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Erinnerungen eines Bademeisters: Geschichten und Veränderungen im Günzburger Waldbad

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Als das Becken im Günzburger Waldbad noch blau gestrichen werden musste

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    Besucherandrang im Waldbad Günzburg :Am 17. Juni 1965 wurden rund 7500 Personen im Bad gezählt.
    Besucherandrang im Waldbad Günzburg :Am 17. Juni 1965 wurden rund 7500 Personen im Bad gezählt. Foto: Archiv Stadtwerke

    Früher musste das Becken jedes Jahr blau gestrichen werden. Daran erinnert sich Karl Doss noch gut. Der 1946 geborene Wasserburger war 25 Jahre Bademeister im Günzburger Waldbad. „Das war ein Gfrett“, sagt der in Wasserburg wohnende Doss heute zu dieser Aufgabe. „Wir haben damals alles gemacht“, erinnert er sich. Er und ein Kollege seien Hausmeister und Bademeister in einer Person gewesen. Wenn es sein musste, sieben Tage die Woche, jeweils den ganzen Tag und bei schönem Wetter immer an der prallen Sonne. Abends wartete die Abrechnung und an Tagen mit großer Besucherzahl mussten nachts die Filter gereinigt werden. Dennoch sei Zeit gewesen, um nach einem anstrengenden Tag zusammenzusitzen, erzählt er. Und die Entscheidung im Bad anzufangen, hat der gelernte Maschinenschlosser, der zusätzlich eine Ausbildung zum Sanitäter und Rettungsschwimmer hatte, nicht bereut. Er blieb bis zu seiner Verrentung im Jahr 2006.

    Sanierung und Geschichte des Günzburger Waldbads: Erinnerungen von Karl Doss

    Das Günzburger Waldbad wurde am 4. August 1962 eröffnet. Im selben Jahr machte auch in Krumbach das Stadtbad auf – das Wirtschaftswunder löste eine wahre Bauwelle für Freibäder aus. In Günzburg sammelte ein Förderverein, der später wieder aufgelöst wurde, Spenden für das Bad. Diese Beteiligung von Bürgern und Bürgerinnen – es kamen 175.000 Mark zusammen – sorge für ein „Zusammengehörigkeitsgefühl“ und „Verantwortungsbewusstsein“, hieß es in der Eröffnungsrede von Franz Keller von besagtem Förderverein. Die Baukosten insgesamt betrugen etwa 600.000 Mark.

    Karl Doss war 25 Jahre Bademeister im Waldbad Günzburg. Fotos vom Bad erinnern an diese Zeit.
    Karl Doss war 25 Jahre Bademeister im Waldbad Günzburg. Fotos vom Bad erinnern an diese Zeit. Foto: Angelika Stalla

    Grundlegend saniert wurde das städtische Freibad, das von den Stadtwerken Günzburg betrieben wird, in den Jahren 1988 und 1989. Die „Elefantenhaut“ im Becken wurde damals entfernt. Seitdem gibt es ein Edelstahlbecken, das nicht mehr blau gestrichen werden muss. Neu gemacht wurde ebenfalls die Technik, das Kinderbecken und die Außenanlagen. Von 2004 bis 2006 wurde der nördliche Flügel des Gebäudes im Zuge des Baus einer Wasseraufbereitungsanlage erneuert, Toiletten und Duschen, Sozialräume sowie ein großzügiger Eingangsbereich kamen hinzu. 2023 wurde der Rest des Gebäudes neu gebaut und es entstanden weitere Umkleiden, Duschen und Toiletten.

    Das Günzburger Waldbad: Entwicklung seit den 60er Jahren

    Das Bad war von Beginn an in den 60er Jahren ein „Highlight“, berichtet Lothar Böck, Vorstand der Stadtwerke Günzburg. Vorher sei in der Donau, der Günz und in Baggerseen gebadet worden, doch sei dies immer gefährlicher geworden, vor allem für die, die nicht schwimmen konnten. An das alte Donaubad und den mit Gitterrosten ausgestatteten Bereich für die Nichtschwimmer, erinnert sich auch Bademeister Karl Doss. In Erinnerung ist ihm auch die Gastronomie vor Ort: Die Wurstsemmel, die dort zum Verkauf angeboten wurden, hätten immer nur einen „Hauch Wurst“ enthalten, denkt er zurück an die längst vergangene Zeit.

    Das Waldbad in Günzburg ist in den 60er Jahren etwas Neues gewesen, die Menschen seien in Scharen gekommen, berichtet Böck. Viele Alternativen der Freizeitgestaltung gab es damals nicht. Einen Besucherrekord verzeichnet die Statistik am 14. Juli 1971 mit 9057 Personen. „Heute sind an guten Tagen 4500 bis 5000 Leute da“, weiß Böck. Ein Problem, das es früher nicht gab, das aber heute immer wieder für Ärger sogt: Die Parkplätze am Waldbad werden knapp.

    1972 gab es noch die alte Rutsche.
    1972 gab es noch die alte Rutsche. Foto: Archiv Stadtwerke

    An besonders umtriebigen Tagen hat er abends immer aufgeatmet. „Da hast du am Abend gesagt: Gott sei Dank ist nichts passiert“, erzählt Karl Doss. Wobei er rückblickend auf seine Zeit als Bademeister sagt: „Die Leute waren vernünftig und friedlich und, wenn man mal etwas gesagt hat, haben sie es auch verstanden.“ Manchmal sei ein „Schroi“ des Bademeisters nötig gewesen oder eine verordnete Auszeit auf der Wiese – etwa wenn einer auch nach mehrfacher Mahnung nicht glauben wollte, dass von der Seite nicht gesprungen werden dürfe. „Das Wort des Bademeisters hat gegolten“, sagt er. Heute sei das wohl nicht mehr so einfach. Sein Schwiegersohn ist noch immer im Waldbad beschäftigt und hält ihn auf dem Laufenden.

    Der in Burgau geborene Karl Doss hat als Bademeister viel Zeit im Waldbad verbracht. Seine Familie hatte er trotzdem in der Nähe. Ehefrau Waltraud war als Reinigungskraft in Teilzeit im Bad – mit ihr feiert er 2026 Diamantene Hochzeit. Und auch die beiden Töchter waren regelmäßig im Waldbad. Eine seiner Enkelinnen sei praktisch immer vor Ort gewesen, habe auch im Bad ihre Hausaufgaben gemacht, erinnert er sich. Die Oma war schließlich nur vormittags im Bad beschäftigt und konnte nachmittags aufpassen. „Doss-Bad“ hieß es dann, als auch sein Schwiegersohn dort angefangen habe.

    Schwimmmeister Günther Münzing (links), der seit 2013 verantwortlicher Betriebsleiter im Waldbad ist, und Lothar Böck, Vorstand Stadtwerke Günzburg im Waldbad.
    Schwimmmeister Günther Münzing (links), der seit 2013 verantwortlicher Betriebsleiter im Waldbad ist, und Lothar Böck, Vorstand Stadtwerke Günzburg im Waldbad. Foto: Angelika Stalla

    Als Bademeister hat Karl Doss so einiges erlebt. Besonders bewegt hat ihn die Geburt eines Kindes im Sanitätsraum des Bades. Noch vorher habe er mit der Schwangeren geredet, die in der Sonne auf der Wiese lag, denkt er zurück.  Eine Stunde später kam dann die Meldung aus dem Bad, bei einer Frau hätten wohl die Wehen eingesetzt. Im Sanitätsraum kam das Baby noch bevor der Rettungswagen eintraf auf die Welt. Viele Jahre habe daraufhin ein Kontakt zu der Frau bestanden, erzählt Karl Doss.

    Doch nicht alles, was der Bademeister erlebte, war schön. Ein Kopfsprung vom Geländer zwischen Schwimmer und Nichtschwimmerbecken ins niedrige Wasser hatte für einen amerikanischen Soldaten furchtbare Folgen, brach er sich doch mehrere Wirbel. Den Warnschrei des Bademeisters hat er wohl nicht ernst genommen. „Das ist mir durch Mark und Bein gegangen“, erinnert sich Doss an den Unfall.

    Das Waldbad in Günzburg liegt direkt an der Donau im Grünen. Die Liegewiese misst 45.000 Quadratmeter. „Das ist das Plus der Anlage“, freut sich Lothar Böck von den Stadtwerken. Auf was er besonders stolz ist: Im Bad stehen 280 Bäume. Vor 2012 waren es noch mehr. Damals, im Jahr der 50-Jahr-Feier, richtete jedoch ein Unwetter großen Schaden an. Einige Autos von Badegästen wurden damals zerstört, Personenschäden habe es jedoch nicht gegeben, ist Böck noch immer froh.

    Wegen des Eschentriebsterbens mussten später 70 Eschen entfernt werden. Der Grund: Da sie von innen faulig werden, könne nicht gut beurteilt werden, ob sie möglicherweise eine Gefahr darstellen, erläutert Böck. Sie wurden durch Bäume ersetzt, die klimaresistenter sind. Doch auch für die gefällten Eschen gab es einen Platz im Bad: Sie wurden beim Neubau der zum Bad gehörenden Gastronomie verwendet, deren Pächter auch den angeschlossenen Minigolfplatz betreut.

    Günzburger Waldbads ein beliebter Treffpunkt im Sommer

    Was bedeutet das Bad für die Menschen? „Sport plus Treffpunkt“, fasst Böck zusammen. Heute kämen viele mit ihren Kindern, die selber früher mit ihren Eltern im Bad waren, erklärt er. Das Bad sei ein generationsübergreifender Treffpunkt, in der sich das Leben einer Kommune abspiele und der außerdem bezahlbar und damit zugänglich für alle sei, erläutert er die Bedeutung für die Stadt.

    Zusätzlich zum Bad gibt es mittlerweile 43 Wohnmobilstellplätze, die über den Sommer ausgebucht sind. Außerdem hat das Bad eine Naturbühne. Einen Frühschoppen mit Blasmusik, aber auch den Auftritt anderer Bands kann sich Böck in Zukunft vorstellen. Public Viewing gab es bereits in der Vergangenheit.

    Der einstige Bademeister Karl Doss kommt nicht mehr oft ins Bad. Er habe sein ganzes Leben viel Sport gemacht, war außerdem Schiedsrichter beim Fußball, erinnert er sich. Da hatte er immer viel Trubel. Jetzt will er hauptsächlich seine Ruhe, wenn er etwas unternimmt. Und vom Bad berichtet ihm ja sein Schwiegersohn.

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