So ein kostenloses Wohnquartier ist schon eine schöne Sache: Familie Schmitt nutzt das optimal aus, während die eigentlichen Besitzer des Domizils gleichen Namens im sonnigen Süden überwintern.
Als Ehepaar Schmitt II aber überraschend zurückkommt, wird es kompliziert. Kein Wunder, dass es in der neuen Komödie der Theaterfreunde Günzburg–Kötz dann drunter und drüber geht. Das Publikum spendete den Akteuren bei der Premiere im Hochwanger Musikheim jedenfalls reichlich Szenen- und Schlussapplaus.
Ausweichbühne hat sich etabliert
Seit vier Jahren nutzen die Theaterfreunde die Ausweichbühne für ihre Vorstellungen, weil das Kötzer Pfarrheim nicht mehr zur Verfügung stand. „Wir wurden vom Musikverein gut aufgenommen“, sagt Jutta Härtel, die für Regie und Maske zuständig ist. Früher wurde in der Günztalhalle gespielt, aber dort sei die Atmosphäre für Theateraufführungen nicht so schön.
Bereits kurz nach der Faschingssaison beginnt für die Regie die Suche nach einem geeigneten Stück. Bei zahlreichen Leseproben weiß Härtel bald, wer von den acht Spielern für welche Rolle geeignet ist. Übrigens: Nahezu drei Viertel aller Akteure im Alter von Mitte 20 bis Mitte 50 sind auch beim Kötzer Narrenclub (KNC) aktiv und so gleich doppelt beansprucht. Die anderen Akteure kommen aus Günzburg. Außer der Premiere am vergangenen Freitag haben die Theaterfreunde das Stück noch zweimal am Sonntag im praktisch ausverkauften Musikheim gespielt.
Neuling Philipp Hutter
Das Laienensemble, darunter mit Philipp Hutter ein Neuling, bot mit der Komödie in drei Akten bei der Premiere zweieinhalb Stunden vergnüglichen Bühnenspaß.
Familie Schmitt I mit Mutter Sabine (Bettina Sauter), Vater Stefan (Roland Briegel) und Tochter Susanne (Lisa Hieber) haben sich in der Wohnung von Ehepaar Schmitt II einquartiert, während dieses weit weg in ihrer Ferienwohnung urlaubt. Die praktische Unterkunft hat jedoch ihre Tücken, wie sich schnell herausstellen sollte. Das Frühstück muss schnell abgebrochen werden, zum Leidwesen der spät aufstehenden Tochter, die in eine Truhe verbannt wird, als Nachbarin Trautlinde (Karin Kiesling) auftaucht, um nach dem Rechten zu sehen.
Kostenlose Unterkunft
Das Geschirr landet in einer Kommode, die Eltern müssen sich in den Schrank verkriechen. „Irgendwann erwischt sie uns“, warnt Susanne. Alles sei präzise geplant, gibt Vater Stefan Entwarnung. Die kostenlose Unterkunft ist äußerst praktisch, weil er gerade keinen Job hat. Als er zum Arbeitsamt muss, kann Susanne endlich ihren Freund Peter (Philipp Hutter) einladen. Doch stattdessen steht plötzlich der penetrante Staubsauger-Vertreter Manfred Müller (Steffen Briegel) vor der Tür, der unbedingt seinen „Vapoblas Gnom“ präsentieren will, der aber nicht funktioniert.
So richtig kompliziert wird’s für die Dauermieter, als ihre Namensvetter verfrüht aus dem Süden zurückkommen, denn Friedericke Schmitt (Gerlinde Dürr) hat sich den Fuß verknackst – aber nur zum Schein. In Wirklichkeit hatte sie Heimweh.
Höchst merkwürdig
Irgendwas kommt ihr und Ehemann Franz (Markus Mader) in der Wohnung höchst merkwürdig vor, auf dem Fußboden liegt Dreck, den Staubsauger-Vertreter Müller verstreut hat. Als der wieder auftaucht und seinen „Vapoblas“ wieder haben will, schlagen ihn Stefan und Sabine nieder. Sie müssen ihr Schrankversteck verlassen und verstecken dort den Staubsauger-Mann.
Den Höhepunkt erlebt das Komödien-Chaos im längeren dritten Akt. Die bedauernswerte Trautlinde wird von Franz Schmitt wegen der Unordnung in der Wohnung zur Sau gemacht, Stefan mit Sabine müssen sich auf den Balkon flüchten. Als Franz schließlich auch noch Susanne im Schlafzimmer und den niedergeschlagenen Staubsauger-Mann im Schrank entdeckt, und die auf dem Balkon vor Kälte ohnmächtig gewordene Sabine gerettet wird, stöhnt Franz: „Wär’ ich doch lieber im Süden geblieben.“