Es hat nicht viel gefehlt und ein Routineeinsatz wäre für einen 28-jährigen Polizeibeamten aus Günzburg tödlich ausgegangen. Der Polizeiobermeister wollte Mitte November auf der Günzburger Osttangente den Fahrer eines Lastwagens befragen, nachdem dieser offenbar eine rote Ampel überfahren hatte.
In dem Moment, als sich Polizist und Fahrer im Bereich des Lkw-Führerhauses befanden, krachte ein entgegenkommender Sattelzug gegen die offene Tür des Brummis und schlug diese gegen den Polizeibeamten. Der 28-Jährige wurde gegen den Lkw geschleudert. Er erlitt so schwere Verletzungen, dass er bis heute dienstunfähig ist.
„Ein Arzt sagte, wenn er nicht seine Schutzweste angehabt hätte, hätte es ihm durch die Wucht des Aufpralls ein paar Wirbel abgeschlagen“, berichtet der Leiter der Polizeiinspektion Günzburg, Ernst Maguhn. Da der Kollege zu seiner Mannschaft gehört, ermittelt eine andere, eine „neutrale“ Dienststelle in dem Fall: die Autobahnpolizei Günzburg.
Schon einmal endete bei Günzburg ein Routineeinsatz tödlich
Ihrem Leiter Werner Schedel schießen schlimme Gedanken in den Kopf, wenn er von solchen Vorfällen erfährt. Am 27. Februar 2006, ein Rosenmontag, kam der 34-jährige Polizeibeamte Helmut Göppel bei einem Einsatz auf der Autobahn zwischen Burgau und Günzburg ums Leben. Auch damals ging es um einen Routineeinsatz: Der Polizeihauptmeister der Burgauer Inspektion, der mit seinem Kollegen der Autobahnpolizei aushalf, wollte ein Pannenfahrzeug absichern. Dabei erfasste ihn ein Lastwagen. Für den Polizisten kam jede Hilfe zu spät. Im November desselben Jahres verurteilte das Amtsgericht Günzburg den Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.
Stellvertretender Inspektionsleiter in Burgau war damals eben jener Werner Schedel, der heute Chef der Autobahnpolizei Günzburg ist. „Ich bin froh und glücklich, wenn ich jedes Jahr an Weihnachten zu meinen Kollegen sagen kann, dass alle unversehrt von ihren Einsätzen zurückgekommen sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, so Schedel.
Wie schnell es gehen kann, haben der 28-jährige Polizeiobermeister und sein 47-jähriger Streifenkollege gesehen. Am 13. November standen sie kurz vor 4 Uhr morgens mit ihrem Streifenwagen vor dem Mühlwegtunnel auf der Günzburger Osttangente (B16). Dieser war zu dieser Zeit wegen Sanierungsarbeiten nur halbseitig befahrbar. Als die Baustellenampel auf Grün schaltete und die Streife losfuhr, kam ihr plötzlich ein Lkw entgegen. „Die beiden entschlossen sich, den Fahrer zu befragen, ob er das Rotlicht missachtet hatte“, berichtet Schedel.
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fahrer
Die Polizisten hielten den Lkw an. Als der Fahrer im gesperrten Bereich auf die Fahrbahn getreten war, um seine Papiere zu zeigen, krachte ein entgegenkommender Sattelzug einer Spedition aus dem Alb-Donau-Kreis gegen die geöffnete Tür. Diese schlug zurück und erfasste den Beamten. Der Polizist erlitt schwere Prellungen, Blutergüsse und leichte Wirbelverletzungen. Schedel: „Der andere Beamte und der Lkw-Fahrer standen ein kleines Stück außerhalb des Schwenkbereichs der Tür, sonst wären sie auch getroffen worden.“
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 64-jährigen Fahrer des Sattelzuges wegen fahrlässiger Körperverletzung.