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Burtenbach: Raunächte: Die Kraft von Rauch und Kräutern

Burtenbach

Raunächte: Die Kraft von Rauch und Kräutern

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    Kräuterpädagoge André Heichel aus Burtenbach gibt nicht nur Seminare zu Wildkräutern oder führt durch heimische Fluren. Er ist auch passionierter Sammler von Weihrauch und besitzt eine umfangreiche Sammlung weltweit vorkommender Baumharze.
    Kräuterpädagoge André Heichel aus Burtenbach gibt nicht nur Seminare zu Wildkräutern oder führt durch heimische Fluren. Er ist auch passionierter Sammler von Weihrauch und besitzt eine umfangreiche Sammlung weltweit vorkommender Baumharze.

    Wie macht er das? Es dauert nur Sekunden, bis man sich bei André Heichel zuhause schon wohl und willkommen fühlt. Das Geheimnis verrät der Kräuterpädagoge aus Burtenbach wenig später in der Kräuterküche seines Hauses: Es ist die Mischung „Schutz und Segen“, die auf dem Räucherstövchen liegt, getrocknete Kräuter, Blüten und Hölzer, die auf dem erwärmten Metallsieb ihren Zauber verbreiten. „

    Gegen Gerüche kann man sich nicht wehren, sie wirken innerhalb von Sekunden“, erklärt Heichel. Es ist ein Teil der Faszination, die für den Burtenbacher hinter dem Räuchern liegt. Und dann ist da noch so viel mehr.

    Manche zieht der Duft des Weihrauchs magisch an

    Wenn er mit seinen „wilden Kräutern“ in der Vorweihnachtszeit auf Weihnachtsmärkten wie dem seiner Heimatgemeinde steht, fallen die Reaktionen ganz unterschiedlich aus. Manche fühlen sich magisch angezogen vom Duft des Weihrauchs, der über der Räucherkohle dampft. „Vor allem Männer machen aber oft einen großen Bogen, weil sie den Weihrauchgeruch aus der Kirche kennen und schlechte Erfahrungen damit gemacht haben.“

    So funktioniert das Räuchern

    Das Räuchern mit Kohle ist die traditionelle Methode, die in den Raunächten angewandt wird. Für eine Hausreinigung entsteht dabei eine Menge Rauch. André Heichel empfiehlt dafür eine mit Sand gefüllte Schale aus Keramik oder Messing, dazu Räucherkohle und eine Zange oder einen Löffel für das Räucherwerk.

    Die Räucherkohletablette wird dazu angezündet – an kleinen sprühenden Funken ist erkennbar, dass der Selbstzündemechanismus sich in Gang setzt. „Falls es nicht gleich klappt, die Kohle über eine Kerze halten“, empfiehlt der Profi. Nach etwa fünf Minuten, wenn sich eine grau-weiße Ascheschicht gebildet hat, kann das Räucherwerk mit einer Zange oder einem kleinen Löffel aufgelegt werden.

    Die verglimmten Reste sollte man mit der Zange von der Kohle schieben und wenn erforderlich neues Räucherwerk auflegen. „Bleiben verglimmte Reste auf der Kohle, kommt es zu unangenehm verbrannter Geruchsbildung“, erklärt André Heichel.

    Die Brenndauer der Kohle beträgt etwa eine Stunde, den Rest sollte man unter Aufsicht im Gefäß vollständig verglühen lassen. Unvollständig verglühte Kohle darf nie im Abfall entsorgt werden.

    Wer das Räuchern als Aromatherapie einsetzt, kann alternativ ein Räucherstövchen mit einem Metallsieb benutzen. Das Räucherwerk wird darauf mit einem Teelicht sanft erwärmt, anstatt zu verglühen duften die Kräuter, Harze und Hölzer darauf sanft.

    Das Harz, das in den katholischen Pfarrgemeinden bei Gottesdiensten zum Einsatz kommt, verursacht bei manchen Menschen Unwohlsein, und Geschichten über Ministranten, die während der Messe umgekippt sind, gibt es in jeder Pfarrei. Der Kirchenweihrauch stammt in der Regel zwar nicht vollständig aus der ersten, minderwertigen Ernte der Bäume, wird aber meist kostengünstig damit gemischt. Die sehr hellen, fast weißen Harztropfen der letzten Ernte, Wochen später gewonnen, sind nicht nur größer, sondern auch um ein vielfaches teurer – ihr Duft beim Räuchern weit angenehmer und bekömmlicher.

    Für das Räuchern in den Raunächten wird klassischerweise Kohle benutzt. Im Hintergrund ein Stövchen, auf dem über einem Teelicht als Wärmequelle das Räucherwerk auf einem Sieb sanft erhitzt wird.
    Für das Räuchern in den Raunächten wird klassischerweise Kohle benutzt. Im Hintergrund ein Stövchen, auf dem über einem Teelicht als Wärmequelle das Räucherwerk auf einem Sieb sanft erhitzt wird. Foto: Bernhard Weizenegger

    Dabei ist Weihrauch nicht gleich Weihrauch, sagt André Heichel. Er muss es wissen: Über die Jahre hat er eine Sammlung aufgebaut, die alle Sorten Weihrauch umfasst, welche es auf der Welt gibt. Darunter auch solche, die inzwischen gar nicht mehr geerntet werden.

    So wird Weihrauch geerntet

    Wie Weihrauch geerntet wird, hat sich der Kräuterpädagoge dieses Jahr selbst angeschaut: Im Oman durfte er selbst zum Manquf, dem traditionellen Messer, greifen, mit dem die Rinde des Baumes vorsichtig angeschnitten wird. „Dabei ist entscheidend, dass man nicht zu tief schneidet – sonst verblutet der Baum und stirbt.“ In Höhlen werden die geernteten Harztropfen dann auf Tüchern zum vollständigen Trocknen ausgelegt und dann sortiert.

    Daheim in Schwaben hat André Heichel auch schon Harz beispielsweise von Fichten geerntet – immer dann, wenn durch Holzeinschlag Bäume verletzt werden, lässt sich das ausgelaufene und getrocknete Harz sammeln. „Es wirkt keimtötend und desinfizierend“, beschreibt Heichel die Wirkung.

    Aromen wie beim Wein

    Der pure Geruch sei allerdings zumindest am Anfang eher fragwürdig, gibt der Fachmann zu. Kein Vergleich mit den zarten Noten, von denen er bei den Schmuckstücken seiner Weihrauchsammlung schwärmt: Vom Hojari zum Beispiel, dem hochwertigsten, grünen Weihrauch, der nur in besonders trockenen Jahren entsteht. Aromen wie beim Wein kommen dabei hervor, Heichel spricht von „Nelke im Abgang“.

    Welche Rituale und Mythen es in den Raunächten gibt

    Orakeln: Noch heute versuchen wir beim Bleigießen an Silvester in die Zukunft zu blicken. Früher glaubten die Menschen, dass die Ereignisse in den Raunächten Auskunft über die kommenden zwölf Monate geben.

    Tiere: Angeblich sprechen die Stalltiere in manchen Raunächten. Die Legende sagt jedoch: Wer sie hört, stirbt unmittelbar danach.

    Heirat: Ledige Frauen können um Mitternacht an einem Kreuzweg ihren künftigen Bräutigam sehen, hieß es im 19. Jahrhundert. Ihn anzusprechen oder ihm nachzuschauen, bedeutete aber den Tod.

    Unordnung: Einer Legende zufolge stehlen die Reiter der wilden Jagd die Wäsche von der Leine und benutzen sie im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer.

    Böllern: Raketen und Böller gehören zu Silvester. Was kaum noch einer weiß: Damit sollten früher die bösen Geister vertrieben werden.

    Räuchern: Je nach Tradition benutzen die Menschen Weihrauch oder auch Kräuter, um Haus und Hof aus-zuräuchern. Durch die Segnung glaubte man, Geister und Dämonen abwehren zu können und somit vor Unglück bewahrt zu werden. (chi)

    Neben den Harzen haben – gerade beim Räuchern in den Raunächten zwischen den Jahren – auch Kräuter eine große Bedeutung. Der zarte Geruch vom Räucherstövchen ist dabei aber nicht das Mittel der Wahl – hier muss Kohle her, damit der Rauch sich im ganzen Haus entfalten kann, rät André Heichel.

    Das Haus wird gereinigt

    Denn der Brauch in der dunklen Winterzeit ist nicht nur ein Ritual – „es ging dabei darum, das Haus zu reinigen“. Wie auch zu Zeiten der Pest wurden in den Wintermonaten Kräuter und Hölzer verbrannt, um Keime abzutöten. „Außerdem kamen Schwellenkräuter dazu, die eine Verbindung zu den Ahnen herstellen.“

    Heimische Pflanzen wie der Beifuß zum Beispiel, der Wärme in den Körper bringt, aber auch Holz, Nadeln oder Beeren vom Wacholder. „Alant, die man auch kleine Sonnenblume nennt, gehört auch mit dazu, meist die Wurzel.

    Der Burtenbacher André Heichel kennt die Heilkraft vieler Kräuter.
    Der Burtenbacher André Heichel kennt die Heilkraft vieler Kräuter. Foto: Bernhard Weizenegger

    Sie soll in der dunklen Jahreszeit das Licht repräsentieren“, erklärt Heichel. Manche geben zudem noch ein wenig schützende und segnende Blüten wie Rosen oder Lavendel mit hinzu- Der Kräuterfachmann rät allerdings, in den Raunächten zunächst mit den klassischen reinigenden Kräutern zu räuchern. Die Fenster bleiben dabei geschlossen, erst später wird gelüftet.

    „Danach mache ich meistens auch noch eine zweite Räucherung mit ,Schutz und Segen’“, erklärt der Fachmann. Also mit jener Mischung, die bereits zu Beginn des Besuchs der GZ die Kräuterküche erfüllte. Ein Geruch, der sofort für ein gutes Gefühl sorgt – und auf ein friedliches neues Jahr hoffen lässt.

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