Die Lage ist nicht schlecht: Wer außen an den Tischen des früheren Theatercafés saß, hatte freien Blick auf das Untere Schloss mit dem Schulmuseum und den Storchenbrunnen. Je 60 Plätze seien es innen und außen gewesen, sagt Eigentümer Georg Abt, "ein relativ großes Café". Seit etwa drei Jahren ist es geschlossen, die damalige Pächterin hat sich einem anderen Projekt in Ichenhausen zugewandt. Jetzt in Zeiten der Pandemie sei es "ganz, ganz schwierig", ein Gastronomieprojekt zu vermieten, sagt Georg Abt. Dennoch habe er drei "ernsthafte Interessenten".
"Die Unsicherheiten sind gewaltig", sagt Abt, niemand wisse ja, wie sich die Lage entwickelt. Ohnehin finde er es in Ichenhausen "richtig schwierig" für die Gastronomie. Er nennt ein Beispiel: Der Hirsch, das Traditionshaus gegenüber vom Weißen Ross und der Kirche, hat Restaurant und Hotel geschlossen und bislang nicht wieder eröffnet.
Theatercafé: Gastronomie ist gewaltig gebeutelt
"Ein Dreivierteljahr war alles tot", sagt Abt, "die Gastronomie ist gewaltig gebeutelt". Für sein Theatercafé am Schlossplatz sei aber trotz der Pandemie Interesse da, denn: "Der Platz ist ja nicht der schlechteste." Für ihn steht fest: "Außenbewirtschaftung muss sein", es gebe deshalb Überlegungen, mehr Außensitzplätze zu schaffen und dafür auf Innenplätze im Theatercafé zu verzichten. Darüber habe er auch mit der Stadt schon gesprochen. Die Außensitzplätze konnte Abt bisher auf städtischem Grund anbieten, von der Stadt hat er im Jahr 2004 dafür eine Sondernutzungserlaubnis ab der Gebäudewand in Richtung Storchenbrunnen bekommen.
Um diese Fläche ging es jetzt im Ichenhauser Stadtrat unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes. Zweiter Bürgermeister Franz Zenker meldete sich hier zu Wort. Das Theatercafé sei "eine Bereicherung für unsere Stadt und eine hervorragende Sache" gewesen, jetzt aber werde die für die Außenbewirtung zur Verfügung gestellte Fläche teilweise als Lagerfläche, als privater Parkplatz oder anderweitig genutzt. Die Pflege der Fläche lasse zu wünschen übrig, sagte Zenker und wies auf zwischen den Betonsteinen sprießendes Gras hin und auf zwei Tische, die im Westen des Gebäudes Weißes Ross auf städtischem Grund stehen.
Zenker stellte in der Stadtratssitzung den Antrag, dass die städtischen Flächen sofort zu räumen seien. Sollte der Eigentümer des Weißen Ross, also Georg Abt, auf der Fläche wieder eine Bewirtung beabsichtigen, müsse er einen neuen Antrag stellen, forderte der Zweite Bürgermeister. Grundsätzlich sei ein Café an dieser Stelle "mehr als wünschenswert" für die Belebung der Innenstadt. Ein gastronomischer Betrieb dort müsste nach Ansicht von Zenker aber mindestens sechs Tage in der Woche und an jedem Öffnungstag mindestens sechs Stunden geöffnet sein.
Theatercafé in Ichenhausen: Antrag ohne Abstimmung
Über Zenkers Antrag konnte in der Stadtratssitzung nicht abgestimmt werden, denn das hätte eine Änderung der Tagesordnung erfordert und diese war nicht möglich, weil nicht alle Stadträte anwesend waren, sagte Ichenhausens Bürgermeister Robert Strobel auf Anfrage. In der Sitzung erklärte Strobel jedoch, warum die Stadt die Sondernutzungsvereinbarung mit Georg Abt bisher nicht widerrufen hat, auch wenn das Theatercafé schon seit drei Jahren nicht mehr betrieben wird.
Bis zum Winter seien im Gebäude Baumaßnahmen durchgeführt worden, und für diese Umbauphase habe die Stadtverwaltung die Nutzung der Freifläche zum Abstellen von Baucontainern und Ähnlichem gestattet. Im Februar habe der Gebäudeeigentümer dann mitgeteilt, dass er sich, sobald die Corona-Situation dies zulasse, wieder auf die Suche nach einem Café-Betreiber machen wolle.
Georg Abt will keine Details zu den Interessenten verraten
Dies sei geschehen, sagte Georg Abt auf Anfrage der Redaktion. Näheres über die drei Interessenten wollte er allerdings nicht mitteilen, "das wäre zu arg aus dem Nähkästchen geplaudert". Er fände es jedenfalls auch im Interesse der Stadt gut, wenn das Projekt wieder belebt werden könnte. Grundsätzlich, so Abt, gelte aber auch hier wie generell in der Gastronomie: "Subventionierte Cafés und Gaststätten sind ein Riesenproblem in der Gastronomie." Abt hat da vor allem Pfarrheime und Vereinsgaststätten im Fokus, die mit ehrenamtlichen Mitarbeitern seiner Ansicht nach den gewerblichen Gastwirten das Geschäft sehr erschweren oder gar kaputt machen würden.
Zu den Interessenten, die er für das Theatercafé an der Hand hat, machte er dann aber doch eine Andeutung: Einer von ihnen fasse die Wiedereröffnung des Cafés als Pop-up-Betrieb ins Auge. Das bedeutet, dass eine Location für begrenzte Zeit von einem oder auch von wechselnden Betreibern betrieben wird. "Diese Variante nimmt auch in der Gastronomie zu", sagte Georg Abt.