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Minister Reichhart: Söders große Überraschung

Kommentar Von Till Hofmann
12.11.2018

Hans Reichhart gehört auch dem neuen Kabinett Söder an - und dieses Mal sogar als Minister. Damit hatte kaum jemand gerechnet. Warum die Wahl auf ihn fiel.

Wer sein Geld darauf gesetzt hätte, dass Hans Reichhart auch dem zweiten Kabinett Söder angehört – und das auch noch im Ministerrang – der hätte seinen Einsatz vervielfachen können. Das hat nichts mit der Leistung des Finanzstaatssekretärs Reichhart in seinen gut 200 Tagen zu tun. Reichhart war fleißig, hat sein neues Amt innerhalb kürzester Zeit verinnerlicht, ist dabei bodenständig geblieben. Und er weiß, woher er kommt.

Die eher schlechten Chancen hatten andere Gründe: Reichhart verpasste wegen des desaströsen CSU-Ergebnisses bei der Landtagswahl vor einem Monat den Einzug ins Maximilianeum als Listenkandidat. Und die CSU-Fraktion ist in aller Regel nicht begeistert von Kabinettsmitgliedern, die keine Verankerung im Parlament und damit der Fraktion haben. Von den 85 CSU-Abgeordneten dürfte es einige geben, die sich durchaus für ministrabel halten und eben das Abgeordnetenmandat haben.

Das schlechte CSU-Ergebnis hat auch dazu geführt, dass Ministerpräsident Markus Söder nicht mehr die komplette Riege der Minister und Staatssekretäre bestimmen konnte. Das hat seinen Spielraum eingeschränkt. Zudem hat sich sein Koalitionspartner nicht um den Frauenanteil in der neuen Staatsregierung geschert. Und der Umstand, dass die Regionen in Bayern ausgewogen in der Regierung vertreten werden sollen, ist ein weiteres ungeschriebenes Gesetz. Das alles musste Söder uns Kalkül ziehen. Insofern war es in der Tat mutig, dass sich der Ministerpräsident für Reichhart entschieden hat und ihn auch noch zum Minister für Wohnen, Bau und Verkehr befördert.

Reichhart macht das Kabinett noch jünger

Damit geht der bewährte Unterallgäuer Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer leer aus, der doppeltes Opfer der neuen Kabinettsumbildung geworden ist. Zum ersten, weil sein Ressort an die Freien Wähler gegangen ist. Und zum zweiten, weil die Schwaben nicht auf mehr als ein Ministeramt hoffen durften, zumal auch der alte und neue Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer aus Schwaben kommt. Der Regierungschef hat sich nicht mit Reichhart für einen entschieden, der mit seinen 36 Jahren das „jüngste bayerische Kabinett aller Zeiten“ (Söder) noch deutlich unterschreitet. Der Altersdurchschnitt beträgt 47,6 Jahre.

In der Person des loyalen Hans Reichhart sichert sich Söder die Gefolgschaft der Jungen Union, dessen Landeschef der neue Bau- und Verkehrsminister noch ein Jahr ist, ehe er sich aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stellen kann.

Eine strategische Entscheidung für Reichhart

Es war eine strategische Entscheidung des Ministerpräsidenten, der Reichhart nicht blindlings das Vertrauen schenkt. Die Akzente, die der junge CSU-Politiker als Finanzstaatssekretär gesetzt hat, scheinen überzeugender Natur gewesen zu sein. Der Aufstieg Reichharts wird unserer Region nicht zum Nachteil gereichen, da der 36-Jährige weiß, woher er kommt, was die Kommunen im Landkreis Günzburg beschäftigt.

Reichharts Ernennung eröffnet eine weitere Diskussion im Landkreis: Denn der Nachfolger von Landrat Hubert Hafner wird 2020 definitiv nicht Reichhart heißen. Einige CSU-Politiker im Kreis dürften sich über das alte und neue Kabinettsmitglied Reichhart aus mehreren Gründen freuen.

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