Gemeinsam ist man weniger allein: Nach diesem Prinzip wird beispielsweise unter Landwirten agiert, wenn sie sich in Maschinen- und Betriebshilfsringen (MR) zusammenschließen. Sich ein Gerät von einem anderen Bauern zu leihen, das man selbst zu selten auf dem Acker einsetzt, ist viel wirtschaftlicher, als eines zu kaufen. Und nicht selten sind Maschinen so teuer, dass es einer allein gar nicht vermag, eine solche Apparatur zu erwerben. Auch dann machen Landwirte beispielsweise über den Maschinenring gemeinsame Sache. Die Abrechnungen über geliehene Geräte oder die zur Verfügung gestellte Arbeitskraft können ebenfalls über die Organisation laufen. Vor über 60 Jahren wurde die erste ihrer Art im bayerischen Buchhofen von Erich Geiersberger gegründet.
Der solidarische Gedanke spielte eine Rolle für ein weiteres Standbein: für eine Landwirtschaft nämlich Betriebs- und Haushaltshilfen zu organisieren, wenn durch Krankheit, Unfall oder Todesfall eine wichtige Arbeitskraft plötzlich ausfällt – und damit auf einen Schlag die Existenz eines Hofes gefährdet sein kann.
Mindestens 75 Prozent der Mitglieder müssen zustimmen
Doch die Mitgliederzahlen der Maschinenringe schrumpfen, was mit dem anhaltenden Strukturwandel in der Landwirtschaft zu tun hat. Längst ist der 1971 gegründete Maschinenring Günzburg nicht mehr ausschließlich im Bereich des Altlandkreises tätig. Krumbach ist schon bald dazugekommen – und im Laufe der Jahre auch der Landkreis Neu-Ulm. Doch damit ist die „Fusionitis“ noch nicht zu Ende. Geplant ist nun, mit dem Unterallgäuer Maschinenring zu verschmelzen. Eine Zustimmung für dieses Vorhaben ist von den Günzburgern und Neu-Ulmern dann erteilt, wenn während der Jahreshauptversammlung diesen Freitagabend in der Kötztalhalle im Ichenhauser Stadtteil Rieden mindestens drei Viertel der anwesenden Mitglieder dies auch befürworten. MR-Geschäftsführer Harald Plersch hat keinen begründeten Zweifel daran, dass dies so geschehen wird.
Es sei eine Reaktion auf eine notwendige Veränderung, um betriebswirtschaftlich effizienter handeln zu können. Und es ist Plersch zufolge auch die Vorwegnahme einer voranschreitendenden Konzentration in der Landwirtschaft mit deutlich weniger, aber dafür auch größeren Betrieben. Eine gut ein Jahr alte Studie der DZ-Bank kommt zu folgendem Ergebnis für Deutschland: „Bis 2040 dürfte die Zahl der Betriebe von derzeit 275000 auf rund 100000 sinken. Bei einer weitgehend unveränderten landwirtschaftlichen Gesamtnutzfläche in Deutschland steigt die durchschnittliche Betriebsgröße von 60,5 auf circa 160 Hektar. Gleichzeitig dürften sich die festen Arbeitsplätze im Sektor auf 325000 halbieren. Angetrieben von veränderten Ernährungsgewohnheiten und Umweltschutzbemühungen gewinnt die Öko-Landwirtschaft an Bedeutung. Selbst wenn sich der aktuell starke Zuwachs an Bio-Höfen abschwächt, dürften die Öko-Bauern bis 2040 auf rund 45000 zunehmen und der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen von derzeit zehn Prozent auf etwa ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands wachsen.“
Abkehr vom Familienbetrieb
Nach der Untersuchung droht langfristig „die Abkehr vom Jahrhunderte alten Modell des bäuerlichen Familienbetriebs, den selbstständige Bauern, kleine Betriebseinheiten und mithelfende Familienangehörige kennzeichnen. Künftig prägen immer stärker zwar inhabergeführte, aber große, kapitalintensive und betriebswirtschaftlich organisierte Agrarunternehmen die Branche.“
Offensichtlich sind die Landwirte immer weniger mit ihrer Situation zufrieden. Plersch nennt das jüngste Volksbegehren „Rettet die Bienen“ als Beispiel. Für das Insektensterben sei der Sündenbock ja bereits gefunden. Früher habe der Schwerpunkt auf der Produktion gelegen. „Nicht selten wird durch gestiegene Anforderungen und zusätzliche Vorschriften der Eindruck erweckt, dass jetzt die Dokumentation im Fokus steht.“ Alles sei aufwendiger geworden.
Natürlich sei es schade und es betrübe ihn, wenn landwirtschaftliche Betriebe von der Landkarte verschwänden, sagt der Maschinenring-Geschäftsführer. Für ihn ist das aus den genannten Gründen allerdings auch nachvollziehbar.
Wenn es um die Betriebsnachfolge geht, dann fragen jetzt auch unter den Bauern die geburtenstarken Jahrgänge, die ins Rentenalter kommen, danach. Das verstärkt aus Plerschs Sicht den Strukturwandel noch. „Und ihm müssen auch wir uns stellen.“
Aktuell gibt es im MR Günzburg–Neu-Ulm 1456 Mitglieder. Noch vor 15 Jahren seien es rund 17 Prozent mehr gewesen.
Der Trend ist nicht regional begrenzt
Der Trend sei nicht nur auf diese Region begrenzt. Harald Plersch berichtet von einst über 90 Maschinenringen im Freistaat. Jetzt seien es nur noch knapp 70, Tendenz weiter rückläufig. Im vergangenen Jahr seien die Organisationen Donauwörth und Donau-Ries zusammengegangen, 2019 sind es neben der angekündigten Verschmelzung von Günzburg–Neu-Ulm und Unterallgäu auch Aichach und Friedberg.
Dass die sechs Voll- und Teilzeitkräfte im hiesigen MR nach der vorbereiteten Fusion nicht weiterbeschäftigt werden können, glaubt Plersch nicht. Die Ansprüche und Aufgabe der Maschinenringe seien stark gewachsen. Ein Beispiel, das er nennt, ist die Zahl der gestiegenen Anfragen von Düngeberatungen.
Beide Geschäftsstellen sollen erhalten werden
Die Zusammenarbeit der beiden MR wurde in der Vergangenheit bereits aufgebaut. Mit der Verschmelzung wird eine langfristige Stabilisierung und Existenzsicherung im sich verändernden landwirtschaftlichen Anforderungsprofil der Betriebe angestrebt. Durch die Nutzung von Synergie- und Einspareffekten, der Spezialisierung von Mitarbeitern, dem Zusammenführen von Fach- und Spezialwissen und der Steigerung der Innovationsfähigkeit sollen künftig das Dienstleistungs- und Beratungsangebot und die Leistungsfähigkeit für die Mitgliedsbetriebe verbessert und ausgebaut, und sichere Arbeitsplätze für motivierte Arbeitnehmer geschaffen werden. Der geplante Erhalt beider Geschäftsstellen dient als Zeichen der Verbundenheit mit den Mitgliedsbetrieben in der jeweiligen Region. Der Nutzen soll für die Mitglieder durch Ansprechpartner vor Ort erhöht werden.