Die schwächelnde Konjunktur und der demografische Wandel schlagen sich deutlich auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nieder. Zwar ist die Job-Situation in der Region deutlich besser als in anderen Teilen Deutschlands. Die Agentur für Arbeit in Donauwörth, zu deren Bezirken auch der Landkreis Günzburg gehört, meldete am Freitag dennoch eine durchwachsene Entwicklung bei der Beschäftigung. Wie es in einer Pressemitteilung heißt, stieg die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 247 an, das sind 15,4 Prozent mehr. Bei jungen Menschen (plus 29 oder 17,7 Prozent) und Personen ab 50 Jahren (plus 102 oder 16,2 Prozent) ist der Zuwachs im Landkreis noch größer. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit (plus 71 Personen oder 23,8 Prozent) ist im Vorjahresvergleich gestiegen.
Die Arbeitslosenquote lag im Dezember bei 2,5 Prozent und damit ähnlich hoch wie im November. Doch im Jahresvergleich hat sich die Situation verschlechtert. „Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Arbeitslosigkeit deutlich um 12,8 Prozent gestiegen“, erklärte Norbert Gehring, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit in Donauwörth. Auch die Arbeitslosenquote über das gesamte Jahr stieg an: von 2,1 Prozent im Jahr 2023 auf 2,4 Prozent im Jahr 2024.
Arbeitslosigkeit im Landkreis Günzburg steigt
Im Bereich der beitragsfinanzierten Arbeitslosenversicherung stieg die Zahl der Arbeitslosen vergangenes Jahr um 19,2 Prozent (plus 190) auf 1180 Personen im Jahresdurchschnitt. Die dafür zuständige Agentur für Arbeit musste für den gesamten Agenturbezirk 19,2 Prozent mehr Geld auszahlen, insgesamt waren es 106,5 Millionen Euro. Beim Jobcenter Günzburg dagegen waren 670 Menschen arbeitslos gemeldet, das entspricht 36,2 Prozent aller Arbeitslosen. Hier stieg die Arbeitslosigkeit um 57 Personen (plus 9,4 Prozent). Die Langzeitarbeitslosigkeit (über ein Jahr arbeitslos) stieg insbesondere im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters deutlich auf 293 Personen (plus 65 oder 28,4 Prozent zum Vorjahr).
Geschäftsführer Gehring zeigte sich erfreut, dass im Agenturbezirk die Arbeitslosenquote über den Jahresverlauf deutschlandweit am niedrigsten war. „Allerdings spüren wir auch in unserer Region die Auswirkungen der allgemeinen Konjunkturschwäche, der stattfindenden Transformationsprozesse, der Demografie sowie die weltweit andauernden Krisenherde auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Gehring.
Weniger Zahlungen in der Region für Kurzarbeitergeld
Zwar erreichte die Zahl der Beschäftigten im Landkreis Günzburg im Jahr 2024 einen neuen Höchststand: Mitte des Jahres waren gut 57.000 Menschen angestellt, vor allem in Heimen und im Sozialwesen arbeiteten mehr Menschen. Auch die Ausgaben für konjunkturelles Kurzarbeitergeld gingen bei der Arbeitsagentur in Donauwörth zurück: Mit 7,2 Millionen Euro zahlte sie 15,4 Prozent weniger Mittel aus als im Jahr zuvor.
Die Stellenmeldungen der Arbeitgeber waren im Landkreis Günzburg aber rückläufig. Im gesamten Jahresverlauf wurden 2498 Arbeitsstellen zur Besetzung gemeldet, 29,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Den dennoch hohen Bestand an offenen Arbeitsangeboten führen die Experten unter anderem auf sogenannte Passungsprobleme zurück. Rund 82 Prozent der Arbeitsangebote sind nämlich für Fachkräfte oder eine höhere Qualifikation. Aber gut die Hälfte aller Arbeitslosen weist keine derartige Qualifikation auf.
Steigende Zahl von Beschäftigten aus der Ukraine
Positive Entwicklungen vermeldet die Arbeitsagentur dagegen bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. „Das Thema Fluchtmigration hat uns auch im Jahr 2024 weiter beschäftigt und wir haben uns intensiv darum bemüht, geflüchteten Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen“, erklärte Geschäftsführer Gehring. Nach dem Ende ihrer Deutsch- oder Integrationskurse konnten Geflüchtete laut Arbeitsagentur an Jobbörsen teilnehmen, um ein unkompliziertes Kennenlernen von Bewerbern und Firmen zu ermöglichen – mit dem Ziel, einen Arbeitsvertrag abzuschließen. „So stieg beispielsweise die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ukrainischer Staatsangehörigkeit innerhalb eines Jahres um 25 Prozent“, sagte Gehring.
Silke Königsberger, seit Anfang Januar neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Donauwörther Arbeitsagentur, sagt zur künftigen Entwicklung: „Für 2025 erwarten wir eine leichte Steigerung der Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wird sich voraussichtlich auf dem Niveau des vergangenen Jahres einpendeln.“ (AZ)
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