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Energiewende: Murren über Seehofer

Energiewende

Murren über Seehofer

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    Auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände in Leipheim läuft die Planung für den Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (auf dem Foto die Anlage in Hamm-Uentrop). CSU-Ehrenkreisvorsitzender Hans Berkmüller sieht das Projekt durch die neuesten Ideen des Ministerpräsidenten Horst Seehofer gefährdet.
    Auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände in Leipheim läuft die Planung für den Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (auf dem Foto die Anlage in Hamm-Uentrop). CSU-Ehrenkreisvorsitzender Hans Berkmüller sieht das Projekt durch die neuesten Ideen des Ministerpräsidenten Horst Seehofer gefährdet.

    Konzenberg/Landkreis Es ist zunächst eine unspektakuläre Kreisvertreterversammlung der CSU. Etwa 90 Christsoziale warten am Donnerstagabend im Gasthaus Holzinger in Konzenberg auf den Kreisvorsitzenden Alfred Sauter. Der Landtagsabgeordnete verspätet sich, weil die Unterführung bei Scheppach nach dem Platzregen mit Wasser vollgelaufen ist. Das Positions-Papier zur Stärkung des ländlichen Raums, das die Delegierten verabschieden (siehe weiteren Bericht), ist kein Aufreger. Es wird ohne Emotionen diskutiert. Doch plötzlich reitet der CSU-Ehrenkreisvorsitzende Hans Berkmüller eine Attacke gegen Horst Seehofer. Der Burgauer ärgert sich „über den neuen Einfall“ des CSU-Parteichefs, der ihm wohl in der Nacht gekommen sei. Der bayerische Ministerpräsident, so Berkmüller, habe sich offensichtlich von seinem Standpunkt distanziert, den Atomausstieg in Bayern mit dem Bau von fünf Gaskraftwerken zu bewältigen. „Jetzt setzt er auf Tausende Biogasanlagen mit Gülle und Mist“, schimpft Berkmüller: „Das wäre das Ende des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Leipheim.“

    Bisher hatte Seehofer verlauten lassen, dass bei der Energiewende zur Sicherung der Stromversorgung bis zu fünf neue Gaskraftwerke notwendig seien. Nach jüngsten Aussagen könnten es nun nur zwei werden. Ein landesweites Netz kleiner Biogasanlagen, in denen Gülle und andere Reste aus der Landwirtschaft zu Strom werden, könne die Versorgungslücke schließen, hieß es. Berkmüller bringt Seehofers Wende auf die Palme. „Da kann er in der Nacht nicht schlafen, und am Morgen werden diese Ideen in die Öffentlichkeit rausgeblasen und die Leute verunsichert“, sagt der CSU-Ehrenkreisvorsitzende gegenüber der GZ.

    Alfred Sauter ist bei der Kreisvertreterversammlung bemüht, das Murren über Seehofer sofort zu besänftigen. Als Vertrauter des Ministerpräsidenten will der 61-Jährige offensichtlich einen Flurschaden vermeiden, der durch eine harsche Kritik am CSU-Parteichef hervorgerufen werden könnte. Die Errichtung eines landesweiten Netzes kleiner Biogasanlagen sei ein Ansatz, über den man diskutieren könne. Große Gaskraftwerke, die bei der Sicherung der Grundlast auf zu wenig Betriebsstunden kommen, könnten ohne staatliche Subventionen nicht gebaut werden. Er sehe im Kreis auch noch keine ausreichend große Anzahl an Windrädern stehen, sagt Sauter und fügt hinzu: „Wir haben uns vom Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Leipheim noch nicht verabschiedet.“ Der Landkreis Günzburg biete sich als Standort für solche Kraftwerke an, hatte Seehofer voriges Jahr in einem GZ-Interview gesagt.

    Da hakt Gundremmingens 2. Bürgermeister Alfred Herrmann nach. Gundremmingen mit seinem Atomkraftwerk sei der beste Standort für ein neues Kraftwerk. Sauter entgegnet, der RWE-Konzern habe deutlich gesagt, dass der Bau eines GuD wirtschaftlich uninteressant sei. Wenn es eine Förderung gebe, werden die großen Energieversorger aber beim Bau der Gaskraftwerke nicht außen vor bleiben, glaubt Sauter. Josef Schmalberger kritisiert die Eile beim Atomausstieg. „Das war unüberlegt von Seehofer“, sagt er. Fünf oder zehn Jahre mehr Zeit für die Energiewende seien notwendig. Sauter hält es für falsch, den Atomausstieg infrage zu stellen. Mit solch einem Antrag hätte der CSU-Kreisverband keinen Erfolg auf überregionaler Ebene.

    Nach etwa zehn Minuten ist das Thema „Die CSU und die Energiewende“ bei der Versammlung in Konzenberg beendet. Bei Landrat Hubert Hafner wirkt der neue Vorstoß Seehofers aber auch noch am gestrigen Freitag nach. „Ich bin nicht amüsiert“, gesteht der 59-Jährige auf Anfrage. Biogasanlagen seien im Übrigen auch nicht bei allen Bürgern beliebt. Hafner sorgt sich sehr, dass das Leipheimer Gaskraftwerk für den Papierkorb geplant werden könnte. Ohne staatliche Förderung werde es nicht gehen. „Es sollte bald Klarheit her“, fordert der Landrat. „Und die Standpunkte sollten sich auch nicht ständig ändern“, sagt Hafner, ohne den Namen Seehofer zu nennen.

    In Kürze hat der Landrat Gelegenheit, diese Fragen mit dem CSU-Vorsitzenden zu besprechen. Ende Juli kommt Horst Seehofer zu einem Besuch in den Landkreis.

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