Dass hier seit bald zwei Jahren kein Strom mehr produziert wird, fällt Außenstehenden allenfalls an den Kühltürmen des früheren Kernkraftwerks Gundremmingen auf. Die geben keinen Wasserdampf mehr an die Atmosphäre ab, stehen als stumme Zeugen in der Landschaft und sollen zu einem späteren Zeitpunkt abgebrochen werden. Im Inneren der Gebäude wird die Anlage kräftig rückgebaut. Dennoch ist der Betreiber RWE offenbar bestrebt, den Energiestandort Gundremmingen zu erhalten. Konkret geht es um einen zweimal 300 Megawatt starken Batteriespeicher, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum einstigen Atomkraftwerk betrieben werden könnte. Mit einem vollen Speicher könnten nach einer Schätzung von Gundremmingens Rathauschef Tobias Bühler geschätzt 60.000 Vier-Personen-Haushalte für ein Jahr versorgt werden.
Der Energiekonzern will sich derzeit noch nicht festlegen. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte RWE zunächst ganz allgemein mit: "Batteriespeicher sind ein bedeutender Teil der Energiewende, denn sie speichern Energie, wenn eine Überproduktion an Strom aus erneuerbaren Energien herrscht, und stellen diese wieder zur Verfügung, wenn sie gebraucht wird. Und das auch, wenn gerade gar keine Energie erzeugt wird." So könne beispielsweise die Überproduktion aus Solarkraftwerken am Mittag eingespeichert werden, um sie abends zur Verfügung zu stellen, wenn die Sonne untergegangen sei. Dabei passten sich Batteriespeicher an fast jede Gegebenheit an: "Sie können an nahezu jedem Ort errichtet werden und sind hochflexibel in ihrer Größe."
Noch ist die Entscheidung für Gundremmingen nicht gefallen
Der Energiekonzern mit Hauptsitz in Essen hat nach eigenen Angaben "das Ziel, bis 2030 drei Gigawatt an Batteriespeichern zu bauen. Hierzu prüft RWE an verschiedenen Standorten entsprechende Projektoptionen. Auch Gundremmingen bietet sich aufgrund der vorhandenen Energieinfrastruktur als ein möglicher Standort für einen Batteriespeicher an. RWE steht hierzu im engen Dialog mit der Gemeinde. Eine Entscheidung zur Realisierung eines Batteriespeicherprojektes in Gundremmingen ist noch nicht gefallen. Vor diesem Hintergrund bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu weiteren Details noch nicht äußern können."
Nach unseren Informationen geht die Gemeinde, die eng mit dem Konzern kommuniziert, sehr wohl davon aus, dass der Batteriespeicher kommen wird. Das sagte Bürgermeister Bühler kürzlich während einer Podiumsdiskussion. Und auf Nachfrage bestätigte er, dass es dieses Vorhaben gibt. Gleichwohl kann er "nicht zu einhundert Prozent versprechen", dass die unternehmerische Entscheidung dann so ausfallen wird, wie er betont. Für Gundremmingen spricht beispielsweise, dass die Infrastruktur größtenteils bereits vorhanden ist.
Dienstreise Mitte August nach Nordrhein-Westfalen
Außerdem haben sich Bühler und seine beiden Stellvertreter Mitte August auf Dienstreise ins nordrhein-westfälische Werne begeben. Dort ist einer von zwei Standorten, an denen die erste "Megabatterie" Deutschlands steht, die RWE in 14 Monaten errichtet hat. Das Batteriesystem mit einer Gesamtleistung von 117 Megawatt (128 Megawattstunden, MWh) kann sekundenschnell für rund eine Stunde die ausgelegte Leistung bereitstellen. Insgesamt 420 Module mit Lithium-Ionen-Batterien verteilen sich auf die Kraftwerksstandorte Lingen (Niedersachsen, 49 MWh) und Werne (Nordrhein-Westfalen, 79 MWh).
Das Gundremminger Bürgermeister-Trio hat nur wenige Minuten für den entscheidenden Erkenntnisgewinn gebraucht. Die Lärmbelastung sei absolut verträglich, sagt Tobias Bühler. Die in Containern lagernden Batterien störten in einer Entfernung "von 50 bis 100 Metern" niemanden mehr. Das wollten die drei schwäbischen Kommunalpolitiker selbst mitbekommen, "deshalb haben wir den weiten Weg zurückgelegt", sagt Bühler. Ein zugeschicktes Bild verrate nichts über die Lärmimmissionen. Und ein Video war offenbar auch nicht beweiskräftig genug für die Gemeindeverantwortlichen, deshalb die Ohrenzeugenschaft.
Bürgerversammlung ist am 4. Dezember in Lauingen geplant
Über die Pläne sollen die Einwohnerinnen und Einwohner Gundremmingens am 4. Dezember auf einer Bürgerversammlung in Lauingen informiert werden. Warum Lauingen im Landkreis Dillingen? Das hat mit dem zweiten großen Vorhaben im Bereich der erneuerbaren Energie zu tun. Auf einer 40 Hektar großen, Kommunen übergreifenden und damit auch Landkreisgrenzen überschreitenden Fläche zwischen Gundremmingen und der Stadt Lauingen soll eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage entstehen. Die dafür erforderlichen Grundstücksgeschäfte sind auf der Zielgeraden oder bereits besiegelt.
Wie das mit Landwirtschaft (etwa Schafhaltung) kombiniert werden kann, ist noch nicht ausdiskutiert. Auch nicht, wie viel Leistung erzeugt werden kann. Grob spreche man von einer Megawattstunde pro Hektar, so der Gundremminger Bürgermeister, "aber das hängt unter anderem davon ab, wie viele Module installiert werden und wie eng die Reihen gestellt sind". Eines schwebt Tobias Bühler in jedem Fall vor: Dass Bürgerinnen und Bürger eine Teilhaberschaft erwerben können. Wie hoch der Betrag dafür ausfällt und in welcher Form investiert werden kann, steht nach Informationen der Redaktion noch nicht fest.