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Legoland
16.11.2020

Legolandchefin: "Seit der Eröffnung des Parks ist es noch nie so schlecht gelaufen"

Manuela Stone, Chefin von Legoland Deutschland, im seit dem 2. November geschlossenen Freizeitpark.
Foto: Bernhard Weizenegger

Die Freizeitpark-Leiterin Manuela Stone spricht über die Talfahrt im verflixten Corona-Jahr 2020. Und was sie trotz vieler Negativ-Entwicklungen als positiv erlebt hat. Ein Interview.

Frau Stone, ist 2020 coronabedingt das schlechteste Jahr für das Unternehmen seit Bestehen des Legolandes?

Manuela Stone: Das kann man zweifelsfrei so sagen. Seit der Eröffnung des Parks im Jahr 2002 ist es noch nie so schlecht gelaufen. Unsere Möglichkeiten waren wegen der Corona-Pandemie auch entsprechend begrenzt. Wir konnten erst zwei Monate später als ursprünglich geplant in die Saison starten. Dann waren logischerweise die Besucherkapazitäten beschränkt.

In welcher Spannweite?

Stone: Unser Konzept bestand, was die Anzahl der Gäste anbelangt, aus vier Phasen. Und die lagen zu Beginn der später angelaufenen Saison bei 25 Prozent. Das heißt, es durfte höchstens ein Viertel der maximalen Anzahl an Tagesbesuchern, die wir vor Corona hatten, in den Park. Zuletzt lag das Erlaubte bei über 50 Prozent. Es gab aber nur wenige Tage, an denen wir in die Nähe dieser Prozentmarke gekommen sind.

Weder in den Oster- noch in den Herbstferien geöffnet

Kam noch etwas hinzu, das Ihnen nicht in die Karten gespielt hat?

Stone: Ja. Wir wollten bis Ende November verlängern, um ein wenig Boden gegenüber dem Frühjahr gut zu machen. Aber dann beschloss die Politik den Teil-Lockdown und die Pläne waren hinfällig. So gab es in diesem Jahr weder die Oster- noch die Herbstferien, an denen wir unsere Gäste hätten begrüßen können.

Die Menschen in der Region haben in der Vergangenheit gerne die Zeit nach der Parkschließung genutzt. Denn sie wussten um das kulinarische Winterprogramm im Feriendorf.

Stone: Hier kann ich dieses Jahr leider keine Hoffnung machen. In der Pandemie ist es nicht möglich, etwas Derartiges zu organisieren.

Und was bedeutet das alles für Ihre Besucherzahlen?

Auf dem höchsten Gipfel - und danach im tiefsten Tal

Stone: Dass wir vom Rekordjahr 2019 ins allerdings negative Rekordjahr 2020 gerutscht sind. Vergangenes Jahr hatten wir 1,88 Millionen Gäste im Legoland Deutschland. Das ist ein extrem schönes Ergebnis. Dieses Jahr sind wir auf knapp über 40 Prozent gekommen – auf etwa 760.000 Personen. Bei unserer Zielgruppe sind dies Familien mit Kindern. Im Feriendorf waren wir mit der Zahl der Übernachtungen fast an der Hälfte von denen des Vorjahres. In den Jahren vor Corona kamen zwischen 34 und 40 Prozent derjenigen, die hier übernachteten, aus Deutschland. 2020 ist der Anteil der Gäste aus Deutschland auf 70 Prozent gestiegen. Nicht verändert hat sich das Verhältnis zwischen inländischen und ausländischen Besuchern im Park selbst. Um die 80 Prozent beträgt der Anteil der deutschen Gäste.

Das bedeutet doch – siehe Übernachtungsgäste 2020 – dass es in Deutschland nach wie vor Potenzial gibt.

Stone: Das sehe ich auch so. Jeder, der dieses Jahr aufgrund der Situation auf eine Auslandsreise verzichtet hat, dürfte erkannt haben, wie viele schöne Ecken es in Deutschland gibt.

Eine Auszeit mit der Familie

Kann aus Ihrer Sicht der Besuch eines Freizeitparks unter Beachtung der Corona-Regeln Spaß machen?

Stone: Auf jeden Fall. Das haben wir in sehr vielen Reaktionen unserer Besucher erfahren dürfen. Sie waren dankbar, dass es hier eine Möglichkeit gibt, einmal eine Auszeit zu nehmen. Unser Zielpublikum hat auch die Regeln beachtet. Da standen andere Parks, die vielleicht stärker auf Teenager und junge Erwachsene abzielen, vor größeren Herausforderungen. Zur Sicherheit unserer Gäste haben wir alle ausgefeilte und komplexe Hygienesysteme in den Resorts und Parks umgesetzt.

Dennoch haben wir erfahren – das wurde mit Fotos belegt –, dass Menschen im Legoland unterwegs waren, die offenbar weder von Maskenpflicht noch von Abständen allzu viel gehalten haben. Wie passt das zusammen?

Stone: So etwas hat es gegeben. Wir waren mit den Kritikern und dem Gesundheitsamt im Austausch und haben da auch nachgearbeitet. Wir wissen von Parkbesuchern aus den Niederlanden und der Schweiz, dass sie zum Teil keine Maske aufgesetzt haben, weil das Gebot zu diesem Zeitpunkt in ihren Ländern im Gegensatz zu Deutschland noch nicht gegolten hat und ihnen das fremd war. Das geht trotzdem nicht. Wir haben deshalb die Kontrollen verstärkt. Neben den 17 Personen aus unseren Diensten, die sich die Kontrolltätigkeit teilten, hatten wir einen externen Sicherheitsdienst damit beauftragt, danach zu schauen, dass die Corona-Vorgaben im Park auch eingehalten werden. Von dem Securitydienst waren fünf Personen jeweils über den Tag verteilt unterwegs.

Was halten Sie rückblickend für Parkleitung und die Beschäftigten als größte Herausforderung im Corona-Jahr?

Stone: Der rasanten Virusentwicklung noch folgen zu können und danach Konzepte, Arbeitsabläufe und aufeinander abgestimmte Maßnahmen entsprechend anzupassen.

"Höher, schneller, weiter ist nicht das Maß aller Dinge"

Und wie hat das funktioniert?

Stone: Durch unseren Zusammenhalt, unsere Flexibilität, den offenen und ehrlichen Umgang untereinander, durch unser Teamwork. Meetings dauerten nicht mehr so lange. Wir sind schneller auf den Punkt gekommen. Und wir haben erlebt, dass ein „höher, schneller, weiter“ nicht das Maß aller Dinge ist. Das war eine durch das Virus erzwungene Erkenntnis – und eine gute Erfahrung zugleich. Wir haben nun die Chance, das weiterzuentwickeln.

Dennoch müssen ja die Zahlen stimmen, und das Legoland ist nur ein Teil von Merlin Entertainments, dessen Investoren am Ende des Tages eine entsprechende Rendite erreichen wollen.

Stone: Das stimmt. Aber die Beteiligten wissen auch, dass ein Umsatz oder Gewinn immer auch von den Rahmenbedingungen abhängig ist. Schauen Sie: Legoland Kalifornien hat bis heute noch nicht geöffnet. Unsere Zahlen sind besser als befürchtet worden ist. Das Ergebnis hat auch Nick Varney, den CEO bei Merlin Entertainments, überzeugt. Ich hatte im Zwei-Wochen-Turnus sieben Gespräche mit ihm. 2021 wird ein Aufbaujahr für uns, das uns hoffentlich wieder in Richtung Normalität führen wird.

Was mit den Saisonkräften geschieht

Aber Sie können ja noch nicht wissen, was im nächsten Jahr möglich ist und was nicht.

Stone: Meinen Grundoptimismus bewahre ich mir dennoch. Wir haben in diesem schwierigen Jahr gezeigt, was wir als Team gemeinsam leisten können. Wir stellen uns der Situation und beziehen unterschiedlichste Entwicklungsmöglichkeiten in unsere Planungen ein. Ein Beispiel: Wir haben, weil wir auch nicht vorhersehen können, mit den Saisonarbeitskräften – in der Spitze sind das 1300 – folgende Regelung getroffen. Wir haben nicht sofort, wie sonst üblich, einen „Rehire“-Vertrag unterschreiben lassen. Wir wollen bis zum Jahresbeginn abwarten, wie sich das Pandemie-Geschehen entwickelt. Das ist auf Verständnis gestoßen. Der Anteil der saisonalen Mitarbeiter, die auch im folgenden Jahr wieder bei uns arbeiten, liegt bei über 70 Prozent. Wir wissen, was unsere Mitarbeiter leisten. Deshalb haben wir das Kurzarbeitsgeld sowohl im Frühjahr als auch jetzt um 20 Prozent aufgestockt. Das ist ein Zeichen unserer Wertschätzung.

Wann wollen Sie wieder öffnen?

Stone: Am 27. März 2021.

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