Im Heimatmuseum Günzburg werden Kunstschätze und Alltagsgegenstände bewertet
Günzburg
Zwischen Kunst und Krempel: Sprechstunde im Heimatmuseum enthüllt unerwartete Geschichten
Experten begutachten in Günzburg mitgebrachte Gegenstände. Nicht jeder Schatz entpuppt sich bei der Kunstsprechstunde als wertvoll. Spannend wird es trotzdem.
Dem Kurator des Günzburger Museums, Rudolf Kombosch fiel die schöne Ausstrahlung einer von Elisabeth Flott vorgestellten Madonna besonders ins Auge. Mit ihm begutachtete Historikerin Sarah Lorenz die mitgebrachten Schätze.Foto: Claudia Jahn
Handelt es sich bei den alten Stücken vom Speicher oder aus dem Haushalt der Oma um „ein altes Glump“ zum Wegwerfen oder verbirgt sich da vielleicht ein kleiner bislang unerkannter Schatz? In Günzburg konnten sich viele Interessierte wertvolle Informationen zu diesen Gegenständen vom Kurator des Günzburger Heimatmuseums, Rudolf Kombosch, und der Historikerin Sarah Lorenz geben lassen. Die beiden Experten beurteilten dabei nicht nur die präsentierten Gegenstände, sondern bereicherten den Nachmittag mit vielen interessanten kunsthistorischen Hintergrundinformationen.
Ein ganz am Anfang vorgestelltes Bild erschien Kombosch als ein recht interessantes Original, das jedoch überarbeitet werden müsse. Er gab dem Besitzer den Rat, sich bei der Galeria Nazionale in Rom nach dem Künstler zu erkundigen, der das Bild signiert hatte. Eine alte Kamera erwies sich als Liebhaberstück, leider ohne großen Wert, da es keine Leica, sondern „nur eine Agfa“ ist.
Im Günzburger Heimatmuseum wurden mitgebrachte Schätze begutachtet
Interessant war es zu hören, wie stolz die Menschen vor über 100 Jahren auf die kunstvoll verzierten „Reservistenkrügen“ waren, die jeder besaß, der damals gedient hatte. Zwei auf einem Speicher gefundenen, aus der sowjetischen Marine stammenden Ferngläser, die noch voll funktionsfähig sind, wurde ein gewisser Wert in Sammlerkreisen attestiert. Beim Betrachten eines Kunstdrucks von Dürers berühmter „Akelei“, dessen Original in der Albertina zu bestaunen ist, meinte Rudolf Kombosch, dass es früher weitverbreitet gewesen sei, von berühmten Bildern Kopien in hochwertigen Rahmen aufzuhängen.
Großer Andrang herrschte am Sonntagnachmittag im Heimatmuseum in GünzburgFoto: Claudia Jahn
Wunderschön gefasste Porzellanfiguren waren während der Nazarenerzeit im 19. Jahrhundert beliebte Kunstobjekte, die später allerdings eine Zeit lang als kitschig und süßlich in Verruf geraten sind. Dem Kurator fiel die schöne Ausstrahlung einer Madonna besonders ins Auge. Auch die kunstvollen Anfertigungen von Porzellan aus Meißen oder anderer thüringischer Manufakturen, die sich an den Meißner Vorlagen orientierten, wurden an diesem Nachmittag begutachtet.
Historikerin Sarah Lorenz begutachtete zwei aus der sowjetischen Marine stammende FerngläserFoto: Claudia Jahn
Margaretha Endhardt unterstützt spontan bei Ausstellungsbesuch
Es gab auch einige religiöse Preziosen aus alten Tagen, deren Bedeutung den Besuchern vor Augen geführt wurde. Dicke antike Bücher erwiesen sich als historische Heiligenbücher aus der Zeit des Pietismus, sogenannte „Legend“, die damals gerne wegen ihrer leichteren Verständlichkeit als Bibelersatz zur täglichen frommen Lektüre genommen wurden. Das Stehkreuz mit den beiden dazu passenden Leuchtern sei eine Versehgarnitur, wie Rudolf Kombosch erläuterte. Solche Garnituren, die „jeder vernünftige christliche Haushalt gehabt“ hätte, dienten zur Aussegnung von zu Hause Verstorbenen.
Margaretha Endhardt kam als Besucherin und wurde als Restauratorin auch zurate gezogen.Foto: Claudia Jahn
In einer Schatulle fanden sich zwei fein gearbeitete Silberfiligran Rosenkränze aus der Schwäbisch Gmünder Tradition, die noch komplett erhalten waren. Margaretha Endhardt, die als interessierte Besucherin zur Kunstsprechstunde gekommen war, wurde kurzerhand auch als Expertin zurate gezogen bei einem barocken Engel, der sich leider als eine relativ professionell gemachte Kopie herausstellte. Dies erkannte sie an der für die barocke Zeit untypische Gestaltung der Haare sowie der Farbgebung. Auch wenn sich viele Stücke nicht als geldwerte Schätze herausgestellt haben, so bleibe ihnen doch ein ideeller Wert, so wie die Restauratorin beim Betrachten eines recht schönen Kruzifixes in Worte fasste: „Heben Sie das Kreuz auf. Es ist ein Segen fürs Haus.“
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