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Ichenhausen: Roland Dirr aus Ichenhausen ist Weltmeister der Schmiede

Roland Dirr aus Ichenhausen hat bei der Weltmeisterschaft der Schmiede in Stia die Goldmedaille im Mannschaftswettbewerb gewonnen.
Foto: Heike Schreiber
Ichenhausen

Roland Dirr aus Ichenhausen ist Weltmeister der Schmiede

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    Eigentlich wollte Roland Dirr nur mal schauen. Sich ansehen, wie es bei der Weltmeisterschaft der Schmiede im italienischen Stia so zugeht. Gucken, was die Konkurrenz so drauf hat. WM-Feeling erleben. Und dann in der heimischen Schmiede in Ichenhausen darauf hinarbeiten, irgendwann bei der WM teilzunehmen. Dass er vom Fleck weg für ein deutsches WM-Team engagiert wird und dann auch noch mit dieser Mannschaft den Titel holt, kann der 51-Jährige bis jetzt nicht richtig fassen. Wäre da nicht die Goldmedaille, die er in der Hand hält, es hätte auch ein Traum sein können. "Das war eine magische Geschichte", erzählt Dirr nach seiner Rückkehr aus Italien. Ein Zufall nach dem anderen hat ihm in die Karten gespielt.

    Ein befreundeter Schmied erkrankte und rief daher bei Dirr an

    Angefangen hat es damit, dass ein befreundeter Schmied erkrankte und bei Roland Dirr anrief. Dieser Freund hatte schon alles für die europäische Biennale der Schmiedekunst im toskanischen Stia geplant, die nur alle zwei Jahre stattfindet. Ob Dirr wohl sein angemietetes Hotelzimmer übernehmen wolle? Dirr zögerte keine Sekunde. Schmieden ist sein Hobby, seine Leidenschaft. Nach Feierabend und wann immer er Zeit hat, steht der gelernte Maschinenschlosser mit Hammer und Amboss in der Telchinen-Schmiede in Ichenhausen und versucht, uralte, längst vergessene Techniken aufzugreifen. Der eigenen Zunft zuzuschauen, wie sie bei der Weltmeisterschaft gegeneinander antritt, sei ein absolutes Highlight und "schon länger in meinem Kopf" gewesen, sagt Dirr. Also packten er und seine Ehefrau Elisabeth kurzerhand die Koffer und reisten nach Italien.

    Die Siegerehrung erfolge auf dem Marktplatz in Stia vor Tausenden von Zuschauern. "Das war Gänsehautstimmung", sagt der Roland Dirr (ganz rechts).
    Die Siegerehrung erfolge auf dem Marktplatz in Stia vor Tausenden von Zuschauern. "Das war Gänsehautstimmung", sagt der Roland Dirr (ganz rechts). Foto: Sammlung Dirr

    Eine gute Gelegenheit für Dirr, nicht nur einen Artikel für eine Fachzeitschrift zu schreiben, sondern einen Blick hinter die Kulissen der WM zu bekommen. Schließlich hatte Dirr insgeheim den Traum, irgendwann selbst bei dem Wettbewerb mitzumischen, "aber dann ganz vorne dabei zu sein". Um auf alles vorbereitet zu sein, Tücken und Tricks herauszufinden, wollte sich der Ichenhauser intensiv umsehen. "Da kann man viel für sich abschauen, lernt andere Schmiede kennen, kommt mit ihnen ins Gespräch." Wie es der Zufall wollte, ergab sich ein solcher Small Talk, kaum dass Dirr in Stia angekommen war.

    Roland Dirr aus Ichenhausen und Tom Carstens beim Spalten.
    Roland Dirr aus Ichenhausen und Tom Carstens beim Spalten. Foto: Sammlung Dirr

    Mit Tom Carstens habe ihn ausgerechnet ein Profi angesprochen, einer, der schon sechsmal bei der WM teilgenommen und dabei mehrere Medaillen abgeräumt hat. "Das war surreal", nennt es Dirr im Nachhinein und schildert die Szene: "Wir treffen uns, schwätzen kurz, er sagt, dass im Team einer fehlt, ob ich nicht Lust habe, mitzumachen. Ich sage ja, er sagt super, und dann sind wir wieder getrennte Wege gegangen." Bei der WM der Schmiede ist es laut Dirr üblich und auch erlaubt, noch kurz vor dem Startschuss Helfer für ein Team zu akquirieren und noch zu nominieren. Dass Carstens den Ichenhauser für seine Mannschaft "Germany 3" auserwählte, war kein purer Glücksfall, wie Dirr zugibt. Er sei kein ganz Unbekannter in der Szene. 

    So kurz der erste Kontakt mit Carstens war, so knapp fiel auch das erste und einzige Treffen mit dem Team vor Wettkampfbeginn aus. Die erste Vorgabe der Jury lautete "Connections", Verbindungen, die zweite, innerhalb von drei Stunden ein Kunstwerk herzustellen. Die Idee des Teams war es, zwei exakt ineinander passende Puzzleteile zu konstruieren. "Wir haben kurz besprochen, was wir fertigen, das wars", erzählt Dirr. Zeit für Nervosität oder Zweifel sei überhaupt keine gewesen. Mitten auf dem Marktplatz habe jedes Team seinen Platz zugewiesen bekommen, mit Material und Esse, der Feuerstelle, die dem Erwärmen von Metallteilen dient. Mit dem Startschuss hätten er und die anderen "drei Stunden lang Vollgas gegeben". Und "wie ein Puzzle zusammengefunden". Sie hätten sich quasi blind verständigt, nur über den Hammer kommuniziert. 

    Die Sieger der Schmiedeweltmeisterschaft erhielten jeweils eine Urkunde und eine Goldmedaille.
    Die Sieger der Schmiedeweltmeisterschaft erhielten jeweils eine Urkunde und eine Goldmedaille. Foto: Sammlung Dirr

    Am Ende der drei Stunden sei er fix und fertig gewesen, erzählt Dirr, "das war Hochleistungssport". Nicht nur die eigene Feuerstelle, sondern 23 weitere hätten für extreme Hitze gesorgt. Aber er sei auch stolz und glücklich gewesen, es geschafft zu haben, ein fertiges Kunstwerk abgeliefert zu haben. So mancher Konkurrent sei am Zeitlimit gescheitert, bei anderen sei die Kreation aus Metall durch einen falschen Schlag zerstört worden oder gar im Feuer verbrannt. Trotzdem habe das Publikum jedem applaudiert. "Jeder ist Feuer und Flamme, es herrscht eine Bombenstimmung." 

    Hochkonzentriert bei der Sache war der Ichenhauser Roland Dirr bei der Schmiedeweltmeisterschaft.
    Hochkonzentriert bei der Sache war der Ichenhauser Roland Dirr bei der Schmiedeweltmeisterschaft. Foto: Sammlung Dirr

    Bei der Siegerehrung herrschte Gänsehautstimmung

    Erst recht, wenn am Ende einer langen Veranstaltung vor Tausenden Zuschauern die Siegerehrung stattfindet. Mit einem Platz unter den besten 30 hätten sie maximal gerechnet, sagt Dirr. Als das Team "Germany 3" als letztes von allen und damit als Sieger nach vorne gerufen wurde, "hat es ein paar Sekunden gedauert, bis wir es gerafft haben". "Da läuft man durch die Menge, alle jubeln, und dann steht man da oben auf der Bühne, die Nationalhymne wird gespielt. Da kriegt man Gänsehaut, da gehen die Gefühle mit einem durch", schwärmt der 51-Jährige. 

    Zusammen wurden sie im Team Weltmeister (v. li.): Roland Dirr, Florin Upmann, Tom Carstens und Denni Ludwig. In der Mitte zu sehen ist das Puzzle, mit dem die Mannschaft die Jury überzeugte.
    Zusammen wurden sie im Team Weltmeister (v. li.): Roland Dirr, Florin Upmann, Tom Carstens und Denni Ludwig. In der Mitte zu sehen ist das Puzzle, mit dem die Mannschaft die Jury überzeugte. Foto: Sammlung Dirr

    Als Erinnerung hat er eine Urkunde und eine Goldmedaille mit nach Hause gebracht. Das gefertigte Puzzle-Teil bleibt in der Hall of Fame in Stia. Dirr bleibt trotz allem auf dem Boden, er hebe deshalb nicht ab. Ein WM-Titel bedeute noch lange nicht, dass er der beste Schmied der Welt sei. "Ein Titel ist schön, aber viel wichtiger ist, dass unser Beruf Aufmerksamkeit bekommt und in die Öffentlichkeit rückt." 

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