Wenn man sich im evangelischen Kindergarten Günzburg so umschaut, ist hier nicht nur die ganze Welt schon längst zu Hause –, sondern auch die ganze Galaxis. Über dem großen, runden Teppich, gleich im Eingangsbereich, ist das komplette Sonnensystem aufgehängt. Dass die Einrichtung mit den zwei Kindergarten- und der Krippengruppe jetzt Eine-Welt-Kita ist, wie es ein Schild gleich am Eingang stolz verrät, scheint da nur eine logische Konsequenz zu sein. So sieht es auch Martina Dittmayer, die Leiterin der Einrichtung: „Die Kinder leben und tragen das Thema ganz selbstverständlich aus“, sagte sie bei der kleinen Feier, mit der die Kita ihr neues Zertifikat in Empfang nahm.
Weltkarten, Globen und Bücher gehören zur Grundausstattung
Darum geht es bei der Eine-Welt-Kita
Das Eine Welt Netzwerk Bayern mit Sitz in Augsburg vergibt seit 2017 das Zertifikat „Eine-Welt-Kita“. Bislang sind sieben Einrichtungen in Bayern damit ausgezeichnet worden, der evangelische Kindergarten Günzburg ist die zweite Einrichtung in Schwaben.
Das Ziel, das sich das Netzwerk dafür gesetzt hat: entsprechende Themen beziehungsweise globales Lernen als Bildungskonzept in bayerischen Kindergärten und Kindertageseinrichtungen stärker zu verankern sowie pädagogische Fachkräfte bei dieser Aufgabe zu unterstützen.
Zu den Voraussetzungen für das Zertifikat zählt, dass die Einrichtung die pädagogischen Grundsätze der „Eine Welt-Kita in der Einrichtungskonzeption verbindlich verankert und diese als Orientierung für die pädagogische Arbeit gelten. Außerdem müssen in der Kita mindestens zwei Produkte aus fairem Handel verwendet werden, Lern- und Bildungsmaterial muss den Eine-Welt-Gedanken widerspiegeln. (rjk)
Der Anstoß zur Bewerbung sei aus dem Elternbeirat gekommen – und im Team seien sofort alle Feuer und Flamme dafür gewesen. Immerhin passiert im Kindergarten schon eine ganze Menge, um den Eine-Welt-Gedanken zu unterstützen, wie Carmen Rehm vom Eine Welt Netzwerk Bayern aus der Bewerbung zitierte. Nicht nur fair gehandelter Kaffee, Schokolade, Bananen und Blumen werden genutzt – die Kinder befassen sich auch mit großer Begeisterung mit Weltkarten, Globen und Büchern, die zeigen, wie groß und vielfältig die Welt eigentlich ist. Gemüse und Obst werden gemeinsam im Garten angebaut, beim Basteln aus Müll das Thema Upcycling besprochen.
Eltern erzählen aus ihren Herkunftsländern
Und auch die Zulieferer wählt der Kindergarten sorgfältig aus – hier spielt Nachhaltigkeit, Regionalität, aber auch Inklusion eine entscheidende Rolle. Nicht zuletzt sind es die Eltern der Kinder – 21 Nationen sind nach Angaben von Stadträtin Ursula Seitz im Kindergarten vertreten – die mit Geschichten aus ihren Herkunftsländern und Vorlesetexten in ihren Muttersprachen die große Welt in die kleine Welt des Kindergartens bringen. Pfarrer Friedrich Martin sieht den Effekt: „Ich erlebe bei den Kindern interkulturelles Lernen.“ Auch er freut sich über das Konzept und die Auszeichnung der kirchlichen Einrichtung.
Der evangelische Kindergarten freut sich zwar über sein derzeitiges Alleinstellungsmerkmal, das er als einer von zwei Einrichtungen in Schwaben und von sieben in Bayern mit dem Zertifikat als „Eine-Welt-Kita“ hat. Martina Dittmayer denkt aber schon einen Schritt weiter: „Es wäre schön, wenn weitere Einrichtungen folgen werden. Wir hoffen, dass wir damit für unsere Welt etwas Gutes tun.“
Etwas Gutes gab es zur Feier des Tages natürlich auch für die Kindergartenkinder, die bewundernswert konzentriert der Feier gelauscht hatten, die sie mit zwei Liedern bereicherten: Stadträtin Ursula Seitz brachte einen aufblasbaren Globus mit detaillierter Weltkarte mit, von Thomas Wolf von der Lenkungsgruppe der Fairen Stadt gab es fair hergestellte Bälle, faire Schokolade für die Kinder – und auch eine Packung fairen Kaffee für die Erzieherinnen.