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Geistliche Musik: Klatschen oder Nichtklatschen? Das war hier die Frage

Geistliche Musik

Klatschen oder Nichtklatschen? Das war hier die Frage

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    Weihnachtskonzert in der Ichenhauser Stadtpfarrkirche mit Johanna Spengler-Haug, Thomas Seitz und dem Kirchenchor Kissendorf.
    Weihnachtskonzert in der Ichenhauser Stadtpfarrkirche mit Johanna Spengler-Haug, Thomas Seitz und dem Kirchenchor Kissendorf. Foto: Foto: Helmut Kircher

    Ichenhausen Einer der Großen deutscher Musikgeschichte, der Komponist, Pianist und Musiktheoretiker Robert Schumann, sprach: „Auf dass die Seele sich verschönere, gab uns der Himmel Musik“. Und bezüglich Beifallsbekundungen? Wird man bei ihm auch fündig: „Es kann einem nichts Schlimmeres passieren, als von einem Halunken gelobt zu werden“. So weit Robert Schumann.

    Ichenhausens Pfarrer Georg Oblinger äußerte sich, diesen Komplex betreffend, bei der Begrüßung zum Weihnachtskonzert in der Stadtpfarrkirche St. Johannes nur in einem einzigen Satz. Er freue sich, sagte er, über den großen Publikumszuspruch, trotz „negativer Berichterstattung“. Wobei sich, so galt es alsbald festzustellen, das „Negative“ von seiner durchaus positiven Seite zeigte: keinerlei Beifall während der gesamten Dauer des Konzertes in der nahezu voll besetzten Kirche.

    Der Musikfreund nimmt es mit Freude zur Kenntnis: Offensichtlich hat es sich – zumindest weitgehend – herumgesprochen, dass es, wie auch bei vielen weltlichen Konzerten, auch bei Veranstaltungen kirchenmusikalischer Art grundsätzlich zum guten Ton gehört, den musikalisch zusammenhängenden emotionalen Ablauf und damit die subtil mitschwingende Klangpoesie, nicht rigoros zu zerklatschen. Wäre auch zu schade gewesen, wenn der aus instrumentaler und vokaler Weihnachtsliteratur schöpfende Atem in seinem harmonischen Zusammenhang, in seiner wohltuenden Besinnlichkeit ständig unterbrochen worden wäre: Das erfrischende Selbstbewusstsein, mit dem der Kirchenchor Kissendorf – unter Leitung von Johanna Spengler-Haug – Martin Luthers „Vom Himmel hoch“, Michael Praetorius’ „Singt und klingt“, oder Max Regers „Schlaf mein Kindlein“ in einfühlsamer Schlichtheit in den kirchlichen Raum stellte.

    Naturtrompete ohne Ventile

    Das befreite Dahinfließen in Buxtehudes „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, mit dem die Chorleiterin ihre Fähigkeiten an der Orgel demonstrierte und, zusammen mit dem Ausnahmetrompeter Thomas Seitz, einen Melismen perlenden, figurationsreichen und in weihevolle Tiefe ausstrahlenden orgel-trompeterischen Raumklangdialog zelebrierte. Konzertanter Höhepunkt: Thomas Seitz mit seinem instrumentalen Neuzugang, einer enorm schwierig zu spielenden Naturtrompete (ohne Ventile) wie sie zu Zeiten des Barocks verwendet wurde, und deren warmen, gedämpft wirkenden Klang er in Domenico Gabriellis „Allegro in C“ auf altbarocke Weise, in zauberhaft betörenden Tonarabesken und technischer Brillanz, neu zu beleben vermochte. Zum Abschluss des Konzertes, so stand es im Programm geschrieben, ein gemeinschaftliches „O du fröhliche“ mit anschließendem „feierlichen Glockengeläut“. In das sich dann schließlich doch noch das „Brot des Künstlers“, also spontaner – oder ertrotzter? – Applaus mischte. Absolut angemessen. Noch besser, er hätte erst nach dem Geläut und dann lang anhaltender, stattgefunden. Wäre der besinnlich feierlichen Stimmung sicher noch dienlicher gewesen. Aber egal.

    Für ihn sei das leidige Thema „Klatschen“ abgehakt, äußerte sich der Stadtpfarrer im persönlichen Gespräch, er habe und werde dazu nichts mehr sagen.

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