eingestellt. Das Hauptrisiko für den Nutzer bleibt das Zivilrecht.“

    Illegales Streaming über IPTV-Angebote: Wie groß ist der Schaden?

    Durch die illegale Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte entstehen den Rechteinhabern jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments verwies 2023 auf Schätzungen, wonach legalen Anbietern allein durch illegal gestreamte Live-Übertragungen jährlich rund 3,4 Milliarden Euro an Einnahmen entgehen. IPTV-Kriminalität umfasst aber weit mehr als Live-Sport: Auch Filme, Serien und ganze Senderpakete werden illegal verbreitet. Laut EUIPO generieren illegale IPTV-Angebote in der EU Einnahmen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr, obwohl die Preise weit unter denen legaler Angebote liegen. Der tatsächliche Schaden für die Rechteinhaber dürfte daher deutlich höher ausfallen.

    Auch bei Sky sieht man illegale Streaming-Angebote nicht nur als Problem einzelner Rechteinhaber, sondern als Belastung für die gesamte Branche. Auf Anfrage erklärt der TV- und Streaming-Anbieter: „Grundsätzlich gilt: Piraterie ist für die gesamte Kreativbranche eine große Herausforderung. Die schädlichen Auswirkungen illegaler Streaming-Angebote auf die Kreativwirtschaft sind erheblich – von weniger Spielraum für Investitionen über entgangene Steuereinnahmen bis hin zum Verlust von Arbeitsplätzen. Eines muss klar sein: Illegales Streaming ist kein „opferloses“ Delikt, es schadet letztlich jedem.“

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