Der Stadtrat Burgau hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Anpassung der Wasser- und Abwassergebühren befasst. Armin Demmeler vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband (BKPV) stellte die neuen Berechnungen für den Zeitraum Oktober 2025 bis zum 31. Dezember 2028 vor. Dass die Kosten grundsätzlich steigen müssen, um auch Investitionen in die Wasserversorgung zu finanzieren, das war im Stadtrat kein Thema. Doch bei der Frage, ob Grundgebühr oder Verbauchsgebühr steigen sollen, gingen die Meinungen auseinander.
Die Neukalkulation betrifft konkret die Wasserversorgungsanlage für das Gebiet der Kernstadt Burgau und der Stadtteilse Oberknöringen und Limbach. Außerdem betrifft sie die Entwässerung für die Kernstadt Burgau, welche zur Kläranlage Burgau geleitet wird (Mindelast) und für das Gebiet der Stadt Burgau, welche zur Kläranlage des Abwasserverbandes Mindel-Kammel nach Offingen geführt wird (Kammelast).
Wasserversorgungseinrichtungen in Burgau befinden sich im Minus
Für die Wasserversorgungseinrichtung Burgau besteht laut Demmeler derzeit eine Kostenunterdeckung von rund 486.000 Euro. „Wir wollten auf null kommen“, kommentierte er, doch dann seien die Energiekrise sowie sehr hohe Unterhaltskosten unter anderem durch Rohrbrüche in den Jahren 2021 und 2022 entstanden. Auch in den kommenden Jahren sind neben den laufenden Betriebskosten hohe Ausgaben eingeplant, „es stehen erhebliche Investitionen im Raum“. Konkret geht es dabei um 2,4 Millionen Euro. Bei der Wasserversorgungsanlage Limbach beträgt das Minus etwa 31.000 Euro. Grund dafür sind laut dem Betriebs- und Verwaltungswirt der hohe Unterhalt sowie Wasserbezugs- und Verwaltungskosten.
Bei den Entwässerungsanlagen sehe es derzeit zwar noch besser aus, diese befänden sich laut der jüngsten Kalkulation größtenteils in einer Kostenüberdeckung. Doch in beiden Fällen sei noch für das laufende Jahr mit einer Unterdeckung zu rechnen. In den kommenden Jahren sind im Gebiet des Mindelasts Investitionen von 2,7 Millionen Euro in das Abwassernetz geplant, darunter die Kanalerneuerung. Auch beim Kammelast ist mit Investitionen in Höhe von 1,4 Millionen Euro zu rechnen, etwa für Kanalerneuerungen und in die Kläranlage.
Neukalkulation der Wassergebühren: Dem Stadtrat wurden mehrere Alternativen präsentiert
„Grundsätzlich gilt das Kostendeckungsgebot. Das heißt, dass die Gebühren, die erhoben werden, die Kosten decken sollen“, erklärte der Betriebs- und Verwaltungswirt. Für die Wasserversorgungseinrichtungen Burgau und Limbach stellte er jeweils drei Varianten vor. „Alle drei Höhen führen zur Kostendeckung“, so Demmeler. Er selbst spreche sich für eine höhere Grundgebühr und niedrigere Verbrauchsgebühr aus.
Die Neukalkulation bedeutet für die Kernstadt und Oberknöringen konkret: Für den kleinsten Wasserzähler, den die meisten Haushalte nutzen, mit bis zu vier Kubikmetern Durchfluss die Stunde, bliebe mit der Alternative 1 mit 36 Euro im Jahr die Grundgebühr gleich. Der Verbrauchspreis würde von 1,90 auf 2,56 Euro pro Kubikmeter Wasser steigen. Bei Alternative 2 läge die Grundgebühr für den kleinsten Zähler bei jährlich 72 Euro und der Verbrauchspreis bei 2,31 Euro, bei Alternative 3 betrage die Grundgebühr 96 Euro im Jahr und der Verbrauchspreis 2,14 Euro pro Kubikmeter.
In Limbach sieht es ähnlich aus, die Grundgebühr würde sich in den drei Gebührenkalkulationen exakt wie in Burgau entwickeln, nur der Verbrauchspreis wäre ein anderer. Bei Alternative 1 läge dieser bei 3,32 Euro pro Kubikmeter Wasser statt bisher 2,26 Euro. Mit steigender Grundgebühr läge der Verbrauchspreis bei Alternative 2 bei 2,98 Euro und bei Alternative 3 bei 2,76 Euro pro Kubikmeter Wasser.
Auch die Abwassergebühren in Burgau steigen
Bei der Abwasserbeseitigung gibt es ebenfalls zwei Alternativrechnungen. Beim Abwasser, das den Mindelast betrifft, bliebe bei Alternative 1 die Grundgebühr beim kleinsten Zähler bei 48 Euro im Jahr. Die Schmutzwassergebühr würde von 1,97 Euro auf 2,33 Euro pro Kubikmeter Wasser steigen, die Niederschlagswassergebühr würde – auch bei der zweiten Variante – um sechs Cent auf 26 Cent steigen. Die Alternative 2 würde eine Grundgebühr von 60 Euro mit dem kleinsten Zähler und eine Schmutzwassergebühr von 2,26 Euro pro Kubikmeter bedeuten. Ähnlich sieht es beim Kammelast aus. Die Steigerung der Grundgebühr verhält sich auch hier wie beim Mindelast. Die Schmutzwassergebühr würde bei Alternative 1 von bisher 2,02 Euro auf 2,44 Euro steigen, die Niederschlagswassergebühr bei beiden Varianten von 33 auf 55 Cent. Bei Alternative 2 würde das Schmutzwasser 2,31 Euro pro Kubikmeter kosten.
Eveline Kuhnert (Grüne) argumentierte im Sinne der Nachhaltigkeit: „Ich finde eine niedrigere Grundgebühr sinnvoller, der höhere Verbrauchspreis animiert zum Wassersparen.“ Doch in einem geringeren Wasserverbrauch sah etwa Ludwig Glink (CWG) einen Nachteil: „Bei zu wenig Wasserverbrauch muss gespült werden“. Stadtbaumeister Werner Mihatsch entgegnete dem, dass, selbst wenn die Bürgerinnen und Bürger deutlich weniger Wasser verbrauchen würden, noch genug Wasserwechsel da sei. Laut Mihatsch verbraucht ein Einwohner etwa 120 Liter am Tag.
Die Mehrheit im Stadtrat stimmt für deutlich höhere Grundgebühr
Dieter Endris (FDP/F.B.) sah vor allem den preislichen Sprung der Grundgebühr von Alternative 2 auf 3 kritisch. „Die Alternative 2 ist ja schon eine Verdoppelung, eine noch höhere Grundgebühr überzeugt mich nicht.“ So würden die Kosten vor allem auf viele kleine Haushalte verteilt werden und nicht an die Großverbraucher weitergegeben. „Es macht jetzt Sinn, bei den ganzen Investitionen, eine höhere Grundgebühr festzulegen“, sagte Manfred Hammerschmidt (CSU), das würde der Stadt bei den Investitionen auch mehr Sicherheit geben. Letztlich stimmte die Mehrheit im Stadtrat mit 15 zu fünf Stimmen bei der Wasserversorgung für die Alternative 3, mit der höchsten Grundgebühr und dem niedrigsten Verbrauchspreis, sowie beim Abwasser jeweils für Alternative 2.
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