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Bananen und D-Mark: Premiere des Neuen Theaters Burgau packt die skurrilen Seiten der Wiedervereinigung aus

Burgau

Bananen und D-Mark: Premiere packt die skurrilen Seiten der Wiedervereinigung aus

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    Viel Spaß mit einer Szene der „Lach- und Sachgeschichten“, der „Sendung mit der Maus“ nachgestellt, hatten (von links) Fred Brunner, Dörte Trauzeddel, Winfried Gropper und Daniela Nering.
    Viel Spaß mit einer Szene der „Lach- und Sachgeschichten“, der „Sendung mit der Maus“ nachgestellt, hatten (von links) Fred Brunner, Dörte Trauzeddel, Winfried Gropper und Daniela Nering. Foto: Heinrich Lindenmayr

    Der Pianist Fred Brunner betrat die Bühne, schritt zum Klavier und trug einen großen, gelben Kübel. Wozu braucht ein Pianist an seinem Instrument einen knallgelben Kübel? Was könnte der Inhalt des Kübels sein? Es gab viel zu beobachten, zu rätseln, zu fragen, zu denken, zu zweifeln, aber auch zu lachen bei der Premiere von „Blühende Landschaften. Liederabend zur Deutschen Einheit“ im Neuen Theater Burgau. Das Rätsel um den gelben Kübel war alsbald gelüftet, schon am Ende der ersten Szene.

    Da befinden sich drei Ostdeutsche in heller Aufregung. Sie sind, wie viele ihrer Landsleute, nach der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands in den Westen gekommen, um ihre Ersparnisse einzutauschen: Wertlose Ostmark gegen harte D-Mark, und zwar im Verhältnis 1:1. Doch zu ihrem Entsetzen haben sich lange Schlangen von Wartenden vor den Bankinstituten gebildet. Wird das Geld der Bankinstitute reichen, um alle zu bedienen? Da kommt Fred Brunner mit dem gelben Kübel. Der enthält reichlich Bananen. Ja, diese Geste verstehen die Ostdeutschen. Wer viele Bananen hat, Früchte, die im Osten ebenso begehrt wie selten zu bekommen waren, der muss so reich sein, dass er wertloses in werthaltiges Geld tauschen kann.

    Helmut Kohl versprach: Osten soll in „blühende Landschaften“ verwandelt werden

    Was eine Banane für einen Ostdeutschen bedeutete, das erfuhr der Theaterbesucher etwas später bei der Antwort auf die Frage, wie man den Wert eines Trabi vervierfachen könne: Man lege eine Banane auf den Rücksitz. Die erste Szene demonstrierte bereits, wie kurios und komisch, wie aufregend aber auch angstauslösend die Konfrontation von Ost und West im wiedervereinigten Deutschland war. Man brauchte nicht viel politischen Sachverstand, um Helmut Kohls forsche Botschaft, man werde rasch den Osten Deutschlands in „blühende Landschaften“ verwandeln, als wahlkampftaktischen Zweckoptimismus zu deuten. Turbulenzen, Missverständnisse, wechselseitige Beschuldigungen und Verletzungen zwischen Ossis und Wessis konnten nicht ausbleiben.

    An Stoff für eine bunte Revue über die Jahre 1990 bis 2005, bis zum Amtsantritt von Angela Merkel als Kanzlerin, mangelt es nicht. Aufschlussreich waren an diesem Theaterabend die regelmäßigen Ansagen von Fakten. Das Publikum dürfte sich dabei mehrheitlich gefragt haben, ob man die Fakten bereits vergessen oder verdrängt habe, so befremdlich erschien vieles davon. Unter die Haut gingen die Gesprächsszenen, welche die sich wandelnden Befindlichkeiten der Ostdeutschen offen legten. Erhellend wirkten die Projektionen, beispielsweise eine etwas verwahrloste Bushaltestelle mit Metallsitzen, Ort von Heimatlosigkeit und Tristesse. Witzig waren die Anlehnungen an Medienformate, an „Die Sendung mit der Maus“ und „Wer wird Millionär“.

    Darstellerquartett hält das Publikum in Burgau bei Laune

    Alles mit allem verknüpften die ausgewählten Musiktitel, die sich den Themen Geld und Kapital, politischen Standpunkten, gesellschaftlichen Entwicklungen befassten. Am Schluss kulminierten sie im satirisch aufgeladenen Song „Schöne neue Welt“ von Culcha Candela aus dem Jahr 2004, der feststellt, dass man tüchtig Party feiere, obwohl schon alles verloren sei. Das Darstellerquartett vermittelte die Botschaften überzeugend und hielt das Publikum gut bei Laune, wobei Fred Brunner und Daniela Nering mehr die ernsthafte Seite vertraten, Dörte Trauzeddel und Winfried Gropper die komödiantische. Ein lehrreicher und gleichwohl unterhaltsamer Abend, entstanden aus der Kooperation zwischen dem Sensemble Theater Augsburg und dem Neuen Theater Burgau.

    Weitere Aufführungen: 8. Februar, 18 Uhr; 24. , 25. und 30. April jeweils um 20 Uhr.

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