Dürrlauingen Damit die Windkraft bei den Bürgern nicht einen Sturm der Entrüstung auslöst, hatte der Gemeinderat Dürrlauingen beschlossen, die Bürger in den Planungs- und Entscheidungsprozess um die Ausweisung von Vorranggebieten auf der Gemarkungsfläche sowie bei einer möglichen Erstellung von Windkraftanlagen durch einen Investor einzubinden. Erster Schritt war eine öffentliche Informationsveranstaltung am Mittwoch.
Als Moderator hatte die Gemeinde eine neutrale Persönlichkeit verpflichtet: den Diplom-Psychologen Artur Geis. Er forderte die knapp 300 Besucher auf, die Diskussion mit aktivem Zuhören, einem freundlichen Ton, inhaltlicher Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt zu führen – was auch weitgehend akzeptiert wurde.
Der Direktor des Regionalverbandes Donau-Iller, der Geologe Markus Riethe, erläuterte die rechtlichen Grundlagen, die Aufgaben des Regionalverbandes und das Prozedere in der Umsetzung der Planungen zur Windkraftnutzung.
Riethe informierte die Zuhörer, dass der Regionalverband die hoheitliche Aufgabe habe, Standorte für regional bedeutsame Windkraftanlagen in der Region auszuweisen. Derzeit seien mögliche Flächen für 450 Windkraftanlagen ausgemacht worden. Nach den Vorgaben der Staatsregierung zur Energiewende sollen zehn Prozent der Energie mit Wind erzeugt werden. Dazu seien mindestens 220 Anlagen notwendig. Der Bund habe der Windkraftanlage die gleiche Privilegierung zuerkannt wie der Landwirtschaft und erlaube damit den Bau von Anlagen in Außenbereichen ohne die sonst üblichen restriktiven Auflagen. Mit dem Regionalplan Windenergie soll ein wildes Wachstum aber vermieden werden, so Riethe weiter.
Bewertet der Regionalverband eine Fläche als geeignet für Windkraftanlagen – und das werde aufgrund einer genau festgelegten Kriterienliste ermittelt – ist es nach Angaben von Riethe für die Kommune nur bedingt möglich, den Bau einer Anlage zu verhindern. Riethe versicherte aber, dass der Regionalverband die von den Kommunen vorgebrachten Wünsche, soweit sie den rechtlichen Vorgaben entsprechen, zu respektieren versuche.
Dürrlauingens Bürgermeister Edgar Ilg informierte, dass der Gemeinderat versuche, mithilfe eines seit Längerem in der Diskussion stehenden Baugebietes, die Grenze der Vorrangfläche entsprechend weiter von der Bebauung fernzuhalten. Ein Genehmigungsverfahren werde durch die Ausweisung von Vorrangflächen aber nicht ersetzt.
Gegner bekamen das Wort
In der nachfolgenden Diskussion meldeten sich vor allem die Skeptiker und Gegner von Windkraftanlagen zu Wort. So konnten auch einige Missverständnisse geklärt werden: So ist es nicht die Gemeinde, die Vorrangflächen ausweist oder Gutachten in Auftrag gibt. Bürgermeister Ilg erläuterte dazu: Der Gemeinderat habe eine Windmessung beschlossen, um die Vorinformationen des Regionalverbandes zu verifizieren, nach denen das Gebiet als für Windenergieanlagen tauglich gilt. Die Entscheidung wurde in öffentlicher Sitzung getroffen.
Ein weiterer Punkt, der während der Diskussion klargestellt wurde: Im Rahmen der informellen Anhörung könne nicht nur die Gemeinde Einfluss nehmen, da im späteren offiziellen Anhörungsverfahren jeder seine Einwände geltend machen kann. Die Berücksichtigung durch den Regionalverband sei, so dessen Direktor, juristisch klar geregelt. Der Vorschlag, sogleich Gutachten erstellen zu lassen und damit einen kritischeren Umgang mit der Windenergie zu pflegen, verfehlte sein Ziel, da für Gutachten konkrete Daten vorliegen müssen. Solche werden aber erst bei einem Bauantrag erstellt.
Den Vorwurf, die Gemeinde handle, ohne die Bürger zu informieren, wies Bürgermeister Ilg zurück. Schließlich habe man schon diese Informationsveranstaltung organisiert. Der Bürgermeister nahm die Idee des Moderators auf, künftig in kleineren Kreisen weiter zu diskutieren und bot insbesondere den Gegnern der Windkraft an, mit ihm im Gespräch zu bleiben. Die Gemeinde stehe auch in engem Kontakt mit den Nachbarorten. Es habe sogar eine interkommunale Gemeinderatssitzung gegeben, zu der unter anderem der Bürgermeister aus Aislingen geladen war, dessen Ortsteil Baumgarten in Nachbarschaft zu Dürrlauingen liegt.