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Artenschutz

08.04.2019

Was dieses Orang-Utan-Baby mit Offingen verbindet

Das ist Alois. So haben schwäbische und niederbayerische Umweltschützer das Orang-Utan-Baby genannt, das in einem Dorf im Osten der Insel Borneo gefangen gehalten worden ist. Vermutlich sollte der Affe an die Tiermafia verkauft werden. Jetzt hat Alois die Chance, nach Jahren des Übergangs in Freiheit zu leben.
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Das ist Alois. So haben schwäbische und niederbayerische Umweltschützer das Orang-Utan-Baby genannt, das in einem Dorf im Osten der Insel Borneo gefangen gehalten worden ist. Vermutlich sollte der Affe an die Tiermafia verkauft werden. Jetzt hat Alois die Chance, nach Jahren des Übergangs in Freiheit zu leben.

Plus Ein Orang-Utan wird in Borneo gefangen gehalten und soll vermutlich an die Tiermafia verscherbelt werden. Ein Offinger ist bei der Befreiungsaktion dabei.

Es war die bewegendste Reise seines Lebens. Das sagt Kurt Schweizer über einen besonderen Urlaub, den er mit seiner Frau Monika anlässlich seines 60. Geburtstages unternommen hat. Kein All-inclusive-Urlaub in der Karibik. Keine Kreuzfahrt in der Ägäis. Der Kommunalpolitiker der Grünen ist zugleich der dritte Vorsitzende des Günzburger Vereins „Faszination Regenwald“. Und in dieser Funktion flog er nach Indonesien – erst in die Hauptstadt Jakarta, später auf die Insel Borneo. Im Gepäck hatte er Spendengelder des Vereins, das er den Menschen vor Ort übergab, von denen er sicher sein konnte, dass es an der richtigen Stelle eingesetzt wird und nicht in falsche Kanäle fließt.

Strapaziös war die Tour wegen der hohen Luftfeuchtigkeit; ernüchternd wegen des Ausmaßes der Umweltzerstörung. „Wir sind geschockt von den riesigen Kohleabbauhalden. Wie bösartige Geschwüre überwuchern sie ganze Landstriche“, wird Schweizer später über den Anblick Borneos aus der Luft aufschreiben.

Was für ein Blick: Der kleine Menschenaffe als Gefangener in einer Holzkiste.


Was dieses Orang-Utan-Baby mit Offingen verbindet

Orang-Utan war in einer Holzkiste eingesperrt

Am siebten Tag der Reise beginnt ein Abenteuer, auf das er gerne verzichtet hätte. Am Nachmittag zuvor hatte sich in einem Regenwaldcamp im Osten Borneos, wo er und weitere Natur- und Tierschützer sich aufhielten, die Nachricht verbreitet, in dem 80 Kilometer entfernten Dorf Wehea würde ein etwa ein Jahr alter Orang-Utan gefangen gehalten. Ein einheimischer Tierschützer, der die Reisegruppe in Borneo begleitete, hatte diese Information erhalten.

Am nächsten Morgen machten sich Einheimische und Gäste in Jeeps auf den Weg. „Im Dorf erwartete uns ein unfassbar trauriges, in einer kleinen Holzkiste eingesperrtes Orang-Utan-Baby“, sagt Schweizer. Der Häuptling der dort lebenden Dayaks unterstützte Schweizer und verhandelte direkt mit dem Bewohner seines Dorfes, der den Menschenaffen gefangen hielt. Etwa eine Stunde habe sich das hingezogen. Die Argumente des Häuptlings scheinen überzeugend gewesen zu sein, denn das abgemagerte, verängstigte Tier konnte übernommen werden.

Schweizer selbst durfte nicht dabei sein, als es um das Schicksal des Affen ging. Das wollten die Einheimischen unter sich regeln. Seine Anwesenheit wäre für die anderen Beteiligten als Gesichtsverlust interpretiert worden, wurde dem Offinger später erklärt. Außerdem wäre die Auslöse für Alois vermutlich in die Höhe geschnellt, wenn ein Europäer, bei dem Geld vermutet wird, aktiv an der Verhandlung teilgenommen hätte. So soll gar kein Geld geflossen sein. Übernachtet wurde im Haus des Häuptlings, dessen Familie kurzerhand ausquartiert wurde. Damit die Gäste nicht auf dem Fußboden schlafen mussten, wurden eilends Matratzen herbeigeschafft.

Orang-Utan-Baby wurde einer Tierschutzorganisation übergeben

Eine 150 Kilometer lange Fahrt bedeutete am nächsten Tag eine anstrengende Tagestour. Das fiel aber nicht ins Gewicht „angesichts der Gewissheit, ein junges Orang-Utan-Leben gerettet zu haben“, urteilt Schweizer. „Wir waren überglücklich.“ Viel später stellte sich heraus, dass auf der Rückfahrt vor allem die Dayaks nervös waren. Denn es sei nicht auszuschließen gewesen, dass der kleine Konvoi auf der Strecke von Gaunern aufgehalten worden wäre, um Alois für die Tiermafia wieder zurückzuholen.

Der junge Orang-Utan wurde an die Tierschutzorganisation C.O.P. übergeben. Die drei Buchstaben stehen für den englischen Begriff „Center of Orang Utan Protection“. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, verletzte oder aus Gefangenschaft befreite Affen fachkundig zu untersuchen, aufzupäppeln und schrittweise wieder auszuwildern. Dies ist bereits bei vier Tieren gelungen. Ein Monitoring dieser Affen belegt, dass sie alle noch leben. Schweizer und die weiteren Mitglieder von Faszination Regenwald waren begeistert vom System von C.O.P. und überbrachten 4800 Euro Patengelder für die Orang-Utans.

Kurt Schweizer (vorne links) besuchte auf Java und Borneo verschiedene Tierschutz- und -auffangstationen, schaute, ob das Geld des Günzburger Vereins Faszination Regenwald gut angelegt ist, und half mit, einen jungen Orang-Utan zu befreien.

Wenn die Kleinen keine Bezugsperson mehr haben – etwa, weil deren Mutter von Wilderern erschossen worden ist, um danach das Baby zu Geld machen zu können – übernehmen die Orang-Utan-Schützer diese Rolle. Die jungen Primaten müssen erst lernen, wie ein Nest gebaut oder wie am Baum hochgeklettert wird. Und das geht nur mit Vormachen – in diesem Fall von menschlichen Ersatzeltern. Wie das mit dem Auswildern funktioniert, zeigte ein Ausflug am nächsten Tag: Mit Booten ging es zu einer Insel im Fluss, die von C.O.P. gekauft worden ist. „Es war sehr eindrucksvoll, zwei fast schon frei lebende Orang-Utans zu beobachten. Die Insel ist die letzte Station, sozusagen die Prüfung für ein endgültiges Leben in Freiheit“, sagt Schweizer. Vier bis fünf Jahre wird es dauern, wenn alles gut geht, und rund 5000 Euro kosten. Dann ist Alois so weit. Frei.

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