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Günzburg

17.11.2019

Speed-Dating: Politiker sind da, interessierte Bürger fehlen

Zu einem Politiker-Speed-Dating hatte die Volkshochschule Günzburg den Oberbürgermeister und Stadträte sowie interessierte Bürger eingeladen. Die Kommunalpolitiker waren vor Ort, was fehlte, waren mehr interessierte Bürger.
Bild: Greta Kaiser

Die Idee, Günzburgs Oberbürgermeister und die Stadträte im Gespräch kennenzulernen, stößt auf geringe Resonanz.

Es war ein Experiment. Eines, das mangels Masse aber nicht wie erhofft geklappt hat. Die Volkshochschule Günzburg hatte am späten Freitagnachmittag erstmals zu einem Politiker-Speed-Dating eingeladen. Die Idee von Vhs-Leiterin Petra Demmel und ihrem Team: Bürgerinnen und Bürger sollten Oberbürgermeister und Mitglieder des Stadtrates kennenlernen, mit ihnen ins Gespräch kommen und dabei Anregungen, Probleme und Wünsche vortragen.

Gerhard Jauernig und 18 der 24 Stadtratsmitglieder waren im Haus der Bildung anwesend – die interessierten Besucher waren an den Fingern einer Hand abzuzählen, bemerkenswerterweise fast ausschließlich Frauen und Männer mit Migrationshintergrund. Einigen Gesprächsstoff gab es trotzdem.

Stadtrat Ferdinand Munk (UWB) war mit einer Frau aus Montenegro ins Gespräch gekommen. Der Mann ist in Arbeit, die beiden Kinder besuchen die Schule, die Familie ist das, was man integriert nennt. Und trotzdem fehlt etwas. „Ein Kümmerer“, wie Ferdinand Munk das umschreibt. „Ein Williger, der die Familie bei der Hand nimmt“ und ihr dabei hilft, die vielen, oft auch nur kleinen Klippen des Alltags in Deutschland zu umschiffen. Ein Ehepaar mit türkisch-iranischen Wurzeln hatte sich an Ruth Abmayr und Manfred Proksch von den Freien Wählern gewandt. Sie und ihre zwei kleinen Kinder plagt, was viele plagt: die Suche nach einer angemessenen und bezahlbaren Wohnung. Derzeit muss die junge Familie in einer komplett heruntergekommenen Dachwohnung am Marktplatz leben – dokumentiert mit den entsprechenden Fotos. Ein weiteres Problem: Wegen der vielen Tauben in der Altstadt können in der Dachwohnung noch nicht einmal die Fenster zum Lüften geöffnet werden.

Mutter wünscht sich Schwimmkurse für Frauen mit islamischem Hintergrund

Eine Mutter mit afghanischen Wurzeln würde für sich und ihre Tochter gesonderte Schwimmkurse für Frauen und Mädchen mit islamischem Hintergrund im Leipheimer Hallenbad wünschen. Oberbürgermeister Gerhard Jauernig sagte zu, den Kontakt zum Integrationsbeauftragten des Landkreises zu vermitteln.

Ganz persönlich, so der Oberbürgermeister gegenüber unserer Zeitung, habe er Probleme mit einem nach Religionen getrennten Schwimmunterricht. Zumindest für das Günzburger Waldbad werde er keine entsprechende Initiative ergreifen. Zweiter Bürgermeister Anton Gollmitzer (Freie Wähler) erklärte, er werde den Wunsch der Frau bei der nächsten Sitzung des Zweckverbandes Hallenbad Nord, der das Leipheimer Bad unterhält, zur Beratung vorbringen. Stadträtin Angelika Fischer (GBL) sagte, in Leipheim werde eine gesonderte Damensauna angeboten. Es sei zu überlegen, ob in dieser Zeit nicht auch zwei Schwimmstunden nur für Frauen und Mädchen, unabhängig von der Religion, möglich seien.

Ansonsten blieb für die Mitglieder des Stadtrates reichlich Zeit, untereinander zu plaudern und zu diskutieren – eine inoffizielle Ratssitzung gewissermaßen. Und zum Abschied gab es von Vhs-Leiterin Petra Demmel noch für alle Beteiligten eine Rose. Zum Dank für die Teilnahme an einem Experiment, das es verdient hätte, auf mehr Resonanz zu stoßen.

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