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Wettenhausen

28.01.2021

Hebamme aus Wettenhausen entwirft App für werdende Eltern

Amrei Sophia Kirmaier (links) und ihre Mutter Martina Langer-Kirmaier haben gemeinsam die App „Preparents“ entworfen. Sie soll Eltern, die wegen des Hebammenmangels keine Betreuung finden, bei der Geburtsvorbereitung und in den ersten Wochen nach der Geburt helfen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Weil immer mehr Schwangere unter dem Mangel an Hebammen leiden, hat eine Hebamme eine App entworfen, auf der Kurse zum Thema Schwangerschaft gebucht werden können

Bereits seit Jahren ist bekannt, dass sich immer weniger junge Menschen für den Beruf der Hebamme entscheiden. Mit schlimmen Folgen: Denn viele werdende Mütter finden somit keine Hebammen mehr für die Geburtsvorbereitung, die Geburt und das Wochenbett. Und das, obwohl gesetzlich krankenversicherten Frauen eigentlich genau das rechtlich zugesichert wird.

Hohe Haftpflichtprämie und lange Haftungspflicht machen Hebammenberuf unbeliebt

Martina Langer-Kirmaier aus Wettenhausen weiß, wie schwierig die Lage für Schwangere ist und hat die App „Preparents“ ins Leben gerufen, die Abhilfe schaffen soll. Die 56-Jährige hat selbst fast 30 Jahre als Hebamme gearbeitet, ist zudem gelernte PTA (Pharmazeutisch-Technische Assistentin) und Heilpraktikerin, und weiß um die hohe Belastung in diesem Beruf. Ein großes Problem sieht sie vor allem in der hohen Haftpflichtprämie.

„Im Jahr 2003 habe ich 400 Euro für die Haftpflicht gezahlt. Um das wieder reinzubekommen, musste ich etwa eine Geburt betreuen.“ Inzwischen ist das ganz anders. Zwischen 15 und 20 Geburten müssen freiberufliche Hebammen inzwischen betreuen, bevor sie überhaupt etwas verdienen. Dazu komme die lange Haftungspflicht von 30 Jahren – einer der Gründe, warum Langer-Kirmaier gerade jetzt im Corona-Jahr nicht als Hebamme arbeiten wolle.

Martina Langer-Kirmaier wollte ihre Erfahrungen mit werdenden Eltern teilen

Inzwischen führt sie eine Heilpraktikerpraxis in Hawangen (Landkreis Unterallgäu), als Hebamme ist sie gerade nicht aktiv. Trotzdem wird sie immer noch von Frauen angerufen, die ihren Namen von Freunden oder Bekannten bekommen haben und verzweifelt auf der Suche nach einer Hebamme sind. „Und wenn da 50 oder 60 Frauen anrufen und fast anfangen zu weinen, weil sie niemanden finden, das macht etwas mit einem.“ Und sie fasste den Entschluss, ihr Wissen mit den werdenden Müttern und Vätern zu teilen.

Zunächst wollte sie das Ganze nur aufschreiben und als Buch veröffentlichen. Doch ihre 25-jährige Tochter Amrei Sophia Kirmaier schlug stattdessen eine App vor. Die ersten Videos für die App nahmen Mutter und Tochter in der Weihnachtszeit 2019 auf. Tochter Amrei, die an der Hochschule in Neu-Ulm Information Management studiert hat und dort auch aktuell eine Halbtagsstelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin hat, kann sich dank ihrer Erfahrung um die technischen Einzelheiten kümmern, während ihre Mutter Martina Langer-Kirmaier für die Inhalte zuständig ist.

Die App bietet sowohl kostenfreie als auch kostenpflichtige Inhalte an

Mit einer Lehrpuppe zeigt Langer-Kirmaier, wie mit einem Neugeborenen umzugehen ist, dazu gibt es alle wichtigen Informationen rund um die Geburt und das Wochenbett. Im ersten Lockdown im Frühjahr starteten sie gemeinsam die neue App „Preparents“. Dort gibt es kostenlose Elemente wie etwa eine Packliste für die Tasche, die man für die Geburt dabei hat, sowie Literaturtipps für Eltern. Und auch eine Beratung, was man im Voraus für das Baby kaufen sollte, sind dabei. „Werdende Eltern kaufen ohne eine Beratung meist zu viele Sachen, die sie dann nicht brauchen. Auch die Stoffe der Babykleidung sind nicht immer optimal für das Kind, das kann man ohne Hilfe nicht wissen.“ Trotz dieser kostenfreien Angebote war es für sie wichtig, dass es auf der App keine Werbung gibt.

Als kostenpflichtige Angebote gibt es aktuell einen Videokurs zur Geburtsvorbereitung und einen Elternkurs für je 49,99 Euro. Nach dem Kauf stehen die Inhalte für zwölf Monate zur Verfügung und können beliebig oft abgerufen werden. „So arbeiten Hebammen ja grundsätzlich: Wir zeigen den Eltern, wie sie sich selbst helfen können“, erklärt Langer-Kirmaier. Sie könne sich gut vorstellen, wie belastend es für frisch gebackene Eltern sei, ratlos vor einem schreienden Kind zu stehen. „Solche Notfälle passieren ja meistens am Wochenende, wenn man nicht mal eben einen Kinderarzt anrufen kann.“ Mit der App sei es für Eltern leichter abschätzbar, was normal ist und was nicht. Auch für Kolleginnen gibt sie jetzt Webinare, also Kurse im Internet, in denen sie die App vorstellt, was diese wiederum bei ihrer Arbeit ergänzend unterstütze.

Mutter und Tochter wollen die App bekannter machen

Aktuell arbeiten die beiden Gründerinnen daran, eine CE-Zertifizierung für ihre App zu bekommen. Doch das ist teuer und bei Krankenkassen, die einen Teil der Kosten übernehmen könnten, sei wegen der Pandemie aktuell kein Termin zu bekommen. Ein ähnliches Problem ergab sich bereits kurz nach der Gründung der App im ersten Lockdown: Denn da das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits gegründet worden war, bekamen Langer-Kirmaier und ihre Tochter im Nachhinein keine staatliche Unterstützung mehr. Darum suchen die beiden noch immer nach Unterstützern.

Ende 2020 durften sie ihre App virtuell an der Hochschule in Neu-Ulm vorstellen und belegten dort den ersten Platz bei dem Start-up-Wettbewerb „The Triangle“ in der Kategorie Health. Und auch 2021 stehen bereits Termine auf dem Plan, um die App bekannter zu machen. Dazu kommt die regelmäßige Arbeit, die Martina Langer-Kirmaier und Amrei Sophia in ihr Unternehmen stecken. Denn das Angebot soll stetig erweitert werden, zudem wünscht sich Langer-Kirmaier, dass es die App irgendwann auch auf Englisch und Spanisch gibt. „Ich war schon in Peru und weiß, dass ein solches Angebot dort dringend gebraucht wird.“ Sie sei sehr froh, dass sie ihre Erfahrungen auf diese Art weitergeben und besonders in diesem schweren Jahr jungen Familien helfen könne. Denn, wie es schon im Slogan von „Preparents“ heißt: Familien verdienen einen glücklichen Start.

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