Musik eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Bestes Beispiel dafür ist dieser Abend im Günzburger Forum am Hofgarten: eine ganze Show nur mit Songs von Udo Jürgens. Hautnah kann der 2014 verstorbene österreichische Sänger, Komponist, Textdichter und Pianist nicht mehr erlebt werden, seine Lieder sind trotzdem im musikalischen Gedächtnis einiger Generationen fest verankert. Volker Heißmann und die Thilo-Wolf-Bigband präsentieren sie auf der Bühne neu arrangiert, mit hohem Wiedererkennungseffekt – und doch ganz anders als die Originale. Auf dieses vermeintliche Wagnis lassen sich erstaunlich wenige Besucherinnen und Besucher ein, viele Plätze bleiben leer. Heißmann sieht es sportlich: „Wir bedanken uns bei jedem Einzelnen und machen es uns jetzt richtig schön. Alle, die nicht da sind, werden sich in den Allerwertesten beißen.“
Heißmann ist nicht nur Teil des Komödianten- und Kabarettisten-Duos Heißmann und Rassau mit ihrer Paraderolle Waltraud und Mariechen, sondern auch Entertainer und Sänger. Charmant plaudert er zwischen den Udo-Jürgens-Titeln, erzählt von seinen Begegnungen mit dem österreichischen Unterhaltungsmusiker, unterhält mit fränkischem Witz und witzelt über die Günzburger, die das Hotel neben dem Forum bei jedem seiner Auftritte in der Donaustadt umbenennen würden. Heißmann ist ein Künstler zum Anfassen.
Cover-Konzert in Günzburg: Zuhörerin aus Aarau traf Udo Jürgens auf der Straße
„Es ist immer jemand im Publikum, der Udo Jürgens getroffen hat. Also schon richtig – ein Konzertbesuch zählt nicht.“ Günzburg ist da keine Ausnahme. Eine Dame aus dem schweizerischen Aarau ist dem Star einmal auf der Straße begegnet. Eine andere erzählt, dass sie bei Jürgens‘ Auftritt in der Augsburger Sporthalle als Reinigungskraft gearbeitet hat und ein Bussi vom Udo bekommen hat.
Auch auf der Bühne sind in der Thilo-Wolf-Bigband zwei, die nicht nur Udo-Jürgens-Songs spielen, sondern schon mit ihm aufgetreten sind. Saxophonist Norbert Nagel hat mit Anfang 20 drei Jahre mit der Max-Greger-Bigband und Udo Jürgens Musik gemacht. Felice Civitareale, wie Nagel ein Gründungsmitglied von Thilo Wolfs Ensemble, war als erster Trompeter für 40 Konzerte mit Udo Jürgens auf Tour. Sehr nett und hochprofessionell sei er gewesen, der Udo, berichtet er.
Ebenso hochprofessionell sind Volker Heißmann, Thilo Wolf am Piano und seine 13 Musikerinnen und Musiker der Bigband. Für „Nur ein Lächeln“, das eine Hommage an Charlie Chaplins Komposition „Smile“ ist, kommt Gastsänger André Sultan-Sade mit auf die Bühne. Selbstverständlich bekommt der Günzburger Background-Publikumschor auch seinen Einsatz. „Griechischer Wein“ funktioniert a cappella, „Ein ehrenwertes Haus“ gelingt textsicher und dass mit 66 Jahren noch lange nicht Schluss ist: eh klar.
Volker Heißmann singt in Günzburg Udo Jürgens – aber ohne Bademantel
Heißmanns Stimme passt zu Udo Jürgens, auch das Charmante und Amouröse, das sich durch das Leben von Udo Jürgens zog und sich in seinen Texten widerspiegelt, nimmt man Heißmann ab. Die Überraschung ist groß, als der Entertainer nach der Pause „Schenk mir noch eine Stunde“ singend durch die Reihen geht, Hände schüttelt, zu Selfies bereit ist und ein Tänzchen wagt.
Es ist ein Abend mit musikalischem Genuss, fränkischem Witz, echten Tipps fürs Leben aus der „Comödie Fürth“, guter Show samt Stepp-Einlage, Leichtigkeit und Nachdenklichem. Der Abend endet ohne Bademantel-Auftritt, Heißmann sieht sich nicht als Double. Er und die Thilo Wolf Band verabschieden sich von der Showbühne mit „Ich war noch niemals in New York“. Vor ihnen tanzt das begeisterte Publikum.
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