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Kötz: Fachkräftemangel herrscht auch im Kötzer Rathaus

Kötz

Fachkräftemangel herrscht auch im Kötzer Rathaus

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    Wenn gebaut wird wie hier im Zuge des Glasfaserausbaus in Kleinkötz, haben Bürger oft auch Fragen an das Bauamt im Rathaus. In Kötz herrscht dort eklatanter Fachkräftemangel. Das gehe auf Kosten des Dienstleistungsgedankens und der Bürgerfreundlichkeit, sagt Bürgermeisterin Sabine Ertle.
    Wenn gebaut wird wie hier im Zuge des Glasfaserausbaus in Kleinkötz, haben Bürger oft auch Fragen an das Bauamt im Rathaus. In Kötz herrscht dort eklatanter Fachkräftemangel. Das gehe auf Kosten des Dienstleistungsgedankens und der Bürgerfreundlichkeit, sagt Bürgermeisterin Sabine Ertle. Foto: Irmgard Lorenz

    Zwei Stellen im Bauamt hatte die Verwaltungsgemeinschaft Kötz im September und Oktober ausgeschrieben. Die Resonanz war mehr als verhalten. Für die Position eines Technischen Mitarbeiters oder einer Technischen Mitarbeiterin im Bauamt, gesucht wird ein Diplom-Ingenieur, Master oder Bachelor im Bauingenieurwesen oder ein Bautechniker, kam keine einzige Bewerbung im Rathaus an.

    Auf die Stellenausschreibung für eine Sachbearbeiterin oder einen Sachbearbeiter im Kötzer Bauamt sei "wenig" gekommen, sagt Bürgermeisterin Sabine Ertle. Derzeit ist das Bauamt mit einer Sachbearbeiterin in Teilzeit besetzt, die an drei Vormittagen pro Woche im Büro ist. Damit könne man wenigstens die Bauanträge der Bürgerinnen und Bürger zeitnah bearbeiten, sagt Ertle, mehr sei nicht möglich: "Momentan stockt die Verwaltung."

    Bürgermeisterin und Mitarbeitenden in Kötz fehlt Zeit, um alles abzuarbeiten

    Im Bauamt anfallende Arbeiten, die dringend erledigt werden müssen, werden auf alle Mitarbeitenden verteilt, auch die Bürgermeisterin übernimmt, was ihr möglich ist. Dem sind aber Grenzen gesetzt. Weder die Rathauschefin noch die Mitarbeitenden können in größerem Umfang fachfremde Aufgaben übernehmen, dafür fehlen ihnen die Zeit und auch die fachspezifischen Kenntnisse. "Technik kann von uns niemand", sagt Bürgermeisterin Ertle.

    Aktuell gebe es viele Anrufe von Bürgern zum Glasfaserausbau, weil die Bautrupps gerade wieder im Ort unterwegs sind. Ob Anrufer vom Bauamt eine rechtssichere Auskunft beispielsweise über den Kanalanschluss bei einer Baumaßnahme brauchen, eine Bordsteinabsenkung am Gehweg wünschen oder sich über klappernde Kanaldeckel beschweren wollen - immer sieht Sabine Ertle die Verwaltung als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Zur Zeit aber brauche es oft mehrere Anrufe, bis die gewünschte Information zu bekommen ist, die Bearbeitungszeit der Anliegen verlängert sich. "Das baut Frust auf beim Bürger", sagt sie.

    Infrastruktur von Kötz baut wegen Fachkräftemangel Rückstände auf

    Die Bürgermeisterin sieht eine weitere negative Folge des Fachkräftemangels, den die Kötzerinnen und Kötzer nicht ganz so unmittelbar spüren. In der Infrastruktur baue man wegen der fehlenden Arbeitskräfte Rückstände auf, sagt Ertle. Gerade im Hinblick auf die Infrastruktur mit Straßen, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung könne man derzeit nur den Bestand halten, "da sind wir noch nicht in der Weiterentwicklung." Als Beispiel nennt sie auch den Anschluss der Gemeinde Kötz an den Wasserversorgungsverband Rauher Berg. Damit habe man in der Vergangenheit gute Zeichen gesetzt, aber jetzt stocke die Entwicklung auch hier. Ähnliches gelte beim Abwasser. In Kleinkötz sind die Kanäle befahren worden, die Ergebnisse müssten jetzt ausgewertet und dann abgearbeitet werden. Auch beim Hochwasserschutz mache sich der Personalmangel bemerkbar.

    Als großes Glück sieht Sabine Ertle, dass Bauhofleiter Martin Reidinger derzeit die Verwaltung unterstützt, soweit es eben möglich ist. "Er macht alles, was draußen zu tun ist", sagt sie, "aber er ist Straßenmeister, kein Ingenieur." Dank Reidingers Engagement könne die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen, darüber sei sie sehr froh. Ebenso froh ist die Kötzer Bürgermeisterin über die Unterstützung durch den Gemeinderat, der "das Desaster" erkannt und den Bauhof gestärkt habe.

    Gemeinde Kötz steht finanziell gut da

    In diesem Zusammenhang spricht Sabine Ertle auch das Organisationsgutachten von 2015 an, auf dessen Empfehlung hin in der Verwaltungsgemeinschaft Kötz die Kämmerei und die Geschäftsstellenleitung als getrennte Bereiche etabliert worden sind. Das habe sich bestens bewährt, sagt sie. Die erfreuliche finanzielle Situation der Gemeinde sei nicht zuletzt auch der Tatsache zu verdanken, dass die Kämmerin sich jetzt intensiv um die Gemeindefinanzen kümmern könne: "Diese Personalentscheidung hat die Gemeinde nach vorne gebracht." Eine weitere Konsequenz des Organisationsgutachtens von 2015 war die Schaffung der Stelle eines Technikers im Bauamt, dessen Kompetenz und Arbeitskraft seit dem Weggang des bisherigen Stelleninhabers im Frühsommer fehlen.

    Im Sektor Datenverarbeitung seien ebenfalls keine Fachkräfte zu bekommen, sagt Ertle, auch ihre Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen seien "aufgerührt". Im EDV-Bereich habe man beispielsweise mit der Gründung des Zweckverbands Digitale Schule gemeindeübergreifende Synergieeffekte erzielen können. Aber das sei erstens ein langer Weg gewesen und zweitens keine Abhilfe für den Fachkräftemangel im Bauamt, denn "diese Aufgaben müssen vor Ort abgearbeitet werden."

    Die Suche nach Arbeitskräften im Bauamt aufgeben will Sabine Ertle nicht, auch wenn ihr klar ist, dass die Verwaltungsgemeinschaft Kötz beim Werben um Fachkräfte praktisch überall Konkurrenz hat. "Der Staatsanzeiger war wieder voll mit Stellenausschreibungen", sagt sie. Wie viele andere Kommunen auch, wirbt Kötz mit den Vorteilen im Öffentlichen Dienst, geregelten Arbeitszeiten und einem wohnortnahen Arbeitsplatz. "Ich hoffe, dass wir doch noch jemanden finden, der Lust hat, bei uns zu arbeiten", sagt die Bürgermeisterin, "das Team ist motiviert und alle ziehen mit."

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