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Längere Arbeitszeiten bei McDonald’s-Werk: Günzburger Gewerkschafterin warnt vor Einschnitt bei Arbeitsrechten

Günzburg

„Meine Generation muss aufwachen“: 28-Jährige warnt vor Einschnitt bei Arbeitsrechten

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    Tessa Belandt unterstützt ihre alten Kollegen beim Streik vor dem OSI-Werk in Günzburg als Gewerkschafterin. Früher war sie selbst dort Mitarbeiterin.
    Tessa Belandt unterstützt ihre alten Kollegen beim Streik vor dem OSI-Werk in Günzburg als Gewerkschafterin. Früher war sie selbst dort Mitarbeiterin. Foto: David Honold

    Tessa Belandt steht vor dem Werk des McDonald's Zulieferers „OSI“ in Günzburg. Neben ihr haben sich viele ihrer ehemaligen Kolleginnen und Kollegen mit Rätschen und Pfeifen versammelt. Heute ist nämlich Streiktag – sie fordern mehr Lohn. Das Angebot der Arbeitgeber sei eine „Frechheit“, ertönt es aus Lautsprechern, nicht einmal die Inflation werde damit ausgeglichen. Belandt, die vor mehr als zehn Jahren hier ihre Ausbildung als Lebensmitteltechnikerin absolvierte und lange in der Qualitätssicherung gearbeitet hat, steht aber nicht mehr als Beschäftigte vor dem Werk. Sie ist mittlerweile Vollzeit-Gewerkschafterin. Warum ist die 28-Jährige diesen Schritt gegangen?

    Der Weg, sich als Gewerkschafterin zu engagieren, war ein schleichender, sagt Belandt. Während ihrer Arbeit habe sie gemerkt, dass die Arbeitgeber „super viel Macht“ haben und man als einzelner Arbeitnehmer wenig ausrichten könne. Aber wenn sich viele zusammenschließen, könne eine Verhandlung auf Augenhöhe stattfinden. Deswegen habe sie sich für den Betriebsrat aufstellen lassen – und wurde gewählt. „Da wird man ganz schön ins kalte Wasser geworfen“, sagt sie und lacht. Sie habe schnell gemerkt: Wenn man Betriebsratsarbeit ordentlich machen möchte, brauche man einen kompetenten Ansprechpartner.

    Tarifkonflikt am OSI-Werk hält Arbeitnehmer in Günzburg in Atem

    Diesen Ansprechpartner habe sie bei ihrer zuständigen Gewerkschaft, der NGG, gefunden. „Irgendwann wollte ich dann nicht mehr die Person sein, die anruft und um Hilfe bittet, sondern selbst mehr Hilfe für viele weitere Betriebe anbieten“, sagt Belandt. Nun befindet sich die 28-Jährige in Ausbildung zur Gewerkschaftssekretärin und wird künftig selbst Tarifverhandlungen führen. Ihr Ziel: Die Rahmenbedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so gestalten, dass sie ihre Tätigkeit das ganze Leben lang ausführen können und wollen. Und auch, dass man neben der Arbeit die Freizeit genießen kann.

    Gewerkschaftserfahrung konnte Belandt bereits in Frankfurt während eines einjährigen Kurzstudiums sammeln. Und in Berlin war sie auch ein paar Monate, um dort in Gewerkschaftskreise reinzuschnuppern. Trotzdem sei sie froh, jetzt wieder zu Hause in Günzburg, genauer in Denzingen, zu sein. „Ich bin sehr heimatverbunden“, sagt sie.

    Belandt warnt vor Angriffen auf den 8-Stunden-Tag in Günzburg

    Auf die aktuellen politischen Entwicklungen schaut Belandt mit Sorge: „Viele Errungenschaften, die die Gewerkschaften über Jahrzehnte erkämpft haben, werden infrage gestellt.“ Als Beispiele nennt sie den 8-Stunden-Tag oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Diese Errungenschaften empfinden ein Großteil der Menschen – insbesondere jüngere – mittlerweile als selbstverständlich, so Belandt. „Meine Generation ist verwöhnt“, sagt die 28-Jährige deutlich. Allerdings sei nun nicht mehr die Zeit, sich auf den Arbeitskämpfen früherer Generationen auszuruhen.

    Die Einstellung von manchen Arbeitnehmern, die sich denken: „Ich bekomme ja trotzdem die Leistungen, auch wenn ich kein Gewerkschaftsmitglied bin“, hält Belandt für falsch. Nur noch „mitschwimmen“ zu wollen, reiche nicht mehr aus. Es sei Zeit, dass jede und jeder ihren oder seinen Beitrag beisteuere. „Wir müssen wacher werden, was unsere Rechte anbelangt“, sagt die Gewerkschafterin. Und einen Beitrag leisten, könne schon im Kleinen anfangen.

    Tarifverhandlungen: „Wir gehen da nicht rein, um zu betteln“

    Aber empfinden viele Menschen Gewerkschaften nicht als eine Institution des Konflikts und der Probleme? Diesem Eindruck möchte Belandt entschieden entgegentreten. Sie sagt: „Es ist nicht so, dass wir direkt streiken. Aber in Verhandlungen gehen wir nicht, um zu betteln.“ Ein Streik – so wie dieser heute vor dem OSI-Werk in Günzburg – sei deswegen ein letztes Mittel, um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben.

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