Leipheim Beinahe gefriert der Atem, so kalt ist es in der meterhohen Halle des Gebäudes 361. Und jedes Mal, wenn der eisige Januarwind über die einstige Start- und Landebahn fegt und auf die Eisentore der Halle trifft, hallt das Donnern der schweren Türen noch ein bisschen nach. Nicht auszuschließen, dass all dies den Machern des Leipheimer Fliegerhorstmuseums entgegenkommt. Seit drei Jahren tragen sie Relikte eines lebendigen Fliegerhorstgeländes hier her: Erinnerungen an den Flugzeugbau ebenso wie militärisches Trainingsgerät oder Kriegsgegenstände.
Gleich hinter den donnernden Toren der kleineren Halle ist ein hölzerner Erste-Hilfe-Kasten aus den Jahren 1939 bis 1945 zu sehen. Rechts daneben steht eine schwarz lackierte Bordkanone von 1943, nicht weit entfernt liegen Stahlhelme auf ein Regal gereiht. Bei all den Waffen und Fliegerbomben, die hier zusammengetragen wurden, sagt Manfred Fiedler vom Verein des Fliegerhorstmuseums: „Es ist alles entmilitarisiert.“ Als er eine der Waffen umdreht, wird deutlich, was er damit meint: Geschosse lassen sich damit nicht mehr abfeuern. Das Innenleben fehlt.
Manfred Fiedler weiß, wovon er spricht. Das merkt nicht nur der Laie schnell, sondern auch Martin Mayer. Er ist ebenfalls Mitglied des Vereins Fliegerhorstmuseum. „Der Manfred Fiedler ist schon unser Hauptmonteur“, sagt Martin Mayer. Von Anfang an sei das so gewesen, weil Manfred Fiedler im Geschwader gearbeitet hatte, als der Fliegerhorst noch als Militärstützpunkt funktionierte.
Gegen Ende dieser Ära habe der heutige Vereinsvorsitzende Roland Remp schon angefangen, Ausstellungsstücke für ein späteres Fliegerhorstmuseum zu sammeln, erzählen die beiden. Heute hat der Verein etwa 55 Mitglieder, die im süddeutschen Raum leben, wie Martin Mayer berichtet. „Es geht uns wirklich darum, hier den Leuten etwas zu bieten, die an Geschichte interessiert sind“, erklärt er. Der Verein habe kein Interesse an rechtem Gedankengut.
Der erste serienreife Düsenjäger der Welt
Dass der Fliegerhorst in Leipheim ein wichtiges Stück Geschichte ist, steht für den Verein außer Frage. Hier ist einmal der erste serienmäßig produzierte Düsenjäger der Welt geflogen – die Messerschmitt Me 262. Die Erinnerung soll erhalten bleiben. „Wenn Sie in den USA den Namen Leipheim sagen, dann kennen die den da“, sagt Martin Mayer begeistert. Inzwischen ist er in der großen Halle des Gebäudes 361 angelangt.
Sein Vereinskollege Manfred Fiedler hat den Kopf längst in eines der Flugzeuge gesteckt, die hier stehen: Er erklärt gerade das Cockpit einer Fiat G91 aus den 60er Jahren, als sein Vereinskollege auf Bell UH1D zeigt – „Die fliegen heute noch“, sagt er über den Hubschrauber. Weiter hinten in der Halle lagern Gerüstteile. Warum die Vereinsmitglieder beim Anblick dieser Konstruktionen ins Schwärmen geraten, erklärt sich so: Die meterlangen Stahlgerüste waren in den letzten Kriegstagen Teile von riesengroßen Segelflugzeugen – von 55 Metern Spannweite ist die Rede.
Was alles noch so im Boden des Fliegerhorstgeländes schlummert, mag einigen schlaflose Nächte bereiten, das Fliegerhorstmuseum hat es schon weiter gebracht.
Unter anderem ist ein Riedelanlasser aus dem Zweiten Weltkrieg aus der Erde geholt worden, mit dem eine Turbine angetrieben wurde. Eine rostige, etwas durchlöcherte Abdeckung wurde auch schon gefunden. Auf dem Hallenboden sind noch mehr rotbraune Metallteile sortiert. „Steuersäulen und Motorenträger“, erklärt Martin Mayer. Nach und nach kam einiges Sehenswertes zusammen.
Der Verein würde sich wünschen, dass er all die kleinen und großen Schätze eines Tages der Öffentlichkeit so präsentieren kann, wie es in einem regulär arbeitenden Museum der Fall wäre: mit Öffnungszeiten, Führungen und dergleichen – und zwar im Gebäude 361. Doch das ist Zukunftsmusik. Die Halle, in der sich die Sammlerstücke befinden, steht auf Zweckverbandsgebiet und die Vereinsmitglieder wissen nicht, wie es weitergeht.
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