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Günzburg

05.09.2019

Soldaten aus Deutschland und Frankreich auf Napoleons Spuren

Auf die Spuren Napoleons in Günzburg begaben sich junge Sanitätsoffiziersanwärter aus Deutschland und Frankreich. Das Foto zeigt sie vor dem Denkmal bei der Frauenkirche, das an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert.
Bild: Kaiser

Der Historiker Thomas Schuler führt sie durch Günzburg. Der Kaiser weilte einst nur wenige Stunden in der Stadt.

Günzburg Napoleon selbst war nur wenige Stunden in Günzburg. Trotzdem markierte die Stadt einen wichtigen Wendepunkt im Krieg des französischen Kaisers gegen Österreich. Die Hintergründe der Schlacht um Günzburg im Oktober 1805 erläuterte der Historiker und Napoleon-Experte Thomas Schuler aus Köln einer kleinen Gruppe von jungen Sanitätsoffiziersanwärtern aus Deutschland und Frankreich am Mittwoch bei einem Rundgang durch die Altstadt. Der Besuch in Günzburg und anschließend in Elchingen war Teil einer Projektwoche an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München zum Thema: „Medizin zur Zeit Napoleons“.

Am 9. Oktober des Jahres 1805 hatten etwa 5000 französische Soldaten versucht, von Norden her die Donau zu überqueren und Günzburg einzunehmen. Ihnen standen, überwiegend verschanzt in der Stadt, etwa 40000 Österreicher gegenüber. Es entwickelte sich, so Schuler, ein „blutiges und dramatisches Artilleriegefecht“. Hunderte von Franzosen waren verletzt oder getötet worden, die Verluste unter den österreichischen Soldaten und der einheimischen Zivilbevölkerung hatten sich in vergleichsweise überschaubaren Grenzen gehalten.

Napoleons Truppen nahmen die Stadt kampflos ein

Trotz dieser Anfangserfolge und trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit gaben die Österreicher Günzburg auf und zogen sich auf Befehl von Feldmarschall-Leutnant Mack nach Ulm zurück. Am 10. Oktober hatten Napoleons Truppen die Stadt kampflos eingenommen. Warum Mack diese Fehlentscheidung getroffen habe, sei bis heute nicht klar, erläuterte Schuler. Jedenfalls war sie fatal. Nach der anschließenden Schlacht von Elchingen, der größten in Süddeutschland, war das Schicksal der Österreicher besiegelt – und mit ihr das von Günzburg. Die Stadt kam daraufhin zum großen Leidwesen der Bürgerschaft zu Bayern.

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Von der medizinischen Versorgung der Soldaten zu Zeiten Napoleons war bei der Führung nur wenig die Rede. Ein Lazarett, in dem laut Augenzeugenberichten elende Verhältnisse geherrscht hatten, war im heutigen Heimatmuseum eingerichtet worden. Verwundete Franzosen und Österreicher waren dort notdürftig versorgt worden.

Die einfachen Soldaten waren plündernd durch die Stadt gezogen

Im Gasthof „Krone“ am Marktplatz war das Hauptquartier der Franzosen eingerichtet. Den Führungsoffizieren mangelte es an nichts, wie Lieferscheine belegen. Die einfachen Soldaten mussten schauen, wo sie blieben – plündernd waren sie durch die Stadt gezogen. Mit ein Grund, weshalb die Günzburger nach gut 500 Jahren habsburgischer Herrschaft und dem Wechsel zu Bayern nicht begeistert waren, wie Schuler den Gästen erklärte. Stationen des Rundgangs waren unter anderem der Kuhturm, von dem aus die Österreicher die an der Donau liegenden Franzosen beschossen hatten, sowie die Frauenkirche, deren Turm als Ausguck der Österreicher gedient hatte. Nach der Einnahme Günzburgs hatte Napoleon, von Augsburg kommend, kurz im Schloss Quartier genommen. Ein Salzstreuer, verwahrt im Heimatmuseum, erinnert angeblich an das Gastspiel. Der Kaiser habe damit, so die Erzählung, seine Frühstückseier gesalzen.

Eindeutig verbürgt ist hingegen der Besuch des französischen Präsidenten Mitterrand. In Begleitung von Bundeskanzler Kohl war er 1989 nach Günzburg gekommen. Mit einer Goldmünze beglich Mitterrand symbolisch die Schulden, die Napoleon in der Stadt hinterlassen hatte. Thomas Schuler nutzte diesen Umstand, seine generelle Einschätzung des französischen Kaisers zu erläutern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, habe Napoleon keine Angriffskriege geführt. Es seien England, Russland und Österreich gewesen, die Frankreich in die Knie zwingen wollten, um ein Übergreifen der Ideen der Revolution von 1789 auf ihre Monarchien zu verhindern.

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